Eine am 9. Juni 2026 veröffentlichte Studie schätzt, dass hydrothermale Aktivität im Peak Ring der Chicxulub-Einschlagstruktur mindestens rund acht Millionen Jahre anhielt. Die Ergebnisse beschreiben ein langes Zeitfenster mit potenziell bewohnbaren Bedingungen, aber keinen Nachweis für Leben im Krater.

Wie lange hielt das hydrothermale System von Chicxulub?

Die berechnete Mindestdauer beträgt 7,8 ± 1,3 Millionen Jahre. Hydrothermal bedeutet hier, dass erhitztes Wasser durch Gestein zirkulierte. Die Untersuchung bezieht sich auf Proben aus einem begrenzten Bereich des ringförmigen Peak Rings im Inneren der Einschlagstruktur.

Für die Datierung untersuchten die Forschenden kaliumreiche Feldspäte in Gesteinen, die beim Einschlag geschmolzen waren. Solche Feldspäte wurden als während hydrothermaler Aktivität gebildete Minerale gedeutet. Die 40Ar/39Ar-Isotopenmethode bestimmt das Alter des Materials anhand radioaktiver Isotope.

Die vier Gesteinsproben stammen aus drei Tiefen des Bohrkerns M0077A: 706,4, 735,0 und 756,0 Meter unter dem Meeresboden. Der Bohrkern wurde 2016 bei Expedition 364 gewonnen. Aus drei Proben gingen 22 Plateaualter hervor. Der jüngste robuste Wert beträgt 58,3 ± 1,3 Millionen Jahre; das Alter des Einschlags wird mit 66,052 ± 0,086 Millionen Jahren angegeben. Aus der Differenz ergibt sich die Dauer von 7,8 ± 1,3 Millionen Jahren. Die Studie ordnet sie als etwa viermal länger ein als frühere Schätzungen für Chicxulub.

Was die Temperaturmodellierung zeigt

Die Altersbestimmung und die Computersimulationen liefern unterschiedliche Ergebnisse: Die Isotopenalter stammen aus den Gesteinsproben, während das Modell den Wärme- und Flüssigkeitsfluss berechnet. In der Simulation mit einem geothermischen Gradienten von 70 °C pro Kilometer – dem Fall, der die heutige Temperatur am Bohrlochgrund am besten traf – erreichte die berechnete Temperatur in etwa 1 Kilometer Tiefe im Peak Ring nach 5,5 Millionen Jahren 90 °C. Nach 6,4 Millionen Jahren lag sie dort bei rund 70 °C. Im selben Modell war der Flüssigkeitsfluss nach acht Millionen Jahren praktisch zum Erliegen gekommen.

Diese Werte beschreiben eine bestimmte Simulation für einen bestimmten Ort im Peak Ring. Sie stehen neben der Isotopendatierung, sind aber keine Messreihe vergangener Temperaturen im gesamten Krater.

Ein mögliches Habitatfenster, kein Fund von Leben

Die lange Zirkulation erhitzten Wassers könnte über einen längeren Zeitraum Bedingungen geschaffen haben, die für präbiotische chemische Reaktionen und mikrobielles Leben geeignet waren. Die Studie berichtet jedoch keinen Nachweis, dass Organismen Chicxulub besiedelten. Sie untersucht die Dauer eines möglichen Habitatfensters, nicht eine dort gefundene Lebensgemeinschaft.

Was Chicxulub für größere Einschlagbecken nahelegt

Die Forschenden halten es für möglich, dass größere Einschlagbecken auf der frühen Erde oder auf anderen Himmelskörpern noch länger anhaltende hydrothermale Systeme und damit längere Zeitfenster für potenziell bewohnbare Bedingungen geboten haben könnten. Chicxulubs Ergebnis liefert dafür einen möglichen Vergleichsfall, keine Messung an diesen anderen Becken.