Die CSIS-Analyse zu Forschungsschiffen im Pazifik fand einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen chinesischer Flagge und mehr beobachteter Zeit in der Nähe von Unterwasserinfrastruktur auf Hoher See. Der Befund beschreibt ein Muster auf Flottenebene. Die US-China Economic and Security Review Commission (USCC) bewertete unabhängig davon die Verwundbarkeit transpazifischer Kabel und skizzierte mögliche Folgen von Ausfällen.
Welche Pazifik-Kabel die USCC als verwundbar einstuft
Am 22. September 2026 veröffentlichte die USCC einen Verwundbarkeitsindex für US-amerikanische transpazifische Kabelsysteme, den Trans-Pacific Cable Gray Zone Vulnerability Index (GZVI). Er berücksichtigt Risiken wie flache Trassen, dichten Schiffsverkehr, maritime Gebietsansprüche und Verbindungen nach Taiwan. Die USCC nennt Verbindungen zwischen den USA und Taiwan, Japan sowie den Philippinen als besonders exponiert. Auch Kabelverbindungen nach Hawaii und Guam bewertet sie als verwundbar; dort gebe es nur wenige Ausweichmöglichkeiten.
Ars Technica berichtete am 28. Oktober 2026, dass Googles TPU-Projekt, Metas ORCA-Kabel und E2A zu den fünf Projekten mit den höchsten Werten im Index gehörten. E2A ist dem Bericht zufolge im Miteigentum von Verizon und Unternehmen aus Japan, Südkorea und Taiwan. Die Einstufung benennt Verwundbarkeit, nicht eine konkrete Beschädigung.
Was CSIS über die Forschungsschiffe gemessen hat
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) veröffentlichte seine Analyse am 8. Oktober 2026. Dafür wertete es Daten des automatischen Identifikationssystems (AIS) aus. AIS übermittelt unter anderem Schiffspositionen. Die Auswertung umfasste 223 Forschungs-, Vermessungs-, Tauch-, Spezial- und Fischereiaufsichtsschiffe und deren Bewegungen vom 1. Januar 2020 bis zum 9. Dezember 2025. CSIS verglich die chinesische Flotte mit den Forschungsflotten aus 47 weiteren Ländern.
Chinesisch beflaggte Schiffe verbrachten in den untersuchten Daten auf Hoher See einen statistisch signifikant größeren Anteil ihrer beobachteten Zeit in der Nähe von Unterwasserinfrastruktur als die meisten nationalen Forschungsflotten. Für Kabel und Pipelines legte die räumliche Auswertung einen Puffer von einem Kilometer um kartierte Trassen, um Ungenauigkeiten bei deren Positionsdaten auszugleichen.
Im Basismodell lag der Koeffizient für die chinesische Flagge bei 0,0315 (p < 0,001). Das adjustierte R² betrug rund 1,3 Prozent: Das Modell erklärte also nur einen kleinen Teil der Unterschiede in den Daten. CSIS hält fest, dass das Flottenmuster keine Aussage über die Absicht einer einzelnen Mission erlaubt.
Die berichteten Bewegungen der Ke Xue nahe Polar Express
CSIS beschrieb eine nördliche Fahrt des chinesisch beflaggten Forschungsschiffs Ke Xue vom 15. Juli bis zum 28. August 2024 durch die Beringsee. Dabei habe sich das Schiff mit vermessungsähnlichen Bewegungen in der Nähe mehrerer Kabelsysteme und des russischen staatseigenen Kabels Polar Express bewegt. Diese Fallbeschreibung ordnet der einzelnen Fahrt keine nachgewiesene Spionage- oder Sabotageabsicht zu.
Was ein oder mehrere Kabelausfälle bedeuten könnten
In den Szenarien der USCC könnte der Ausfall eines einzelnen Kabels die Kapazität direkter Verbindungen zwischen den USA, Taiwan, Japan und den Philippinen überlasten. Datenverkehr müsste dann über langsamere und weniger direkte Routen laufen. Bei mehreren gleichzeitigen Ausfällen könnte die verfügbare transpazifische Kapazität insgesamt überlastet werden und eine Umleitung des Verkehrs auf globaler Ebene nötig sein.
Die USCC hält zugleich fest, dass die meisten Kabelbrüche auf Unfälle oder natürliche Ursachen zurückgehen. Ein Verwundbarkeitsindex und ein statistisches Bewegungsmuster beschreiben damit unterschiedliche Risiken: die Anfälligkeit von Verbindungen und beobachtete Nähe zu Unterwasserinfrastruktur.
Welche Schutz- und Reparaturmaßnahmen die Berichte vorschlagen
Die USCC schlägt gemeinsame maritime Lagebilder mit verbündeten Staaten, Patrouillen und abgestimmte Verfahren für Zwischenfälle vor. Außerdem empfiehlt sie, die Kapazitäten von Reparaturflotten zu stärken und die Widerstandsfähigkeit der Kabelnetze zu verbessern. Zu ihren Vorschlägen gehören auch Sanktionen und Sperrzonen.
CSIS empfiehlt, verdächtige Aktivitätsmuster gemeinsam zu veröffentlichen und koordinierte Patrouillen auf Hoher See durchzuführen. Für Reparaturen schlägt die Organisation regionale Stützpunkte und multinational besetzte Reparaturflotten vor. Das sind Empfehlungen der beiden Einrichtungen. Die britische Regierung legte im Oktober 2026 ebenfalls Vorschläge für Sicherheitsauflagen kritischer Unterseekabel vor; NeoTeo hat die britischen Pläne zum Schutz der Kabelinfrastruktur gesondert eingeordnet.