Am 12. Oktober 2026 berichtete Informativos Telecinco, dass Testprofile auf TikTok und Instagram sexistische oder geschlechterstereotype Empfehlungen erhielten. Die Konten simulierten 18-jährige Nutzer; Sport war ihre einzige angegebene Vorliebe. Laut dem Bericht über den Test erschien früh ein Video über geschlechtsspezifische Gewalt. Nachdem ein Konto etwa 20 Sekunden lang ein Video von Frauen während der Fußball-Weltmeisterschaft angesehen hatte, folgten weitere Beiträge zu diesem Thema.

Was die Testprofile zu sehen bekamen

Der Testbericht schildert auch Empfehlungen auf Instagram: Die Plattform habe zunächst zurückhaltender gewirkt als TikTok, aber ebenfalls stereotype Inhalte ausgespielt – darunter ein Video darüber, wie sich eine Frau in einer romantischen Beziehung verhalten solle. Das sind Beobachtungen aus dem von Informativos Telecinco beschriebenen Test, keine allgemeine Aussage über die Feeds aller Nutzer.

Eine Empfehlung belegt nicht, dass der Nutzer den Inhalt gutheißt. José Gabriel García von Phi beschrieb TikToks Empfehlungssystem als besonders effizient darin, mögliche Interessen zu erkennen. Daniel Gayo, Informatikprofessor an der Universität Oviedo, erklärte, dass Wut in sozialen Medien Interaktionen auslösen könne. Beides sind Einschätzungen der Experten, keine Messungen der internen Rangfolgen der Plattformen.

Was eine separate TikTok-Studie maß

Eine von UCL geleitete Modellierungsstudie untersuchte TikTok-Konten, die unterschiedliche Interessenprofile potenziell gefährdeter männlicher Teenager abbildeten. Die Forschenden beobachteten die Empfehlungen sieben Tage lang. In seiner Darstellung der Studie, veröffentlicht am 5. Februar 2024, berichtete UCL: Der Anteil frauenfeindlicher Videos unter den Empfehlungen stieg nach fünf Tagen von 13 auf 56 Prozent. Das Ergebnis bezieht sich auf diese Modellkonten auf TikTok.

Kommentare und Hashtag-Suchen liefern andere Messwerte

Die British Psychological Society berichtete über eine Untersuchung von Kommentaren unter 400 TikTok-Challenge-Videos. Sexistische Kommentare erhielten im Schnitt 604 Likes, nicht sexistische 375. Die Darstellung der Untersuchung vergleicht die durchschnittlichen Likes; sie misst damit Kommentarreaktionen und nicht, wie sich personalisierte Videoempfehlungen entwickeln.

Eine andere Untersuchung betrachtete Suchvorschläge statt personalisierter Feeds. Wie The 19th über die ISD-Studie berichtete, erschienen bei Suchen nach allen zwölf untersuchten Politikerinnen auf Instagram mindestens ein beleidigender Hashtag in den Vorschlägen; auf TikTok traf das auf elf der zwölf Suchen zu. Untersucht wurden jeweils die zehn vorgeschlagenen Hashtags. Feed-Empfehlungen, Kommentar-Likes und Hashtag-Suchen beschreiben somit unterschiedliche Arten der Sichtbarkeit sexistischer Inhalte.