In ihrer am 15. Oktober 2026 veröffentlichten Auswertung zum Rückflug vom 10. April kommt NASA zu dem Schluss, dass Orions thermische Leistung bei Artemis II im Rahmen der technischen Vorhersagen und Bodentests lag. Am Hitzeschild zählte die Behörde neun unterschiedlich große Stellen mit Verlust verkohlten Materials; bei Artemis I waren es 103. NASA-Auswertung vom 15. Oktober 2026.

Was NASA am Hitzeschild zählte

MissionStellen mit Verlust verkohlten MaterialsEintrittsprofil
Artemis I103Skip-Reentry
Artemis II9, unterschiedlich großKein Skip-Reentry; verkürzte zulässige Strecke in Flugrichtung

Die Zahlen erfassen einzelne Verluststellen, nicht die insgesamt verlorene Materialmenge. NASA bezifferte den Rückgang von Rissbildung und Materialverlust gegenüber Artemis I auf den Faktor zehn und führte ihn auf das veränderte Eintrittsprofil zurück.

Der Schild von Artemis II besteht aus 186 Avcoat-Blöcken. Orion erreichte beim Rückflug laut NASA das 39-Fache der Schallgeschwindigkeit; die Außentemperatur stieg in der Spitze auf mehr als 2.200 °C, während es in der Kabine bei rund 24 °C blieb. Auch die 1.300 Keramikfliesen an der Rückenschale erfüllten laut NASA ihre erwartete Funktion. Bei Sichtprüfungen der Bereiche um Fenster, Öffnungen, Triebwerke und Seitenschleuse fand die Behörde keine Anzeichen für Überhitzung.

Wie NASA auf den Artemis-I-Befund reagierte

NASA: Artemis-II-Hitzeschild arbeitete wie vorhergesagt

Artemis I absolvierte am 11. Dezember 2022 einen Skip-Reentry. Bei dieser Mission baute sich laut NASA in wenig durchlässigem Avcoat Gasdruck auf, der zum Verlust verkohlten Materials führte. Avcoat ist ein Ablationsmaterial: Bei starker Erhitzung entstehen Gase und eine verkohlte Schutzschicht, die zur Abschirmung der Kapsel beitragen. NASA reproduzierte den Befund in Bodentests, wie ein technisches NASA-Abstract zur Untersuchung beschreibt.

Bei Artemis II flog Orion ohne Skip-Reentry. NASA verkürzte außerdem die zulässige Strecke in Flugrichtung zwischen Atmosphäreneintritt und Wasserung. Damit sollte Orion weniger Zeit in dem Temperaturbereich verbringen, der mit dem Artemis-I-Befund in Verbindung stand. Die Maßnahme änderte das Eintrittsprofil.

Welche Auswertungen nach dem Flug weiterliefen

In ihrer Veröffentlichung vom 15. Oktober erklärte NASA, sie vergleiche Laserscans nach dem Flug mit Messungen vor dem Start, um den Materialabtrag zu bestimmen. Auch Probenentnahme sowie weitere Material- und Wärmeanalysen liefen zu diesem Zeitpunkt noch.

Für Artemis III umfasst die Hitzeschild-Auslegung laut NASA Verbesserungen, die eine gleichmäßigere Beschaffenheit der Avcoat-Blöcke und eine einheitlichere Materialdurchlässigkeit erreichen sollen. Mehr zum Missionskontext bietet unser Bericht zu Artemis III. Die Mondbeobachtungen der Crew behandelt unser Bericht zur ersten Freigabe der Artemis-II-Mondforschungsdaten.