Im März 2026 eingereichte Aussagen ehemaliger TikTok-Beschäftigter schildern interne Warnungen zu sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Altersbeschränkungen und problematischen Empfehlungsschleifen. NPR berichtete am 20. Oktober 2026 darüber und erklärte, die Aussagen seien bis dahin nicht als Beweismittel im Prozess eingebracht worden.
Welche Risiken Mitarbeiter beschrieben
Reagen Maher, eine frühere Führungskraft für Sicherheit und Ermittlungen bei TikTok, sagte laut NPR, sie habe Bedenken zu sexualisierten Transaktionen mit Minderjährigen weitergegeben. Sie schilderte außerdem einen möglichen Weg zu einer TikTok-Version ab 18 Jahren: Jugendliche hätten sich über Google, Facebook oder Instagram anmelden können. Maher sagte, die Unternehmensführung habe von dieser Umgehungsmöglichkeit gewusst.
Eric Han, damals TikToks Sicherheitschef, berichtete, er habe im April 2020 sogenannte Empfehlungsschleifen bemerkt. Dabei bekamen Nutzer wiederholt Inhalte derselben Art zu sehen. Han nannte Beiträge über Suizid und Körperbild als mögliche Risiken.
Auch Family Pairing, eine Funktion zur elterlichen Begleitung, kam in den Aussagen vor. Ein interner Chat aus dem Jahr 2021 beschrieb laut NPR einen versteckten Link, über den Jugendliche die Verknüpfung lösen konnten. TikTok erklärte, Eltern würden benachrichtigt, wenn das geschieht.
Was die Zahl von 112.000 zählt
Eine interne Untersuchung soll für Januar 2022 112.000 TikTok-Livevideos erfasst haben, in denen Kinder zwischen 13 und 15 Jahren vorkamen. Die Zahl zählt Videos, nicht einzelne Kinder. Die Untersuchung benannte laut NPR Risiken durch Grooming, also die gezielte Anbahnung sexuellen Missbrauchs durch Erwachsene, und Darstellungen sexualisierten Kindesmissbrauchs. Sie soll außerdem erhebliche Einnahmen aus Geschenken für Livestreams festgestellt haben, die gegen TikToks Regeln verstießen.
TikToks Antwort und der Verfahrensstand
TikTok-Sprecher Nathaniel Brown bezeichnete NPRs Darstellung als selektiv und als unzutreffende Wiedergabe der Unternehmensgeschichte und des Engagements für den Schutz junger Nutzer. In einem von NPR zitierten internen Chat verwies Maher zugleich auf laufende Projekte, die Teile des Problems beheben sollten.
NPR berichtete am 20. Oktober 2026, dass die im März eingereichten Aussagen bis zu diesem Zeitpunkt nicht als Beweismittel im Prozess vorlagen. Sie sind daher keine gerichtliche Feststellung der beschriebenen Vorwürfe.
Ein anderer Vorwurf aus einer New Yorker Klage betrifft TikToks Funktion Algo Refresh. NeoTeo hat über diese separaten Vorwürfe zu Algo Refresh berichtet.