Salesforce hat AIforce am 15. September 2026 auf der Dreamforce in San Francisco vorgestellt. Die neue Schnittstellenebene soll CRM-Daten, Workflows, Geschäftslogik, Berechtigungen, Sicherheit und Governance in Claude, Slack, Salesforce Lightning und anderen KI-Oberflächen nutzbar machen. Statt jede Aufgabe in der klassischen Salesforce-Anwendung zu erledigen, können Unternehmen ihre bestehenden CRM-Funktionen damit in andere Arbeitsumgebungen bringen.
Salesforce verschiebt das CRM aus der eigenen Oberfläche
AIforce ist kein einzelner Chatbot, sondern eine Architektur- und Zugriffsebene. Salesforce beschreibt sie als Verbindung zwischen den eigenen CRM-Funktionen und externen KI-Schnittstellen. Die Plattform soll dabei weiterhin die vorhandenen Berechtigungen und Geschäftsregeln anwenden.
Der Unterschied zu Agentforce liegt in der Rolle: Agentforce bildet die Agenten- und KI-Arbeitsebene von Salesforce, während AIforce den Zugang zu Daten, Workflows und Geschäftslogik in unterschiedlichen Oberflächen organisiert. Ein Agent oder ein externes KI-System soll dadurch mit Salesforce-Funktionen arbeiten können, ohne auf die herkömmliche CRM-Ansicht beschränkt zu sein.
Salesforce erklärt außerdem, dass externe Modellanbieter Geschäftsdaten im Rahmen der Anfrage verarbeiten, sie unter der Zero-Data-Retention-Architektur aber nicht dauerhaft speichern sollen. Diese Aussage bezieht sich auf die von Salesforce beschriebene Architektur und ersetzt keine unternehmensspezifische Prüfung von Datenverarbeitungsvereinbarungen.
Drei Produkte, drei Wege in Salesforce
Zum Start umfasst AIforce drei Produkte: Claudeforce, Slackforce und Agentforce Coworker.
| Produkt | Oberfläche oder Grundlage | Unterstützte Rolle | Status oder Umfang |
| Claudeforce | Claude mit einem vorkonfigurierten MCP-Server für Salesforce | Vertriebsaufgaben wie Akquise, Pipeline-Pflege, Meeting-Vorbereitung, Deal-Analyse und Pipeline-Überprüfung | Betaphase für Kunden; 37 vorgefertigte Vertriebsfähigkeiten |
| Slackforce | Slack mit Salesforce-Kontext und interaktiven Arbeitsflächen | Datensätze aktualisieren, Salesforce CRM in Slack nutzen und Workflows auslösen | Verfügbarkeit und Paketumfang hängen von der Kundenvereinbarung ab |
| Agentforce Coworker | Salesforce Lightning | Arbeitet über Konten, Aktivitäten und Historie hinweg und kann bestehende Agentforce-Agenten aufrufen | Salesforce meldet 100.000 Aktivierungen in den ersten 35 Tagen |
| Headless 360 | MCP-Server, APIs, Plug-ins, Fähigkeiten und Entwicklerwerkzeuge | Technische Grundlage für steuerbare Salesforce-Funktionen außerhalb der Standardoberfläche | Von Salesforce als Fundament unter AIforce positioniert |
Claudeforce ist damit nicht allgemein als fertiges Endprodukt ausgerollt, sondern für Kunden in der Betaphase verfügbar. Das Salesforce-Entwicklungs-Plug-in für Claude umfasst zusätzlich mehr als 40 Fähigkeiten und zielt auf Aufgaben rund um die Salesforce-Entwicklung.
Agentforce Coworker ist bereits mit konkreten Einsatzbeispielen verbunden: Salesforce zufolge kam Fulton Bank innerhalb weniger Wochen von null auf mehr als 20 produktive Anwendungsfälle für ungefähr 3.000 Nutzer. Diese Zahlen beschreibt Salesforce im Zusammenhang mit dem genannten Kundeneinsatz.
MCP ist die technische Grundlage
Unter AIforce liegt Headless 360. Der Begriff „headless“ bedeutet hier, dass Daten und Funktionen nicht an eine bestimmte grafische Oberfläche gebunden sind. Salesforce stellt sie über MCP-Server, APIs, Plug-ins, wiederverwendbare Fähigkeiten und Entwicklerwerkzeuge bereit.
Das ist der entscheidende technische Schritt: Claude, Slack oder ein anderer Agent greift nicht einfach auf eine lose Kopie der CRM-Daten zu, sondern soll mit den von Salesforce bereitgestellten Workflows, Geschäftsregeln und Berechtigungen arbeiten. Die praktische Idee ähnelt damit einer zusätzlichen Bedienoberfläche für das bestehende System – nur dass die Oberfläche je nach Aufgabe von einer KI erzeugt oder gesteuert werden kann.
Für Salesforce bleibt das CRM auf diese Weise der Ort, an dem Daten, Regeln und Zugriffsrechte zusammenlaufen. Die Nutzeroberfläche darf wechseln; die zugrunde liegenden Unternehmensprozesse sollen im Salesforce-System bleiben.
Koa ist eine separate CRM-Wette
Koa ist nicht die AIforce-Schnittstellenebene, sondern ein eigenes CRM-Modell für Agentforce. Salesforce hat Koa gemeinsam mit NVIDIA vorgestellt. Das Modell basiert auf NVIDIA Nemotron 3 Super und wurde mit synthetischen CRM-Szenarien trainiert. Dabei kamen überwachte Feinabstimmung und anschließendes GRPO-Verstärkungslernen zum Einsatz.
Salesforce beschreibt Koa als Modell für mehrstufige Aufgaben und Werkzeugnutzung im CRM. Nach Angaben des Unternehmens erzielte Koa in einem eigenen CRM-Benchmark dreimal weniger Fehler als führende Modelle. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Winter 2026 in Regionen der USA vorgesehen; derzeit steht Koa ausgewählten Pilotkunden zur Verfügung.
Damit verfolgt Salesforce zwei getrennte Ansätze: AIforce soll den Zugang zu Salesforce-Funktionen in verschiedene Oberflächen bringen, während Koa die dafür eingesetzte CRM-Logik bei bestimmten Agentforce-Aufgaben verbessern soll.
Die eigentliche Unternehmensprüfung beginnt bei der Governance
Die zentrale Frage lautet nicht nur, ob ein Agent Salesforce-Daten lesen oder einen Datensatz aktualisieren kann. Entscheidend ist, wie zuverlässig Berechtigungen, Freigaben, Datenqualität und Prüfpfade auch dann funktionieren, wenn die KI Aufgaben mit hoher Geschwindigkeit ausführt.
Vor einer Aktivierung müssen Unternehmen deshalb mindestens diese Punkte in ihre Planung einbeziehen:
- Berechtigungen: Bestehende Rollen und Regeln müssen auch für KI-gestützte Zugriffe passend gepflegt sein.
- Freigaben und Schreibzugriffe: Aktionen, die Daten verändern oder Prozesse auslösen, brauchen nachvollziehbare Kontrollpunkte.
- Datenqualität: Widersprüchliche oder veraltete CRM-Daten können sich direkt auf Antworten und Aktionen eines Agenten auswirken.
- Auditierbarkeit: Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche Daten und Workflows zu einer Aktion geführt haben.
- Anpassungen: Vorgefertigte Fähigkeiten müssen zu stark individualisierten Salesforce-Installationen passen.
- Kostenmodell: Bei externen Modellen können neben Salesforce-Kosten weitere nutzungsabhängige Kosten anfallen; ein einheitlicher öffentlicher AIforce-Preis ist in den Launch-Angaben nicht enthalten.
AIforce macht Salesforce damit nicht überflüssig. Die Plattform versucht vielmehr, Salesforce zum kontrollierten Daten- und Prozesskern hinter Claude, Slack und weiteren KI-Oberflächen zu machen. Koa soll diesen Kern bei Agentforce-Aufgaben mit einem spezialisierten CRM-Modell ergänzen; die geplante allgemeine Verfügbarkeit in US-Regionen ist für Winter 2026 vorgesehen.