Novo Nordisk und Anthropic haben am 16. September 2026 eine Zusammenarbeit angekündigt: Anthropic stellt Claude Science für Tests in ausgewählten Forschungs- und Entwicklungsabläufen der Arzneimittelforschung bereit. Zusätzlich sollen Anthropic-Modelle die KI-gestützte Softwareentwicklung bei Novo Nordisk stärken. Das Programm ist ein geplanter Forschungstest und kein bereits erzieltes klinisches Ergebnis.
Was der Claude-Science-Test leisten soll
Im Mittelpunkt stehen Herausforderungen der Arzneimittelentdeckung und Aufgaben, bei denen biologische Zusammenhänge ausgewertet und neue Medikamente entwickelt werden sollen. Claude Science soll dabei zunächst in den Forschungs- und Entwicklungsabläufen eingesetzt werden, bei denen Novo Nordisk und Anthropic den größten gemeinsamen Nutzen erwarten.
Für die wissenschaftliche Arbeit nennt Novo Nordisk zwei Ziele: bessere Unterstützung beim biologischen Schlussfolgern und eine schnellere Arzneimittelentdeckung und -entwicklung. Claude Science soll Forschende also bei der Verarbeitung wissenschaftlicher Zusammenhänge unterstützen – nicht eigenständig ein fertiges Medikament auf den Markt bringen.
Die Kooperation reicht über die Arzneimittelforschung hinaus
Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die Suche nach neuen Wirkstoffen. Novo Nordisk plant außerdem, die Frontier-Modelle von Anthropic für die KI-gestützte Softwareentwicklung zu nutzen und damit den Ausbau von KI im Unternehmen zu unterstützen.
Mike Doustdar, Präsident und CEO von Novo Nordisk, beschreibt KI als Möglichkeit, die Produktivität in Forschung und Entwicklung zu steigern und den Weg von der Forschung bis zu einem vermarkteten Produkt zu verkürzen. Das ist das erklärte Ziel der Kooperation – ein gemessener Zeitgewinn für dieses Programm ist damit noch nicht verbunden.
Dario Amodei, Mitgründer und CEO von Anthropic, formulierte die langfristige Perspektive noch größer: KI könne möglicherweise ein Jahrhundert biologischer und medizinischer Fortschritte auf ein Jahrzehnt verdichten. Diese Aussage beschreibt eine erwartete Möglichkeit, keinen erreichten Meilenstein der Zusammenarbeit.
Daten-Governance und menschliche Aufsicht
Novo Nordisk zählt robuste Regeln für die Daten-Governance und menschliche Aufsicht zum Design der Zusammenarbeit. Gerade in der Arzneimittelforschung ist das entscheidend: Forschungsergebnisse, biologische Daten und daraus abgeleitete Modelle müssen in kontrollierte Arbeitsabläufe eingebettet bleiben.
Die angekündigte Kooperation verbindet Claude Science daher mit bestehenden ethischen und Compliance-Standards von Novo Nordisk. Die Verantwortung für wissenschaftliche Entscheidungen bleibt bei den Menschen, die diese Abläufe steuern und bewerten.
Novo Nordisk hatte Anthropic bereits im Einsatz
Die Zusammenarbeit setzt auf Erfahrungen auf, die Novo Nordisk bereits mit Anthropic-Modellen gesammelt hat. Louise Skov, Leiterin der Content-Digitalisierung bei Novo Nordisk, beschrieb im April 2025 einen Arbeitsablauf für klinische Studienberichte mit Claude 3.5, MongoDB und AWS.
Skov gab an, dass die Erstellung der Dokumente dadurch von Wochen auf Minuten gesunken und der Ablauf um 90 Prozent schneller geworden sei. Diese Zahl bezieht sich auf die Dokumentenproduktion und nicht auf die jetzt geplanten Forschungsabläufe.
Karin Conde-Knape, Senior Vice President für globale Arzneimittelforschung bei Novo Nordisk, hatte bereits 2024 den Einsatz von KI, automatisierten Laborgeräten, Datenanalyse und Vorhersagemodellen im Forschungsumfeld des Unternehmens beschrieben. Die neue Zusammenarbeit soll diese bestehende KI-Strategie um Claude Science erweitern.
Ein Forschungsplan, kein medizinischer Durchbruch
Die Zusammenarbeit ist als Test ausgewählter Forschungs- und Entwicklungsabläufe angelegt. Ein neues Medikament, ein klinischer Nutzen oder eine gemessene Beschleunigung der Arzneimittelentwicklung gehören damit noch nicht zu den Ergebnissen des Programms.