Ein orbitales Rechenzentrum verarbeitet Daten auf Rechnern im All. Googles Project Suncatcher hat bislang einen Satellitenprototypen in den Orbit gebracht: Am 1. Oktober 2026 meldete Google, der mit Planet gebaute Satellit sei mit SpaceX’ Transporter-18-Mitflugmission gestartet, habe Kontakt hergestellt und arbeite erwartungsgemäß. Google bezeichnet Suncatcher als langfristiges Forschungsprojekt. Die Mitteilung des Unternehmens beschreibt einen Hardwaretest, keine kommerziell betriebene Rechenzentrumsanlage.
Was Google im Orbit untersucht
Google will Daten dazu sammeln, wie seine TPUs – Rechenchips für KI-Aufgaben – auf die Belastungen eines Raumflugs, Strahlung und extreme Temperaturen reagieren. Der erste Kontakt des Satelliten war bereits Thema eines früheren NeoTeo-Berichts; für die Machbarkeit kommt es nun darauf an, wie sich die Hardware unter diesen Bedingungen bewährt.
Ein einzelner Prototyp beantwortet noch nicht die Frage, ob sich daraus ein zuverlässiges, wartbares und wirtschaftliches Rechenzentrum bauen lässt. Dafür müssten viele Systeme zusammenarbeiten – und Stromversorgung, Kühlung, Kommunikation und Wartung im Orbit funktionieren.
Wärme, Strahlung und Wartung sind zentrale Hürden
Im Vakuum kann keine Umgebungsluft die Abwärme der Rechner abführen. Sie muss zu Radiatoren geleitet und als Wärmestrahlung abgegeben werden. José Fernández Tamames hob in einem Interview mit Business Insider España die zusätzliche Masse solcher Radiatoren hervor. Auch Strahlung, Startmasse und -kosten, Wartung, Weltraummüll, Umweltfolgen und Sicherheitsfragen zählen zu den dort diskutierten Herausforderungen. Business Insider España führte dazu Interviews mit Fernández Tamames und Paula Raboso.
Solarstrom gilt als möglicher Vorteil der Idee. Rechenhardware und Radiatoren müssen jedoch ins All gebracht werden, und defekte Komponenten sind dort schwieriger zu erreichen und auszutauschen. Andrew Cote nennt den eingeschränkten Wartungszugang als eine Belastung des Betriebs im Orbit.
Was ein modellierter 1-GW-Vergleich kostet
IEEE Spectrum vergleicht zwei hypothetische Rechenzentren mit 1 GW Leistung über jeweils fünf Jahre. Das orbitale Szenario setzt rund 4.300 Satelliten an; die geschätzten Kosten umfassen Entwurf, Bau, Start und fünf Betriebsjahre. IEEE Spectrum veröffentlicht dafür folgende Modellwerte:
| Szenario | Vergleichsleistung | Zeitraum | Modellierte Gesamtkosten |
| Orbitales Rechenzentrum | 1 GW | 5 Jahre | rund 51,1 Milliarden US-Dollar |
| Terrestrisches Rechenzentrum | 1 GW | 5 Jahre | rund 16 Milliarden US-Dollar |
Auf Basis dieser gerundeten Werte liegt das orbitale Szenario bei rund dem 3,2-Fachen der Kosten des terrestrischen Vergleichs. Es handelt sich um eine Modellrechnung, nicht um den Preis einer gebauten Anlage.
Welche Aufgaben könnten zum Orbit passen?
Andrew Cote argumentiert, dass sich Aufgaben mit geringerem Bedarf an laufendem Datenaustausch mit der Erde eher für den Orbit eignen könnten. Dazu zählt er etwa die Verarbeitung von Erdbeobachtungsdaten sowie bestimmte weniger interaktive Rechenaufgaben. Ein Cloud-Dienst, der fortlaufend große Datenmengen zwischen Satelliten und Nutzerinnen und Nutzern am Boden austauschen muss, hätte es mit denselben Kommunikationsgrenzen schwerer. Cotes Einschätzung zu Arbeitslasten und Kommunikation ist eine Analyse möglicher Einsatzfelder.
Business Insider España berichtete außerdem, Google plane für 2027 Tests mit mehreren miteinander verbundenen Satelliten.