Amazon empfiehlt seinen Softwareentwicklern und -managern, KI-Arbeit an langfristigen Ergebnissen für Kunden, Unternehmen und Teams zu messen, statt Tokenzahlen oder andere Kennzahlen isoliert zum Ziel zu machen. Die am 27. Oktober 2026 veröffentlichte Leitlinie verwirft solche Messwerte nicht grundsätzlich: Sie sollen mit Augenmaß eingesetzt werden.

Warum Tokenzahlen allein wenig über Leistung sagen

Amazon nennt die KI-Nutzung und den Tokenverbrauch als Eingangsgrößen. Codeänderungen und Code-Reviews beschreibt die Leitlinie als Durchsatzkennzahlen. Solche Werte können mit wichtigen Ergebnissen zusammenhängen, sagt Amazon. Werden sie jedoch losgelöst von den Folgen für Kunden, Unternehmen und Teams betrachtet oder selbst zum Ziel gemacht, hält Amazon sie für fehleranfällig. Das könne auch Kosten und Komplexität erhöhen.

Die praktische Frage lautet deshalb nicht nur, wie häufig ein Team KI nutzt oder wie viel Code es bearbeitet. Führungskräfte sollen prüfen, ob die Nutzung mit besseren Ergebnissen einhergeht. Amazon empfiehlt, Eingangskennzahlen dabei mit Sorgfalt und Urteilsvermögen heranzuziehen.

Was die Prüfungen am 10. und 90. Perzentil klären sollen

Ein Perzentil bezeichnet eine Position in einer nach einem Merkmal geordneten Verteilung. Amazon empfiehlt, die KI-Nutzung nahe dem 10. und dem 90. Perzentil gesondert zu betrachten. Das sind Prüfmarken für Führungskräfte, keine veröffentlichten Nutzungsquoten bei Amazon.

PrüfpunktWas Führungskräfte untersuchen sollenZweck
10. PerzentilWarum Teams KI nicht wirksam einsetzenHindernisse und Verbesserungsmöglichkeiten erkennen
90. PerzentilOb intensive KI-Nutzung mit entsprechend höheren Lieferergebnissen einhergehtNutzung und Arbeitsergebnisse gemeinsam beurteilen

Die beiden Prüfungen setzen an unterschiedlichen Fragen an: Bei geringer Nutzung geht es darum, zu verstehen, was sie verhindert oder unwirksam macht. Bei hoher Nutzung zählt, ob sich der zusätzliche Einsatz auch in der Auslieferung niederschlägt.

Was Amazon von Führungskräften erwartet

Amazon fordert technische und organisatorische Führungskräfte auf, KI-Werkzeuge selbst bei produktiven Aufgaben einzusetzen. Sie sollen konkrete Aufgaben benennen und erklären können, bei denen KI geholfen hat und bei denen sie nicht hilfreich war.

Auch für einzelne Entwicklerinnen und Entwickler lässt die Leitlinie Raum für Aufgaben, bei denen die derzeitigen KI-Werkzeuge keinen Nutzen bringen. Amazon empfiehlt, solche Fälle zu dokumentieren und zu erklären. Zugleich erwartet das Unternehmen, dass KI künftig eine zentrale Rolle in der Softwareentwicklung spielt und Entwicklerinnen und Entwickler lernen, sie anzuwenden.