Quilty Space prognostiziert außerhalb Chinas bis 2030 eine Lücke von rund 150 Raketenstarts zwischen dem Angebot und der Nachfrage von Satellitenbetreibern und zivilen Raumfahrtagenturen. Ars Technica berichtete am 30. Oktober 2026 über diese Schätzung. Sie beschreibt eine erwartete Angebotslücke, keine bereits ausgefallenen Starts. Am stärksten soll der Engpass 2028 sein.
Was die Prognose erfasst
Die rund 150 Starts beziehen sich auf die Differenz zwischen erwarteter Startkapazität und dem prognostizierten Bedarf außerhalb Chinas bis 2030. Caleb Henry, Forschungsdirektor bei Quilty Space, sagte, der Engpass könnte sich erst gegen Ende der 2030er-Jahre abschwächen.
Als Gründe für die wachsende Lücke nennt die Analyse mehrere Faktoren: Die Nachfrage von Amazon Leo, russische Raketen, die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine vom westlichen Markt verschwanden, sowie Entwicklungsverzögerungen bei New Glenn, Vulcan, Neutron, Terran R und Nova. Auch den Rückzug der Falcon 9 aus dem kommerziellen Startgeschäft führt sie an. Die einzelnen Faktoren sind nicht mit eigenen Anteilen an der geschätzten Lücke beziffert.
New Glenn soll die Startfrequenz schrittweise steigern
Quilty Space setzt für New Glenn in einer konservativen Prognose acht Starts im Jahr 2028, zwölf im Jahr 2029 und 16 im Jahr 2030 an. Die Zahlen sind erwartete jährliche Starts, keine bereits absolvierten Flüge.
| Jahr | Prognostizierte New-Glenn-Starts |
| 2028 | 8 |
| 2029 | 12 |
| 2030 | 16 |
Blue Origin baut laut dem Bericht Produktionskapazität für bis zu 150 Oberstufen pro Jahr auf. Diese Fertigungskapazität ist nicht mit der Zahl möglicher New-Glenn-Starts gleichzusetzen; Quiltys Prognose für 2030 liegt bei 16 Starts.
Zusätzlicher Militärbedarf könnte die Lücke vergrößern
Die Basisprognose berücksichtigt den Anstieg des US-amerikanischen Militärbedarfs nicht. Die Lücke könnte sich laut dem Bericht verdoppeln, falls dieser Bedarf hinzukommt und SpaceX den Einsatz von Falcon 9 und Falcon Heavy nicht für zusätzliche nationale Sicherheitsmissionen verlängert.
Für die Startklassen Lane 1 und Lane 2 der U.S. Space Force nennt Ars Technica geänderte Bedarfsprognosen: Bei Lane 1 stieg die Schätzung von 30 bis 60 auf rund 170 Starts, bei Lane 2 von 54 auf 79. Die Bestellungen für diese Missionen sind für den Zeitraum 2025 bis 2029 vorgesehen.
Starship ist keine automatische Ersatzkapazität
Starship könnte zusätzliche Startkapazität bieten. Für Satelliten, die nicht für Starlink ausgelegt sind, kommt es jedoch auch darauf an, wie sie aus dem Träger freigesetzt werden. Ars Technica beschreibt den Dispenser von Starship als schmal und auf Starlink-Satelliten ausgelegt.
Telesat-Chef Dan Goldberg sagte, sein Unternehmen rechne mit möglichen Starship-Flügen für künftige Missionen, sofern Telesats Satelliten der nächsten Generation in diesen Dispenser passen. Das ist eine bedingte Erwartung an künftige Starts, keine bereits bestätigte Kompatibilität für bestimmte Satelliten.