Anthropic veröffentlichte im Oktober 2026 eine Studie zu KI und Arbeit im eigenen Unternehmen. Sie beziffert die Wartezeit in interaktiven Claude-Sitzungen auf rund 80 Prozent und die Laufzeit mitarbeitergesteuerter Agenten im August auf das Sechsfache der Arbeitsstunden ihrer menschlichen Betreuer. Die beiden Werte messen unterschiedliche Dinge.
Was die Agenten-Kennzahlen messen
Anthropic berechnet die rund 80 Prozent als Anteil der Wanduhrzeit interaktiver, mehrstufiger Claude-Sitzungen, in dem Agenten auf menschliche Eingaben warteten. Dafür zieht das Unternehmen die aktive Arbeitszeit der Agenten von der gesamten Sitzungsdauer ab. Die Zahl beschreibt also den Leerlauf innerhalb dieser Sitzungen.
Das Sechs-zu-eins-Verhältnis bezieht sich dagegen auf die Laufzeit mitarbeitergesteuerter interaktiver Agenten im August 2026. Anthropic zählt dabei Inferenz und aktive Werkzeugnutzung mit, fasst die Laufzeit von Unteragenten zusammen und schließt Wartezeiten von mehr als 30 Minuten aus. Die menschlichen Arbeitsstunden schätzt das Unternehmen anhand der Beschäftigtenzahl und einer angenommenen 40-Stunden-Woche.
| Messgröße | Angabe | Bezugsgröße und Definition |
| Leerlauf in interaktiven Sitzungen | Rund 80 % | Wanduhrzeit mehrstufiger Claude-Sitzungen, in der Agenten auf Eingaben warteten |
| Laufzeit mitarbeitergesteuerter Agenten | Sechsmal so viele Stunden wie ihre menschlichen Betreuer, August 2026 | Inferenz und aktive Werkzeugnutzung; Unteragenten zusammengefasst, Wartezeiten über 30 Minuten ausgeschlossen |
| Meta-Arbeit in interaktiven Sitzungen | 10 % im Herbst 2025, 22 % im Frühjahr 2026 | Anteil der Sitzungen, die dem Aufbau und der Steuerung von Agenten gewidmet waren |
Anthropic zufolge übertraf die kombinierte Arbeitszeit autonomer und interaktiver Agenten im März 2026 erstmals die menschlichen Arbeitsstunden im Unternehmen. Dieser Wert umfasst eine andere Gruppe von Agenten als der Vergleich für August.
Agenten zu steuern wird selbst zur Arbeit
Anthropic schätzte den Anteil sogenannter Meta-Arbeit, also Tätigkeiten rund um den Einsatz von Agenten, anhand von 2.000 einzeiligen Sitzungszusammenfassungen. Ein automatisiertes Bewertungssystem ordnete darunter etwa das Erstellen von Claude-Fähigkeiten, Plänen und Prüfungen für andere Agenten, Dashboards und Pipeline-Monitoren sowie die Dokumentation von Arbeitsabläufen ein. Der Anteil stieg von 10 Prozent der durchschnittlichen interaktiven Claude-Sitzungen im Herbst 2025 auf 22 Prozent im Frühjahr 2026.
Auch die Menge der Agentenausgaben bindet Aufmerksamkeit: Anthropic schätzt, dass Beschäftigte in nichttechnischen Teams mehr als die Hälfte einer Arbeitswoche bräuchten, um sämtliche Ausgaben aus interaktiven Claude-Sitzungen zu lesen. Für diese Schätzung rechnet der Bericht mit 0,75 Wörtern pro Token und einer Lesegeschwindigkeit von 250 Wörtern pro Minute.
Was der Vergleich von Programmierarbeit aussagt
Anthropic verfolgte 192 Ingenieure, die Programmieragenten einsetzten, und verglich sie mit 74 Ingenieuren, die im Untersuchungszeitraum keine solchen Agenten nutzten. Nach der Einführung stieg die Code-Ausgabe der Anwender. Die Nutzung begann jedoch nicht zufällig: Wer beispielsweise an einem größeren Projekt arbeitete, konnte eher einen Agenten einsetzen.
Für bestimmte Qualitätsindikatoren verglich Anthropic Code derselben Person im selben Monat und Verzeichnis. Das Unternehmen fand keinen Unterschied bei den Anteilen später gelöschter oder zurückgesetzter Codezeilen. Diese Kennzahlen erfassen nur ausgewählte Aspekte der Codequalität; die beobachtete Zunahme der Code-Ausgabe sagt für sich genommen nichts über die Qualität der Software oder ihren geschäftlichen Nutzen aus.
Weniger Junior-Anteil, aber mehr technische Beschäftigung
Der Anteil von Junior-Beschäftigten in Anthropics technischen Bereichen sank laut Studie von 21 Prozent zu Beginn des Jahres 2025 auf 14 Prozent. Unter den technischen Neueinstellungen ging der Junior-Anteil von 27 auf 9 Prozent zurück.
Gleichzeitig nahm die Zahl der technischen Beschäftigten weiter zu. Ihr Anteil an der gesamten Belegschaft fiel im selben Zeitraum von 61 auf 56 Prozent, weil Bereiche wie Vertrieb, Finanzen und Recruiting schneller wuchsen. Die Junior-Zahlen beschreiben damit eine veränderte Zusammensetzung der technischen Teams und ihrer Einstellungen.
Die Studie How employment is changing at Anthropic wertet interne Beschäftigungs-, Nutzungs-, Output-, Umfrage-, Kommunikations-, Kalender- und Einstellungsdaten aus und bezieht 17 Mitarbeiterinterviews ein. Ihre Kennzahlen beschreiben die Arbeitsorganisation bei Anthropic.