NASA eröffnete am 5. Oktober 2026 die Lunar Grounding Challenge. Gesucht wird ein Konzept, das Astronauten nach Außeneinsätzen nahe dem Südpol sicher entlädt, bevor sie den Mondlander berühren. Insgesamt winken bis zu 150.000 US-Dollar Preisgeld; Einsendeschluss ist der 15. Januar 2027. NASA nennt den Wettbewerb und die Frist.
Warum NASA eine kontrollierte Entladung fordert
Beim Gehen kann sich ein Raumanzug triboelektrisch aufladen – Ladung entsteht dabei unter anderem durch Kontakt und Reibung. Auch das Plasma in der Umgebung trägt zur Aufladung bei. In Schatten und dauerhaft beschatteten Regionen kann sich die negative Ladung verstärken, weil dort Photoelektronenemission und der Zustrom von Ionen aus dem Plasma fehlen.
Nähert sich ein Astronaut anschließend einem sonnenbeschienenen Lander, kann die Spannungsdifferenz eine elektrostatische Entladung auslösen. Ein schneller Entladevorgang könnte Anzugschichten oder Elektronik beschädigen, die sauerstoffreiche Umgebung im Anzug gefährden oder der Besatzung einen Stromschlag versetzen. NASA beschreibt diesen Mechanismus in der Übersicht zur Challenge.
Der elektrische Auslegungsfall und seine Grenzen
NASA Tournament Lab setzt für die Challenge einen Astronauten mit −100 kV oder einer noch negativeren Spannung und einen Lander bei etwa +100 V an. Diese Werte gehören zum vorgegebenen Auslegungsfall; sie sind keine Messwerte eines Mond-Einsatzes. Der Strom an der Schnittstelle zum Anzug darf höchstens 1,0 mA betragen, angestrebt werden höchstens 0,2 mA. Die technischen Wettbewerbsbedingungen umfassen außerdem Sicherheits-, Masse- und Umweltrahmen:
| Bereich | Vorgabe der Challenge | Einordnung |
| Spannung | Astronaut: −100 kV oder stärker negativ; Lander: etwa +100 V | Elektrischer Auslegungsfall |
| Strom an der Anzugschnittstelle | Höchstens 1,0 mA; Zielwert höchstens 0,2 mA | Strom während der Entladung |
| Lichtbogen | Soll vermieden werden; falls er entsteht, darf er weder Anzug noch Astronaut berühren | Sicherheitsbedingung |
| Entladungsdauer | 30 Sekunden im ungünstigsten Fall | Zeitrahmen der Entladung |
| Masse | Weniger als 20 kg | Obergrenze für die Lösung |
| Außeneinsätze | Bis zu vier EVAs innerhalb von zehn Tagen | Betrieb unter Mondbedingungen |
| Kapazitätsmodell | 200 pF für den Astronauten im Anzug | Elektrische Modellannahme |
| Mondumgebung | 0,165 g Oberflächengravitation; Staubpartikel von etwa 0,02 bis 10 μm | Umgebungsbedingungen |
| Temperatur | Etwa −218 bis −35 °C | NASA Tournament Lab bezeichnet dies als durchschnittlichen Temperaturbereich für Artemis IV |
| Anschlüsse und Energie | Potentialausgleichsanschlüsse an Anzug und Lander; bei Bedarf bis zu 40 W verfügbare Landerleistung | Die 40 W sind verfügbare Versorgung, keine Verbrauchsgrenze für das Gerät |
Damit umfasst die Aufgabe mehr als die kontrollierte Ableitung einer hohen Spannung: Das Konzept muss auch mit Staub, extremen Temperaturen und mehreren Außeneinsätzen innerhalb von zehn Tagen zurechtkommen. NASA Tournament Lab nennt außerdem Anschlusspunkte für den Potentialausgleich an Anzug und Lander. Die bis zu 40 W beziehen sich auf die Leistung, die der Lander bei Bedarf bereitstellen kann.
Wettbewerb, Preisgeld und Frist
NASA Tournament Lab führt die Challenge als offen für Einreichungen und kostenlos aus. In Phase 1 genügt ein Konzept: Fertigung und physische Prototypentests sind nicht erforderlich. Bis zu fünf Finalisten können anschließend in Phase 2 ihre Vorschläge anhand schriftlicher Rückmeldungen der Gutachter weiterentwickeln.