In einem am 11. Oktober 2026 veröffentlichten Interview sagte der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Josef Aschbacher, er entwickle einen Vorschlag für Europas eigenen Zugang von Astronauten ins All. Er veranschlagt rund 10 Milliarden Euro über zehn Jahre für die Fähigkeit, europäische Besatzungen ins All zu bringen und sicher zurückzuholen. Dafür seien die politische Zustimmung und die Finanzierung durch die ESA-Mitgliedstaaten nötig, berichtete Euronews.
Was Europa selbst leisten soll
Der Vorschlag zielt auf ein europäisches Crewfahrzeug und ein Rückkehrsystem. Damit könnte Europa Astronauten selbst ins All bringen und wieder zur Erde zurückholen. Einen konkreten Entwurf für das Fahrzeug, eine Trägerrakete oder einen Entwicklungsplan nannte Aschbacher in dem von Euronews geführten Interview nicht.
Bislang reisen ESA-Astronauten laut Euronews mit US-Raumfahrzeugen. Aschbacher sagte, SpaceX wolle die Rakete Falcon 9 und das Raumschiff Crew Dragon voraussichtlich um 2029 außer Dienst stellen. Er verwies damit auf mögliche Veränderungen bei den Transportmöglichkeiten für europäische Astronauten; die Aussage zum Zeitplan schrieb Euronews Aschbacher zu.
Zwei Schätzungen für unterschiedliche Wege
Die rund 10 Milliarden Euro veranschlagt Aschbacher für den Aufbau einer eigenen europäischen Transport- und Rückkehrfähigkeit über zehn Jahre. Für denselben Zeitraum schätzt er die Kosten auf etwa 5 Milliarden Euro, wenn Europa weiterhin Sitze in US-Raumfahrzeugen kauft und Forschungseinrichtungen auf kommerziellen Raumstationen mietet. Die Beträge beziehen sich damit auf unterschiedliche Leistungen: einmal auf den Aufbau eigener Fähigkeiten, einmal auf den fortgesetzten Einkauf von Transport- und Forschungszugang. Euronews
Aschbacher begründet die eigene Lösung auch mit Investitionen in die europäische Industrie und mehr Eigenständigkeit beim Zugang ins All. Euronews nennt Copernicus, Galileo, technologische Fähigkeiten und Fachkräfte als vorhandene europäische Stärken; bei Crewfahrzeug und Rückkehrsystem sieht der Bericht eine Lücke.
Eine eigene Transportfähigkeit soll nach Aschbachers Darstellung internationale Zusammenarbeit nicht beenden. Er brachte die Möglichkeit ins Spiel, künftig auch Astronauten aus Partnerländern wie Japan oder Australien mitzunehmen.
Der berichtete Entscheidungszeitraum
EL PAÍS berichtete am 23. September 2026, die Mitgliedstaaten sollten im Dezember darüber entscheiden, ob sie Aschbachers Vorschlag annehmen. Für Dezember 2026 hat die ESA ein Treffen auf Ministerebene in Rom angesetzt, wie aus ihrer Mitteilung zum International Space Summit hervorgeht. Den erwarteten Entscheidungszeitraum zu Aschbachers Vorschlag meldete EL PAÍS.