Für viele Nutzer sind sie seit Jahren Geschichte. Die jüngeren Generationen verwechseln ihre Icons mit Verkaufsautomaten, und andere versuchen, riesige Dinge auf ihnen zu speichern. Die Rede ist von Disketten, die in der modernen IT-Welt kaum noch relevant sind, aber in sehr speziellen Bereichen nach wie vor eine entscheidende Rolle spielen. Und zwar auch in Flugzeugen: Der Boeing 747-400 erhält kritische Software-Updates über Disketten.

Der Boeing 747-400 nutzt Disketten für seine Software-Updates
Disketten

Mitte Juli British Airways bestätigte, dass ihre Flotte von 31 Boeing 747-400 nicht mehr in die Lüfte zurückkehren wird. Die COVID-19-Pandemie hat die Fluggesellschaften an den Rand des Abgrunds gebracht. Mit einem halben Jahrhundert im Dienst – die Variante -400 hob 1989 zum ersten Mal ab – hat das Virus den unvermeidlichen Schritt nur beschleunigt.

Pen Test Partners im Boeing 747-400

Der Rückzug dieser Flugzeuge eröffnet nun aber auch spannende Möglichkeiten, vor allem im Bereich InfoSec. Das Team von Pen Test Partners konnte in einen Boeing 747-400 einsteigen und präsentierte auf der DEF CON 28 einen ausführlichen Rundgang. Das Video ist 25 Minuten lang – zehn davon zeigen das Innere des Flugzeugs – und ein Bildausschnitt bei 7:49 begann in Rekordzeit um die Welt zu gehen.

Ja, das ist ein Diskettenlaufwerk. Keine „Emulatoren“ oder Tricks. Die Vertreter von Pen Test Partners erklären, dass das Laufwerk als Ladegerät für die Navigationsdatenbank dient, die alle 28 Tage aktualisiert werden muss. Hier gibt es keine Online-Übertragungen: Ein Ingenieur geht an Bord und lädt die neuesten Daten manuell. Die Praxis ist nicht auf den 747-400 beschränkt: Auch die klassische Boeing 737 erhält Updates auf diese Weise. Aviation Today untersuchte im Jahr 2014 die Probleme rund um Disketten – etwa die Größe der Updates und Integritätsverluste wie CRC-Fehler.

Der Boeing 747-400 nutzt Disketten für seine Software-Updates
Nichts ist ärgerlicher, als ein Update von acht Disketten zu laden … und beim letzten einen Fehler zu bekommen.

Kurz gesagt: Disketten sind aus unserem digitalen Alltag verschwunden, aber in industriellen Umgebungen und Legacy-Systemen nach wie vor aktiv. Auch die berühmten Acht-Zoll-Disketten der US Air Force in den Atomraketen-Silos wurden erst im vergangenen Jahr ausgemustert. Angesichts all dessen ist es sehr wahrscheinlich, dass Disketten nie ganz verschwinden werden.

Quelle: Gizmodo