Eine am 1. Oktober 2026 veröffentlichte Nachbetrachtung rückt die Steuerungsprobleme und den engen Zeitplan der gescheiterten Rettungsmission in den Fokus. Link, die von Katalyst Space Technologies für NASA entwickelte Raumsonde, fing das Neil Gehrels Swift Observatory nicht ein und hob dessen Umlaufbahn nicht an. Kieran Wilson von Katalyst schilderte eine Fehlerfolge an der Steuerung; das Unternehmen erklärte, dass der zusätzliche Treibstoffverbrauch die geplante Annäherung und Bahnänderung verhinderte.
Steuerungsprobleme und zu wenig Treibstoff
Wilson zufolge fiel zunächst ein Teil der Elektronik aus, die die Reaktionsräder von Link steuerte. Ein Transistor in einem regenerativen Bremskreis habe einen Kurzschluss erlitten und sich überhitzt. Die Reaktionsräder selbst stammten von Rocket Lab; die betroffene Steuerelektronik hatte Katalyst nach Wilsons Angaben intern entwickelt. Katalyst teilte außerdem mit, dass ein elektrischer Fehler zwei der drei Reaktionsräder außer Betrieb setzte.
Software- und Betriebsänderungen sollten das Problem abmildern. Einige Wochen später begann laut Wilson eine weitere Fehlerfolge mit einem nicht reagierenden Ventil des Reaktionskontrollsystems (RCS). Das Raumfahrzeug geriet dadurch ins Trudeln. RCS-Triebwerke, kleine Steuerdüsen zur Ausrichtung der Sonde, mussten häufiger eingesetzt werden. Katalyst zufolge stieg damit der Treibstoffverbrauch rasch an: Für das geplante Einfangen von Swift und das Anheben seiner Umlaufbahn reichte der verbleibende Treibstoff nicht mehr.
Swift wurde 2004 gestartet und hatte kein eigenes Antriebssystem, um seine Umlaufbahn anzuheben. Zunehmende Sonnenaktivität verstärkte den Luftwiderstand in seiner Flughöhe. Link startete am 3. Juli 2026; Katalyst meldete, dass die Sonde am 25. September nach 85 Tagen im Orbit wieder in die Erdatmosphäre eingetreten war.
Neun Monate für Entwicklung und Start
NASA gab Katalyst neun Monate, um Link zu entwickeln und zu starten. In einer frühen Studienphase im August 2025 beauftragte NASA drei Teams mit jeweils 30-tägigen Untersuchungen; im September wählte die Behörde Katalyst für den Rettungsversuch aus. Shawn Domagal-Goldman, Leiter der NASA-Astrophysikabteilung, beschrieb die Auswahl als durch den Zeitplan begrenzt: NASA habe auf bereits vertraglich gebundene Teams zurückgegriffen, statt den Kreis der Vorschläge weiter zu öffnen.
Der knappe Zeitplan brachte auch die Entwicklungsarbeit unter Druck. Wilson sagte, die Ingenieurinnen und Ingenieure hätten viele Aufgaben parallel bewältigen müssen. Für die komplexe, intern entwickelte Elektronik sei nicht genug Zeit und Personal für Tests mit der nötigen Sorgfalt geblieben; ein vergleichbarer Fehler sei bei den durchgeführten Tests nicht aufgetreten.
Auch die Beschaffung musste schnell laufen. John Van Eepoel, Swift-Missionsdirektor am NASA Goddard Space Flight Center, schilderte, dass beschleunigte Zahlungen nötig waren, damit Katalyst Bauteile beschaffen konnte. Der Auftrag für die Mission belief sich auf 30 Millionen US-Dollar.
Swift blieb durch eine neue Ausrichtung länger im Orbit
Das Swift-Team änderte die Ausrichtung des Observatoriums, um den Luftwiderstand zu verringern. Während dieser Manöver setzte es die wissenschaftlichen Beobachtungen aus. Jamie Kennea, der die Swift-Operationen bis Anfang 2026 leitete, sagte, die Maßnahme habe die Zeit des Observatoriums im Orbit um mehrere Monate verlängert.
NASA will weitere Servicemissionen verfolgen
NASA-Vertreter sehen in Link Erfahrungen für künftige kommerzielle Wartungsmissionen im All. Van Eepoel erklärte, NASA wolle weitere Servicemissionen verfolgen und prüfe, wie sich die wissenschaftlichen Fähigkeiten von Swift ersetzen lassen. Katalyst-Chef Ghonhee Lee sagte, sein Unternehmen wolle die Flug- und Betriebserfahrung von Link in spätere Missionen einbringen.