British Columbia hat am 21. September 2026 in Kalifornien eine Zivilklage gegen OpenAI eingereicht. Die Provinz wirft dem Unternehmen vor, Strafverfolgungsbehörden nicht über glaubhafte Drohungen informiert zu haben, die über ChatGPT geäußert worden seien. Die Klage steht im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Tumbler Ridge vom 10. Februar 2026.
Die Provinz fordert die Erstattung öffentlicher Kosten, die durch den Angriff und seine Folgen entstanden seien, sowie gerichtliche Vorgaben für strengere Schutzmaßnahmen bei KI-Systemen. Der Fall ist nicht entschieden: Die Vorwürfe stammen aus der Klage, eine gerichtliche Entscheidung oder ein Vergleich liegt nicht vor.
Was British Columbia OpenAI vorwirft und fordert
Im Mittelpunkt steht die Frage, wann ein KI-Unternehmen Behörden einschalten muss, wenn es in Unterhaltungen Hinweise auf eine glaubhafte Gefahr schwerer Gewalt erkennt. British Columbia behauptet, OpenAI habe diese Pflicht im Zusammenhang mit ChatGPT verletzt. Außerdem wird dem Unternehmen ein unsicheres Produktdesign vorgeworfen.
Die Provinz will nach eigenen Angaben Kosten für Wiederaufbau, psychologische Versorgung, Opferhilfe, Bildung und Polizeiarbeit geltend machen. Zusätzlich geht es um eine gerichtliche Anordnung für stärkere Sicherheitsvorkehrungen. Die Klage der Provinz ist ein eigenes Verfahren und nicht identisch mit den separaten Klagen betroffener Familien und anderer Betroffener.
CBC berichtet außerdem, dass Sam Altman neben OpenAI als Beklagter genannt wird. Die formale Reichweite der Klage lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Chronologie: von ChatGPT-Warnungen zur Klage
Nach damaligen Berichten markierte OpenAI im Juni 2025 erstmals Interaktionen der später als Täter identifizierten Person. Das Konto wurde demnach deaktiviert; anschließend wurde ein weiteres Konto angelegt. Die genauen Inhalte der Unterhaltungen und interne Entscheidungen von OpenAI gehören nicht zum öffentlich belegten Kern der Klage.
Am 10. Februar 2026 ereignete sich der Amoklauf in Tumbler Ridge. Die Royal Canadian Mounted Police bestätigte acht Todesopfer: sechs standen mit der Tumbler Ridge Secondary School in Verbindung, zwei weitere wurden in einem Wohnhaus getötet. In einer weiter gefassten Zählung werden neun Tote genannt, weil darin auch der Täter enthalten ist.
Am 21. September 2026 kündigte British Columbia die Klage an und reichte sie in Kalifornien ein. Berichte verorten das Verfahren vor einem Bundesgericht in San Francisco.
OpenAIs Antwort und der Stand des Verfahrens
OpenAI weist die Vorwürfe zurück und erklärt, mit Regierungen und Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Nach der von OpenAI beschriebenen Vorgehensweise werden Gespräche an Behörden gemeldet, wenn sie auf eine unmittelbare und glaubhafte Gefahr für andere hindeuten. Das Unternehmen sagt außerdem, seine Modelle würden Anfragen ablehnen, die Gewalt wesentlich erleichtern könnten.
Sam Altman entschuldigte sich im April bei der Gemeinde Tumbler Ridge dafür, dass die Behörden nicht über das im Juni gesperrte Konto informiert worden seien. Diese Äußerung ändert nichts daran, dass die rechtliche Verantwortung im Verfahren erst geklärt werden muss.
Die Royal Canadian Mounted Police erklärte im Juli, dass ihre strafrechtlichen Ermittlungen weiterliefen und Anklagen nicht ausgeschlossen seien. Damit laufen die strafrechtliche Untersuchung und die Zivilklage parallel.
Warum der Fall für die KI-Sicherheit wichtig ist
Der Rechtsstreit verschiebt die Debatte über KI-Sicherheit von allgemeinen Schutzversprechen auf eine konkrete Zuständigkeitsfrage: Welche Schritte muss ein Unternehmen einleiten, wenn seine Systeme eine mögliche Gefahr erkennen?
British Columbia verbindet diese Frage mit Kosten für eine betroffene Gemeinschaft und mit der Forderung nach verbindlichen Schutzmaßnahmen. OpenAI verweist dagegen auf eine eigene Meldeschwelle für unmittelbare und glaubhafte Gefahren. Ob die damaligen Informationen diese Schwelle erreicht hätten und welche rechtlichen Folgen daraus entstehen, soll das Verfahren klären.