AWS kündigte für den 24. Oktober 2026 einen mehrstündigen Test seiner European Sovereign Cloud an. La Ecuación Digital berichtete am 25. Oktober, AWS habe die Übung am Vortag durchgeführt. AWS’ Ankündigung vom 28. September beschreibt den Test als geplantes Vorhaben und kündigt eine spätere Information für Kunden und Aufsichtsbehörden an. La Ecuación Digital berichtete außerdem, AWS habe bis zum 25. Oktober keine detaillierten technischen Ergebnisse veröffentlicht.
Was AWS für den Test plante
AWS wollte die Verbindung der European Sovereign Cloud zum AWS Global Network für mehrere Stunden trennen. Dieses private Netzwerk transportiert Betriebsdaten zwischen AWS-Standorten. Der Ausfall dieser Verbindung sollte jedoch keine Internetabschaltung bedeuten: AWS plante, den relevanten Datenverkehr über dedizierte Internetanschlüsse europäischer Anbieter umzuleiten.
Zusätzlich sollte ein separates System für begrenzte Betriebsdatenübertragungen abgeschaltet werden. AWS zufolge umfasst es geprüfte Spiegelungen des Quellcodes, Software-Updates und ausgewählte routinemäßige Betriebsinformationen. Kundendaten und von Kunden erstellte Metadaten ordnet AWS davon getrennt ein und sagt, sie blieben in der EU.
Für die Übung plante AWS ein Team aus EU-Bewohnern, das Ressourcen der European Sovereign Cloud nutzen sollte. Das Unternehmen erwartete keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Cloud, andere AWS-Regionen oder AWS Direct Connect. Zugleich nannte AWS mögliche kurze Verbindungsunterbrechungen, während sich Netzwerkrouten neu ausrichten. Beides waren Erwartungen vor dem Test, keine Beobachtungen seines tatsächlichen Verlaufs.
Welche Frage der Test adressierte
Der geplante Versuch zielte auf eine eng umrissene Frage: Kann die European Sovereign Cloud für einige Stunden weiterbetrieben werden, wenn die Verbindung zum AWS Global Network und das separate Übertragungssystem abgeschaltet sind? AWS wollte technische und betriebliche Nachweise erstellen, die sich am EU Cloud Sovereignty Framework der Europäischen Kommission und an den C3A-Kriterien des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik orientieren.
Eine solche mehrstündige Betriebsprobe betrifft die technische Kontinuität unter den angekündigten Bedingungen. Sie behandelt nicht die rechtliche Zuständigkeit oder die Abhängigkeit von Lieferketten und sagt für sich genommen nichts über einen Betrieb über Wochen oder Monate aus.