Microsoft will die Maia-Familie ab 2027 auf Einsätze im Multi-Gigawatt-Maßstab ausbauen und sie zum primären Inferenzsystem für eigene Produkte und Dienste machen. Maia 300 soll im selben Jahr in den Produktiveinsatz gehen; Maia 200 läuft laut Microsoft bereits mit produktiven Arbeitslasten, darunter Microsoft Copilot. Den Ausbauplan stellte Microsoft am 12. Oktober 2026 vor.

Maia 200 ist im Einsatz, Maia 300 soll 2027 folgen

Microsoft zufolge verarbeitet Maia 200 bereits OpenAI-Modelle, Microsoft-MAI-Modelle und führende Open-Source-Modellfamilien. Das Unternehmen setzt die Beschleuniger nach eigener Angabe in den USA, Europa und Australien ein. Maia 300 ist dagegen Teil des angekündigten nächsten Ausbauschritts: Die Produktionsbereitstellung soll 2027 beginnen.

Damit beschreibt Microsoft zwei unterschiedliche Entwicklungsstände: produktive Arbeitslasten auf Maia 200 und einen geplanten Produktionsstart für Maia 300. Der Multi-Gigawatt-Ausbau bezieht sich auf die Maia-Familie ab 2027.

Maia 300 ist ein Rack- und Netzwerksystem

Ein einzelner Maia-300-Beschleuniger besitzt laut Microsoft acht HBM4-Stacks mit insgesamt 288 GB Speicher und einer Spitzenbandbreite von 18 TB/s. HBM steht für „High Bandwidth Memory“ und bezeichnet besonders breit angebundenen Speicher direkt am Beschleuniger. Die Rechenchiplets basieren auf TSMCs N2P-Prozess; Microsoft beschreibt ein Chiplet-Design, das Rechen-, Speichercontroller- und Ein-/Ausgabefunktionen aufteilt. Die Architektur beschreibt Microsoft im technischen Überblick zu Maia 300.

Ein Rack bündelt 96 Beschleuniger in 24 Trays mit jeweils vier Chips. Microsoft gibt dafür einen Leistungsrahmen von 167 kW an. Auf der nächsthöheren Ebene soll ein Scale-up-Verbund – also ein Netzwerk, das Beschleuniger für gemeinsame Arbeitslasten koppelt – bis zu 12.288 Beschleuniger über maximal 128 Racks verbinden. Das Netzwerk nutzt laut Microsoft ein zweistufiges Ethernet-System mit direkten Verbindungen zwischen Beschleunigern, geschalteten Verbindungen innerhalb eines Racks und optischen Links zwischen Racks.

Maia 200 und Maia 300 im Vergleich

Microsoft veröffentlicht für beide Generationen vergleichbare Angaben zu HBM, Speicherbandbreite und maximaler Größe des Scale-up-Verbunds. Die Maia-200-Werte stammen aus Microsofts Architekturbeitrag zur Vorgängergeneration.

GenerationHBM je BeschleunigerMaximale HBM-Bandbreite je BeschleunigerMaximale Größe des Scale-up-Verbunds
Maia 200216 GB HBM3e7 TB/s6.144 Beschleuniger
Maia 300288 GB HBM418 TB/s12.288 Beschleuniger

Die Werte ordnen die Speicher- und Netzwerkdimensionen der beiden Generationen ein. Sie beschreiben unterschiedliche Ebenen des Systems: Die HBM-Angaben gelten pro Beschleuniger, die Scale-up-Zahl für den maximalen Verbund.

Was Microsofts Leistungsangaben vergleichen

Für ein vollständiges Maia-300-Rack mit 96 Beschleunigern nennt Microsoft bis zu siebenmal so viel Token-Durchsatz auf Rack-Ebene wie bei Maia 200. Das ist ein Vergleich ganzer Rack-Konfigurationen, keine Angabe zur Geschwindigkeit eines einzelnen Chips. Microsoft veröffentlichte den Wert zusammen mit dem Ausbauplan.

Daneben beansprucht das Unternehmen 40 Prozent mehr Tokens pro Megawatt gegenüber führenden GPU-Systemen. Diese Kennzahl setzt den Token-Durchsatz ins Verhältnis zum Energieeinsatz; der Microsoft-Beitrag nennt für diesen Vergleich keine konkreten GPU-Konfigurationen oder Arbeitslasten. Die beiden Zahlen verwenden also verschiedene Vergleichsmaßstäbe: einmal den Rack-Durchsatz gegenüber Maia 200, einmal Tokens pro Megawatt gegenüber GPU-Systemen.