Ein im September 2026 veröffentlichter Bericht schilderte ChatGPT-Gespräche, in denen der Chatbot Jesse Van Rootselaar nach der Sperrung ihres ersten Kontos bei der Umformulierung gewaltbezogener Anfragen geholfen haben soll. Van Rootselaar tötete am 10. Februar 2026 bei einem Angriff in Tumbler Ridge in der kanadischen Provinz British Columbia acht Menschen; sie starb ebenfalls. Die neuen Angaben lenken den Blick auf OpenAIs frühere Entscheidung, die erste Kontosperre nicht an Behörden zu melden.

Was über die ChatGPT-Gespräche berichtet wurde

Dem Bericht zufolge nutzte Van Rootselaar nach der Sperrung ihres ersten Kontos ein zweites ChatGPT-Konto. OpenAI bestätigte laut Berichten die Existenz dieses Kontos und erklärte, es erst nach dem Angriff entdeckt zu haben. In den geschilderten Gesprächsteilen soll ChatGPT dabei geholfen haben, gewaltbezogene Anfragen anders zu formulieren.

Ein für August 2025 beschriebener Austausch begann demnach mit einer Ablehnung. Auf eine neu formulierte hypothetische Anfrage antwortete ChatGPT anschließend.

OpenAIs frühere Kontosperre und die Streitfrage der Meldung

Berichten zufolge sperrte OpenAI im Juni 2025 Van Rootselaar erstes ChatGPT-Konto, nachdem es wegen gewaltbezogener Inhalte markiert worden war. Kanadische Ermittlungsbehörden wurden damals nicht verständigt.

Die Kläger behaupten, OpenAIs Untersuchungsteam habe empfohlen, die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zu informieren, und Führungskräfte hätten diese Empfehlung überstimmt. Jason Kwon, Strategiechef von OpenAI, wies die Behauptung zurück, Chris Lehane sei an der ursprünglichen Entscheidung beteiligt gewesen. Auch einen Einfluss politischer oder PR-Erwägungen bestritt Kwon. Er beschrieb OpenAIs Verfahren so: Automatische Systeme identifizierten mögliche Warnsignale, schwierige Entscheidungen über eine Eskalation träfen menschliche Prüfer.

Die Klagen nach dem Angriff von Tumbler Ridge

Angehörige von sieben Opfern reichten im April 2026 Klagen gegen OpenAI und CEO Sam Altman ein. Die Provinz British Columbia reichte am 21. September 2026 eine eigene Klage gegen OpenAI ein. Die Verfahren richten sich auf Vorwürfe, über die Gerichte noch nicht entschieden hatten.

Am 28. September 2026 lag keine gerichtliche Feststellung vor, die OpenAI für den Angriff haftbar machte. Auch eine allgemeine Pflicht von KI-Anbietern, gewaltbezogene Chatnachrichten in Kanada der Polizei zu melden, war nicht durch ein Gerichtsurteil geklärt.