Der ewige Mythos vom Tod des Desktop-PCs

Jahr für Jahr wiederholt sich die Meldung auf Technologieportalen im gesamten Web: DER DESKTOP-PC STEHT VOR DEM TOD! LAUFT ALLE UM EUR LEBEN! Die Schuldigen an dem künftigen Massaker an Computern sind immer dieselben: die Konsolen, die Smartphones, die Tablets, die Smart-TVs. Und obwohl solche Schlagzeilen reißerisch sind und sicherlich viele Klicks für die Medien bringen, die sie veröffentlichen, sind sie purer Unsinn! Hier erklären wir, warum.

Die wiederkkehrende Lüge über den Tod des Desktop-PCs
Der Tod des PCs

Ich will hier nicht mit meinem Lebenslauf prahlen (der nicht der Rede wert ist) und mit einem logischen Trugschluss das Argument gewinnen, aber du solltest wissen, dass ich seit fast 20 Jahren über Technologie schreibe. 1998 begann ich bei einer überregionalen Zeitung in meinem Land (Argentinien), bevor ich mich auf Videospiele und Technologie im Allgemeinen spezialisierte und dabei durch verschiedene Publikationen verschiedener Art ging, immer auf professionellem Niveau. Ich schreibe seit 2008 für NeoTeo. Fast 20 Jahre schreibe ich über Technologie, Informatik und Videospiele. Und in keinem einzigen dieser Jahre wurde nicht aus dem einen oder anderen Grund (und immer mit großem Getöse) der Tod des Desktop-PCs angekündigt.

Das erste Mal, als ich von dem Dahinscheiden unseres geliebten Desktop-Rechners las, war während der Regentschaft der PlayStation. „Der Tod des Desktop-PCs: Immer mehr Menschen spielen auf Konsolen“, titelten Videospiel- und PC-Magazine auf der ganzen Welt angesichts der enormen Verbreitung der Sony-Konsole in den Haushalten. Dasselbe wurde Jahr für Jahr behauptet, während die neuen Konsolen überall Anhänger gewannen. Als sich die Wogen dann geglättet hatten und bewiesen war, dass Konsolen nicht mit dem Computer konkurrierten, wechselten die Sündenböcke entsprechend der neuen Technologien: von den Smartphones zu den Tablets und von dort zu den Smart-TVs. Aber das alles ist gelogen.

Zuallererst, weil keines dieser schönen Geräte direkt mit dem Computer konkurriert. Meine Mutter hat zum Beispiel nie einen PC benutzt, aber sie hat ein hübsches und praktisches Smartphone, mit dem sie kommunizieren kann. Meinem Freund Felix, einem Computer-Fanatiker und ebenfalls Smartphone-Besitzer, würde es dagegen nie einfallen, dass das eine das andere ersetzen könnte. Das ist gesunder Menschenverstand! Meine Mutter mag keine PCs, liebt aber ihr Smartphone. Felix hat eine Beziehung zu seinem Computer, aber auch ein Smartphone (und übrigens auch einen Smart-TV).

Und so haben sowohl Konsolen als auch Smartphones Nutzer zum Technologiemarkt hinzugefügt, ihn massentauglich gemacht, ohne anderen Computernischen Publikum zu nehmen. Sie dienten dazu, die Menschen einzuschließen, die sich nicht mit einem PC herumschlagen wollten, aber das Gefühl hatten, dass die einfache Bedienung eines Smartphones (oder einer Konsole, wenn es ums Spielen ging) etwas war, womit sie umgehen konnten. Diejenigen von uns, die schon immer Computer benutzt haben, verstehen, dass es noch lange dauern wird, bis eines dieser Geräte eine echte Alternative darstellt, aber wir haben verstanden, dass sie eine nette Ergänzung sind. Wo also ist die Konkurrenz?

Die wiederkkehrende Lüge über den Tod des Desktop-PCs
Sie sind keine Konkurrenz für den Desktop-PC

Aber in den letzten Jahren ist die Nachricht vom Tod des Desktop-PCs viel häufiger geworden. Schuld daran sind zum Teil Berichte wie die von Gartner, die die Computerverkäufe weltweit analysieren und auf denen die meisten Nachrichtenportale ihre falsche Behauptung stützen, gegen die hier argumentiert wird. Laut Gartner, das diese Statistiken verkauft, sind die Verkäufe von Desktop-PCs seit fünf Jahren im freien Fall. Man behauptet sogar, dass in den letzten Monaten des Jahres 2016 die Verkäufe weltweit um 5,7 % zurückgingen. OH GOTT!

So gelesen scheint die Situation alarmierend, das stimmt. Aber wenn man sich nur zwei Sekunden Zeit nimmt, um die Informationen in diesen Pressemitteilungen zu analysieren, stellt man fest, dass Gartner die Verkäufe kompletter Systeme und nur bestimmter Marken erfasst. Ja, die Statistiken von Gartner umfassen nur die Computer von Lenovo, HP Inc., Dell, Asus, Apple und Acer, unter anderem. Aber über Klon-PCs sagt er nichts. Auch nicht über Hardware, die man separat kauft.

Das heißt, lieber NeoTeo-Freund, wenn dein Computer ein Klon ist (zusammengebaut aus Teilen verschiedener Marken), fällt er aus der Statistik heraus. Wie viele Leute, die du kennst, haben ein 100% Markengerät / keinen Klon? Aber die verzerrten Statistiken von Gartner waren Grund genug, dass in den letzten Jahren viele Technologie-Webportale (einige von großem Renommee) das vorzeitige ewige Grab des PCs geschaufelt haben, und dabei nicht nur Klicks, sondern auch die virale Verbreitung der Lüge erreichten, die durch bloße Wiederholung zu einem tief verwurzelten Glauben wurde.

Die wiederkkehrende Lüge über den Tod des Desktop-PCs
Ernsthaft, warum mehr für einen Marken-PC bezahlen, wenn du für dasselbe Geld einen überlegenen Klon bauen kannst?

Nun, um fair zu sein: Dass die Statistiken von Gartner nur einen kleinen Ausschnitt des Desktop-PC-Marktes abdecken, reicht nicht aus, um das Dogma vom „bevorstehenden Tod des PCs“ zu widerlegen. Jeder könnte sagen, dass diese Statistiken, wenn auch verzerrt, doch dazu dienen, sich durch eine Stichprobe einen Eindruck vom Markt zu verschaffen. Zu behaupten, dass keiner meiner Bekannten einen Marken-PC gekauft hat, ist reine anekdotische Evidenz. Das zählt nicht. Dasselbe gilt für die Aussage, dass ich in meinen 20 Jahren Journalismus immer wieder dasselbe höre und wir trotzdem hier sind. Aber in den vergangenen Tagen wurde die Lüge endlich entlarvt, und zwar dank eines Berichts der Firma Jon Peddie Research. Laut den Informationen des Forschungsunternehmens war 2016 ein Rekordjahr beim Verkauf von Hardware und übertraf erstmals in der Geschichte die Marke von 30 Milliarden Dollar (ein Ziel, das erst 2018 erwartet wurde). Und das ist noch nicht alles, denn für 2019 wird ein Anstieg von 6 % erwartet!

Jon Peddie Research (JPR), die führende Forschungs- und Beratungsfirma für Grafik und Multimedia, gab heute bekannt, dass der globale Markt für PC-Gaming-Hardware erstmals die Marke von 30 Milliarden erreicht hat. Addiert man den Zusammenbau von DIY-Systemen, Upgrades, Zubehör sowie Kommunikations- und Audiosysteme, übertraf der Markt 2016 die 30-Milliarden-Dollar-Marke, und für 2019 wird ein Wachstum von 6 % prognostiziert.“, heißt es in der Pressemitteilung von JPR.

Die wiederkkehrende Lüge über den Tod des Desktop-PCs
Prozentsatz der Hardware-Verkäufe in drei Stufen

Ted Pollak, leitender Analyst des Unternehmens, ist der Meinung: „Verbraucher auf der ganzen Welt umarmen die PC-Plattform für Videospiele aus mehreren Gründen. Die Ergonomie des Desktop-PCs ist beliebt, weil der Abstand zum Bildschirm bei HD- und UHD-Monitoren bessere Details bietet. Darüber hinaus bietet der PC mit der Maus-Tastatur-Schnittstelle eine überlegene Steuerung. Dies wurde von den meisten eSports bestätigt, die überwiegend auf dem Computer gespielt werden. Darüber hinaus haben Produktdesigner den Spielern Tausende von Optionen zur Personalisierung ihrer Systeme gegeben, vom Funktionalen bis zum Ästhetischen.

Verstanden? Für mich ist es sonnenklar, denn der Desktop-PC-Markt kann nicht wie Schrödingers Katze sein, die gleichzeitig tot und lebendig ist. Also, wenn man alle Informationen zusammenfasst, ist die Schlussfolgerung klar: Die Leute bauen sich ihren eigenen PC (oder kaufen einen Klon in ihrem vertrauenswürdigen Geschäft). Dass Lenovo, Apple, Acer und HP weniger Maschinen verkaufen, ist nur ein Problem für sie, denn der Rest des Marktes erfreut sich bester Gesundheit. Vielleicht würde der Gesang anders klingen, wenn die Computer dieser Marken für unser Geld etwas Besseres bieten würden als ein selbst zusammengebauter. Aber so ist es nicht: Einen Desktop-PC selbst zusammenzubauen ist billiger, als dasselbe System mit dem Aufkleber eines bekannten Unternehmens zu kaufen. Es war an der Zeit, dass wir aufwachen, wenn mich jemand fragt.

Gartner-Statistiken:

JPR-Bericht: