Weiße Zwerge sind kompakte Überreste ausgebrannter Sterne. In einer 2026 veröffentlichten Studie lag die berechnete Farbe der meisten untersuchten Weißen Zwerge nahe bei Weiß; besondere Absorptionsmerkmale in ihrer Atmosphäre können jedoch auch gelbe, grüne, rosa, cyanfarbene oder blaue Chromatizitäten erzeugen. Die Forschenden berechneten diese Farben aus Spektren und Modellatmosphären, statt Sternscheiben direkt farbig aufzunehmen. Die Studie in RAS Techniques and Instruments

Die meisten Weißen Zwerge der Stichprobe waren nahe am Weiß

Die Studie untersuchte eine volumenbegrenzte Stichprobe von 152 Weißen Zwergen innerhalb von 20 Parsec (pc) um die Sonne. Fünf Sterne lagen nach dem Kriterium der Studie ungewöhnlich weit vom Planckschen Ort entfernt: zwei gelbe DZ-Sterne und drei rosa DQpec-Sterne. Die übrigen 147 hatten eine mediane korrelierte Farbtemperatur von 6.768 K, die einem Farbeindruck nahe Weiß entspricht.

Teil der StichprobeAnzahlErgebnis
Vollständige Stichprobe innerhalb von 20 pc152Volumenbegrenzte Auswahl Weißer Zwerge
Nahe am Planckschen Ort147Mediane korrelierte Farbtemperatur: 6.768 K
Ungewöhnliche Farbausreißer5Zwei gelbe DZ-Sterne und drei rosa DQpec-Sterne

Die fünf Ausreißer entsprechen 3,4 % der Stichprobe; die Studie gibt eine Unsicherheit von +1,7 bis −1,3 Prozentpunkten an. Das ist eine Häufigkeit innerhalb dieser nahen, vollständigen Stichprobe. Grüne Sterne, die in der Studie ebenfalls als Beispiele vorkommen, stammen aus eigens ausgewählten Gruppen und sind nicht Teil dieser fünf Ausreißer.

Die korrelierte Farbtemperatur beschreibt, welcher Temperatur die Farbe eines idealen Wärmestrahlers am ehesten entspricht. Sie ist nicht mit der effektiven Temperatur eines Sterns gleichzusetzen. Bei den 147 Sternen nahe am Planckschen Ort lagen 95 % der korrelierten Farbtemperaturen zwischen 3.800 und 18.700 K.

Wie aus Spektren berechnete Farben werden

Ein Spektrum zeigt, wie stark ein Stern Licht unterschiedlicher Wellenlängen aussendet. Für ihre Farbberechnung integrierten die Forschenden die beobachteten Spektren oder Modellatmosphären über die CIE-1931-XYZ-Farbwertfunktionen, die das menschliche Farbsehen abbilden. Sie wandelten die Ergebnisse anschließend in den Bildschirmfarbraum sRGB um.

Die Chromatizität beschreibt dabei den Farbeindruck unabhängig von der Helligkeit. Für die Bildschirmdarstellung skalierten die Forschenden die Helligkeit, während sie die Chromatizität beibehielten. Die dargestellten Farben sind daher berechnete Farbeindrücke und keine direkten Aufnahmen aufgelöster Sternscheiben. Die Studie wurde am 15. Oktober 2026 veröffentlicht. Zur Fachstudie

Absorption verändert den Farbeindruck

Bei vielen Weißen Zwergen ähnelt das Spektrum dem eines idealen Wärmestrahlers: Die Temperatur prägt dann den Farbeindruck stark. In den extrem dichten Atmosphären anderer Weißer Zwerge können jedoch Elemente wie Natrium und Calcium oder Kohlenstoffmoleküle breite Bereiche des Lichts absorbieren. Dadurch hängt die berechnete Farbe nicht allein von der Temperatur ab. Die Atmosphären der kühlsten Weißen Zwerge können laut Studie eine Dichte von etwa 1 g/cm³ erreichen.

Kohlenstoffreiche DQpec-Sterne können durch verzerrte C₂-Swan-Banden rosa oder violett erscheinen. Bei metallreichen DZ-Sternen verändern verbreiterte Absorptionsbereiche von Natrium und Calcium den Farbeindruck. Für ausgewählte infrarotschwache Weiße Zwerge berechnete das Team Cyan: Dort kann kollisionsinduzierte Absorption in Wasserstoff-Helium-Atmosphären auch sichtbares Licht beeinflussen.

Grün, Rosa und Blau aus unterschiedlichen Spektren

WD J1330+6435 ist ein DZ-Stern mit einer effektiven Temperatur von 4.240 K. Breite Natriumabsorption schwächt orangefarbenes Licht, Calciumabsorption violettes Licht. Aus dem Spektrum berechnete die Studie deshalb eine chartreusegrüne Chromatizität. Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Spektrum etwas verrauscht ist.

Beim kohlenstoffreichen DQpec-Stern WD J1011+2845 schätzen sie die effektive Temperatur auf 4.300 K. Verzerrte C₂-Swan-Banden unterdrücken einen großen Teil des Lichts zwischen 400 und 600 nm. Der größte Teil des sichtbaren Flusses liegt dadurch oberhalb von 600 nm; die berechnete Chromatizität ist lachsrosa.

Auch ein kühler Weißer Zwerg kann blau berechnet werden. WD J2356−2054 hat eine effektive Temperatur von ungefähr 4.000 K. Breite Natriumabsorption schwächt große Teile des mittleren sichtbaren Spektrums, sodass Licht im Bereich von 450 bis 500 nm den Farbeindruck prägt. Die Studie berechnet den Stern deshalb als intensiv blau; eine sinnvolle korrelierte Farbtemperatur ordnet sie ihm nicht zu.

Die berechneten Chromatizitäten beschreiben den Farbeindruck des Lichts. Die Oberflächen Weißer Zwerge leuchten um viele Größenordnungen heller als Bildschirme, und bei dunkler Beobachtung nimmt die Fähigkeit des menschlichen Auges ab, Farben zu unterscheiden.