Persönliche Assistenten sind inzwischen ein ziemlich verbreitetes Hilfsmittel, vor allem auf mobilen Geräten. Alexa, Cortana, Google Now und Siri geben das Tempo in diesem Markt vor. Doch ein japanisches Projekt namens Gatebox will das Konzept des „Assistenten“ auf eine völlig andere Ebene heben – mit einer Plattform, die auf Anime-Charakteren basiert. Diese sollen den Nutzer wecken, ihn während des Arbeitstags ermutigen und ihn bei seiner Rückkehr willkommen heißen. Im Grunde also digitale Freundinnen.

Eine virtuelle Assistentin für traurige Otakus
Gatebox

Ich weiß die Details nicht mehr genau, aber ich glaube, der Film heißt Her, mit Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson. Die allgemeine Handlung dreht sich um einen Mann, der sich in eine künstliche Intelligenz verliebt. Und wenn ich darüber nachdenke, gibt es eine Episode von Black Mirror, die einer ähnlichen Linie folgt – also die Ersetzung von Menschen aus Fleisch und Blut durch digitale Avatare. Wenn es ein Land gibt, das diese Ersetzung maximal erforscht, dann ist es Japan. Wenn man sich die sozialen Probleme des asiatischen Landes genauer ansieht, ist eines der auffälligsten und zugleich besorgniserregendsten das, was einige Experten als chronische Einsamkeit bezeichnen. Tatsächlich können wir inzwischen getrost sagen, dass es in Japan eine ganze Industrie rund um die Einsamkeit gibt – und die bringt Dinge wie Gatebox hervor.

Die offizielle Seite sagt alles: Gatebox bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, mit einem ihrer Lieblings-Anime-Charaktere zu leben. Derzeit ist es nur einer, „Azuma Hikari“, der übrigens bereits ein eigenes Portal hat, auf dem Hobbys, kulinarische Spezialitäten und andere allgemeine Daten (20 Jahre alt, 1,58 Meter groß) zu finden sind. Es ist jedoch offensichtlich, dass Gatebox weitere Charaktere hinzufügen wird, und mit den entsprechenden Lizenzen könnten einige direkt aus Serien und Filmen stammen. Wie zu erwarten, kann Gatebox relevante Informationen liefern, um den Tag zu bewältigen (der Wetterbericht ist ein gutes Beispiel). Sein Präsentationsvideo beschäftigt sich jedoch mehr mit dem menschlichen Faktor – oder vielmehr mit dem Wunsch nach Gesellschaft.

Aus technischer Sicht ist der Gatebox in erster Linie ein Projektor mit 720p-Auflösung, der mit einer transparenten Leinwand arbeitet und so eine Art Pseudo-Hologramm erzeugt. Das gesamte Gerät wiegt fünf Kilogramm, verfügt über WLAN, Bluetooth und Infrarot, hat eine Kamera, ein Mikrofon, Bewegungs-, Licht-, Feuchtigkeits- und Temperatursensoren, Touch-Support, einen HDMI-Anschluss und Stereo-Lautsprecher. Die Vorbestellung begann letzten Mittwoch. Insgesamt sind 300 Einheiten verfügbar, der Versand ist auf Japan und die USA beschränkt. Der Preis: 298.000 Yen, also ungefähr 2.400 Euro.

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