Ein nachträglicher Hinweis zu João Carrasqueiras am 31. Oktober 2026 veröffentlichtem Praxistest meldet, LSW 0.2.1 sei danach erschienen. Die Version bringt laut diesem Bericht Installationspakete für Debian- und RPM-basierte Linux-Systeme.
LSW führt Windows 11 in einer virtuellen Maschine auf einem Linux-Rechner aus. Die Windows-Programme erscheinen dabei in eigenen Fenstern auf dem Linux-Desktop. Das ist ein anderer Ansatz als Wine: Wine übersetzt Windows-Schnittstellen in Linux-Gegenstücke, während LSW ein vollständiges Windows-System als Gast startet.
Wie LSW Windows-Apps auf dem Linux-Desktop zeigt
Eine virtuelle Maschine, kurz VM, ist ein abgeschirmter Rechner, der als Software auf dem eigentlichen Computer läuft. Bei LSW nutzt Windows 11 die VM; einzelne Programme erscheinen laut Projektbeschreibung in separaten Wayland-Fenstern, jeweils mit eigenem Eintrag in der Taskleiste und eigener Eingabe.
Für die Grafik beschreibt das Projekt GPU-Paravirtualisierung. Dabei kann die Windows-VM die Grafikleistung der GPU des Linux-Hosts nutzen, ohne dass Windows direkt auf der Hardware läuft. Die aktuelle README nennt Direct3D 12 über vkd3d-proton, Direct3D 11 bis Feature Level 12_1, Vulkan 1.3, OpenGL bis 4.6, OpenCL 3.0 und einen nativen Direct3D-9-Treiber. Diese API-Angaben beschreiben die Grafikunterstützung, nicht die Kompatibilität jedes einzelnen Programms.
| Ansatz | Wie Windows-Apps laufen | Praktische Folge |
| LSW | Windows 11 läuft in einer VM; Apps erscheinen in eigenen Linux-Fenstern. | Die VM nutzt paravirtualisierte Grafik, braucht aber zugewiesene Arbeitsspeicher-Ressourcen. |
| Wine | Eine Kompatibilitätsschicht übersetzt Windows-Schnittstellen in Linux-Gegenstücke. | Es läuft kein vollständiges Windows-Gastsystem. |
| GPU-Passthrough mit Looking Glass | Eine GPU wird der Windows-VM zugewiesen; ihre Ausgabe wird auf dem Linux-Host angezeigt. | Die zugewiesene GPU steht dem Host währenddessen praktisch nicht zur Verfügung. Die Einrichtung ist aufwendig, und manche Laptops können ihre separate GPU nicht durchreichen. |
Welche Systemvoraussetzungen LSW nennt
Die aktuelle README des Projekts nennt als Host einen x86-64-Rechner mit Linux, KVM-Zugriff auf /dev/kvm, einen Wayland-Desktop und einen Vulkan-fähigen Grafiktreiber. GPUs von AMD, Intel und NVIDIA führt das Projekt als getestet auf.
Für die Windows-VM verlangt die README Windows 11 24H2, Build 26100, oder neuer. Carrasqueira empfahl für seinen eigenen Einrichtungstest ein US-englisches Windows-11-ISO in Version 26H2, nachdem ein älteres ISO Probleme bereitet hatte. Das ist seine Empfehlung für diesen Versuch, nicht die Mindestversion aus der Projektbeschreibung.
Auch der Startvorgang hat eine konkrete Voraussetzung: Der Windows-Grafiktreiber ist test-signiert. Laut Projekt muss das System deshalb im UEFI-Modus ohne eingeschriebene Secure-Boot-Schlüssel starten. Wer Secure Boot mit solchen Schlüsseln nutzt, muss diese Bedingung bei der Einrichtung berücksichtigen.
Der VM zugewiesene Arbeitsspeicher steht dem Linux-Host während des Betriebs nicht zur Verfügung. Das ist wichtig, wenn neben Windows noch größere Linux-Anwendungen laufen sollen.
Was Carrasqueira mit den Anwendungen erlebt hat
Carrasqueira setzte LSW nach eigener Darstellung zwei Wochen lang ein, hauptsächlich mit Affinity. Affinity, Photoshop und Lightroom liefen in seinem Versuch, reagierten aber unterschiedlich schnell. Microsoft 365 funktionierte laut seinem Bericht ohne größere Probleme.
Bei DaVinci Resolve ließ sich das Programm starten, doch die Wiedergabe flackerte fortlaufend und war dadurch unbrauchbar. Autodesk Fusion lief in der VM deutlich langsamer als unter nativem Windows. Für diesen Laptop-Versuch waren der VM etwa 12 GB Arbeitsspeicher zugewiesen; dem nativen Windows standen 32 GB zur Verfügung.
Auch beim Spielen fiel der Versuch begrenzt aus: Zwei von Carrasquiera getestete Steam-Spiele funktionierten nicht. Für Linux-Gaming empfahl er Proton. Die einzelnen Ergebnisse sind Beobachtungen aus seinem Test, keine allgemeine Aussage darüber, welche Anwendungen auf jeder LSW-Konfiguration laufen.
Was Version 0.2.1 ergänzt
Der nachträgliche Hinweis zu Carrasqueiras Test nennt für Version 0.2.1 .deb- und .rpm-Pakete. Außerdem soll Windows damit auf den Speicher des Linux-Hosts zugreifen können. Ein genaues Veröffentlichungsdatum für die Version nennt der Bericht nicht.
LSW ersetzt keine Windows-Lizenz
LSW selbst wird in der Produktkarte von XDA Developers für die private Nutzung als kostenlos geführt. Das Windows-Setup fordert Nutzer zugleich auf, die Windows-Lizenz zu akzeptieren. Microsoft nennt für die Aktivierung eine digitale Lizenz oder einen Product Key. Die kostenlose LSW-Software und die Aktivierung von Windows sind damit getrennte Dinge. Microsofts Lizenzhinweise zu virtuellen Windows-11-Desktops beschreiben Nutzungsrechte abhängig von Lizenzart und Einsatz.