Der Thermalright TR-KG750 ist ein elektrisch brauchbares 750-W-Netzteil mit aktueller Ausstattung: Es arbeitet vollständig modular, unterstützt ATX 3.1 und PCIe 5.1 und bringt ein natives 12V-2x6-Kabel mit. Seine Schwächen liegen weniger bei Regelung und Schutzschaltungen als bei der Umsetzung unter hoher Dauerlast: Der Lüfter läuft ständig, die Lautstärke steigt deutlich und die Effizienzreserve ist bei 115 V knapp. Kurz gesagt: eine preisorientierte Option für unempfindliche Systeme, aber kein Kandidat für einen leisen oder thermisch entspannten PC.

Kurzurteil: modern ausgestattet, aber nicht leise

Thermalright TR-KG750 im Test: moderne Anschlüsse, aber laut unter Last

Der TR-KG750 liefert die versprochenen 750 W; davon stehen auf der 12-V-Schiene 62,5 A beziehungsweise 750 W zur Verfügung. Die gemessene Spannungsregelung bleibt mit 1,2 Prozent auf 3,3 V, 1,4 Prozent auf 5 V und 1,8 Prozent auf 12 V ordentlich. Auch die Restwelligkeit bleibt unter den angegebenen ATX-Grenzwerten.

Das Kaufargument ist deshalb nicht eine spektakuläre elektrische Spitzenleistung, sondern die Kombination aus moderner Anschlussausstattung und kostenbewusster Konstruktion. Wer beim Spielen oder Arbeiten Ruhe erwartet, sollte genauer hinsehen: Der 120-mm-Lüfter läuft kontinuierlich, und bei voller Last wird das Netzteil klar hörbar.

Spezifikationen und Anschlüsse

Merkmal oder TestbedingungThermalright TR-KG750Bedingung oder Einordnung
Nennleistung750 WGesamtleistung
12-V-Schiene62,5 A / 750 WVollständige Nennleistung auf 12 V
StandardsATX 3.1, PCIe 5.1Für aktuelle Plattformen und Grafikkartenanschlüsse
AnschlussNatives 12V-2x6-KabelZusätzlich zu modularen PCIe-Kabeln
ModularitätVollständig modularNicht benötigte Kabel bleiben außerhalb des Netzteils
Abmessungen150 × 86 × 140 mmThermalright nennt eine Toleranz von ±5 mm
Eingang100–240 VAC, 50–60 HzWeitbereichseingang
Lüfter120 mm, Yate Loon D12SH-12Gleitlager; läuft kontinuierlich
Betriebstemperatur0–40 °COffizielle Spezifikation
GarantieFünf JahreHerstellerangabe

Zum Kabelsatz gehören ein 24-poliger ATX-Stecker, zwei EPS-Stecker im Format 4+4, ein PCIe-5.1-Anschluss, zwei 8-polige PCIe-Anschlüsse, sechs SATA- und drei Molex-Anschlüsse. Die Kabel sind flache, schwarze Flachbandkabel. Ein Diskettenlaufwerksstecker fehlt – heutzutage eher Aufräumarbeit als Nachteil.

Sind 750 W für einen modernen Gaming-PC genug?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Prozessor, Grafikkarte, Lastspitzen und die Empfehlung des jeweiligen Grafikkartenherstellers. Der TR-KG750 stellt 750 W auf 12 V bereit und besitzt den passenden 12V-2x6-Anschluss, doch daraus folgt keine allgemeine Freigabe für jede Kombination aus CPU und GPU.

Plattform und Komponenten

Thermalright TR-KG750 im Test: moderne Anschlüsse, aber laut unter Last

Die untersuchte Einheit verwendet laut Kennzeichnung die Plattform HKC HKCMAX-750; auf der Platine steht „ATX32 Main BD Rev1.2“. Das Netzteil setzt auf eine Half-Bridge-LLC-Topologie mit DC-DC-Wandlern für die kleineren Spannungsschienen.

Im Inneren sitzt ein 450-V-/560-µF-Hauptkondensator von Nichicon mit 105-°C-Spezifikation. Auf der Sekundärseite finden sich Teapo- und NICON-markierte Bauteile. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der komplette Kondensatorsatz aus japanischen Komponenten besteht. Genau diese engere Formulierung ist wichtig: Ein identifizierter Hauptkondensator ist nicht dasselbe wie eine vollständig japanische Bestückung.

Die sichtbare Konstruktion erklärt die Kostenorientierung, erlaubt aber keine pauschale Aussage über die langfristige Ausfallrate jeder Einheit. Für die Kaufentscheidung zählt vor allem, wie sich das konkrete Design bei Last verhält.

Effizienz, Lautstärke und Temperatur

Bei 115 VAC und 25 °C wurden 87,2 Prozent Effizienz bei 20 Prozent Last, 90,3 Prozent bei 50 Prozent Last und 87,9 Prozent bei voller Last gemessen. Damit liegt das Netzteil nur 0,2, 0,3 beziehungsweise 0,9 Prozentpunkte über den jeweiligen 80-PLUS-Gold-Schwellenwerten. Gold ist also vorhanden, die Reserve fällt aber knapp aus.

Bei 230 VAC lag die durchschnittliche Effizienz im Kaltbetrieb bei 89,5 Prozent; der Spitzenwert betrug 91,2 Prozent. Unter voller Last wurden bei 230 VAC und 115 VAC im Kaltbetrieb 89,2 beziehungsweise 87,9 Prozent erreicht.

Messgröße25 °C Umgebung bei dauerhaft 750 WEtwa 45 °C Umgebung bei dauerhaft 750 W
LautstärkeFast 51 dB(A)58 dB(A)
Effizienz bei 115 VAC87,9 %84,5 %
Effizienz bei 230 VAC89,2 %85,8 %
Primärer KühlkörperEtwa 60 °CÜber 100 °C

Der Heißtest bei etwa 45 °C lag fünf Grad über der offiziell angegebenen maximalen Betriebstemperatur von 40 °C. Die dort gemessenen 84,5 Prozent bei voller Last sind deshalb kein Beleg dafür, dass die 80-PLUS-Zertifizierung ungültig wäre. Sie zeigen vielmehr, dass die thermische Reserve unter einer besonders anspruchsvollen Bedingung begrenzt ist.

Ist der TR-KG750 leise?

Nein. Weil der Lüfter permanent läuft, gibt es keinen lautlosen oder semipassiven Leerlaufmodus. Bei 600 W wurden im Kaltbetrieb 42 dB(A) gemessen; bei 750 W stieg der Wert auf fast 51 dB(A). Im etwa 45 °C warmen Test erreichte das Netzteil bei 525 bis 600 W bereits 56 dB(A) und bei voller Last 58 dB(A). Für einen PC neben dem Schreibtisch ist das eine relevante Einschränkung.

Regelung, Restwelligkeit und Schutzschaltungen

Die elektrischen Messwerte fallen deutlich unauffälliger aus als die Akustik. Die 12-V-Regelung betrug 1,8 Prozent; die Spannung reichte dabei von 12,11 V bei 151,5 W Last bis 11,89 V bei 744,5 W. Die 12-V-Restwelligkeit stieg von 24 mV bei 20 Prozent Last auf 62 mV bei voller Last. Der angegebene ATX-Grenzwert für 12 V liegt bei 120 mV.

Auch die übrigen Vollastwerte blieben innerhalb der genannten Grenzen: 34 mV auf 3,3 V gegenüber 50 mV zulässiger Restwelligkeit und 38 mV auf 5 V gegenüber ebenfalls 50 mV.

Die Überlastschutzschaltung OPP griff bei ungefähr 1.005 W, also bei 134 Prozent der Nennleistung, ein. Die getesteten Schutzmechanismen arbeiteten korrekt. Das ist der wichtige Gegenpol zur knappen Effizienz und zum lauten Lüfter: Das Netzteil zeigt bei Regelung, Restwelligkeit und Schutzverhalten keine offensichtliche elektrische Schwachstelle.

Lohnt sich ein teureres Netzteil?

Der Cooler Master MWE Gold 750 V4 ist die naheliegende Alternative, wenn nicht jeder Euro zählt. In der direkten Gegenüberstellung bietet er zehn statt fünf Jahre Garantie und arbeitet leiser, mit engerer Regelung sowie niedrigeren Temperaturen auf der Sekundärseite. Der TR-KG750 punktet dagegen mit seiner modernen Anschlussausstattung und dem niedrigeren Preisniveau.

Damit ist die Entscheidung ziemlich klar:

  • TR-KG750: sinnvoll, wenn das Budget eng ist, ATX 3.1 und 12V-2x6 wichtig sind und Lüftergeräusche keine große Rolle spielen.
  • Cooler Master MWE Gold 750 V4: die überzeugendere Richtung, wenn leisere Arbeitsweise, längere Garantie und bessere thermische Reserven den Aufpreis rechtfertigen.

Ein Netzteil mit Gold-Logo ist nicht automatisch leise. Genau diese Verwechslung wäre beim TR-KG750 der typische Fehlkauf.

Wer sollte den TR-KG750 kaufen?

Der TR-KG750 passt zu einem preisbewussten PC-Bau, bei dem moderne Anschlüsse und vollständige Modularität wichtiger sind als ein besonders ruhiger Betrieb. Seine Schutzschaltungen, Regelung und Restwelligkeit fallen brauchbar aus; die fünfjährige Garantie liefert zusätzliche Absicherung.

Überspringen sollten ihn vor allem Nutzer, die einen leisen Rechner planen, häufig lange hohe Lasten anlegen oder großen Wert auf besonders transparent dokumentierte Komponenten legen. Der dauerhaft laufende Lüfter, bis zu 58 dB(A) im warmen Volllasttest und der über 100 °C heiße primäre Kühlkörper sind keine Nebensächlichkeiten.

Fazit: Der Thermalright TR-KG750 ist ein feature-starkes Budget-Netzteil mit akzeptablem elektrischem Verhalten. Sein Preis wird jedoch mit hörbaren und thermischen Kompromissen erkauft. Für einen kostenbewussten, geräuschunempfindlichen Rechner ist es vertretbar; für einen leisen PC oder ein besonders entspanntes Dauerlastsystem gibt es bessere Gründe, mehr auszugeben.