Eine am 5. Oktober 2026 veröffentlichte Studie beschreibt HS 0209+0832 als möglichen Ort für einen Planeten der zweiten Generation. Ein Weißer Zwerg ist der kompakte Sternrest, der nach der Entwicklung eines Sterns zurückbleibt. Die ungewöhnliche Niobmenge in Material, das auf diesen Stern fällt, und ein regelmäßiges Helligkeitssignal von TESS stützen die Planetendeutung.
Niob, das lange unerkannt blieb
Hubble beobachtete HS 0209+0832 bereits 1999 im ultravioletten Licht. Rund 100 Merkmale im Spektrum waren damals nicht zugeordnet. Bei einer späteren Analyse identifizierten Forschende unter diesen Merkmalen Niob: fünf Spektrallinien von Nb III und 57 von Nb IV. Die berechnete Niobmenge im auf den Weißen Zwerg fallenden Material liegt mehr als 1.000-mal so hoch wie der entsprechende Wert für die Sonne.
Ein FUSE-Spektrum, das am 11. Dezember 2002 aufgenommen wurde, zeigt ebenfalls Niob-Signaturen. Auch die übrige Zusammensetzung fällt auf: Das Material ist arm an Silizium und Eisen, aber reich an Elementen jenseits von Eisen sowie an Elementen, die mit dem s-Prozess zusammenhängen – der Bildung schwerer Elemente durch langsamen Neutroneneinfang. Zum Vergleich: Silizium und Eisen machen zusammen etwa 48 Prozent der Masse der Erde aus.
Was das Helligkeitssignal beiträgt
TESS maß bei HS 0209+0832 eine periodische Helligkeitsschwankung mit einer Periode von 4,399 ± 0,026 Tagen und einer Amplitude von 0,120 ± 0,018 Prozent. Das Signal passt zu einem nahen Planeten, legt dessen Ursache aber nicht eindeutig fest.
Als möglichen Vergleich führt die Studie die Rotation Weißer Zwerge an: Ihre Rotationsperioden liegen häufig bei etwa 1,25 Tagen. In einer Stichprobe von 20 mit Kepler beobachteten Systemen hatte nur eines eine Rotationsperiode von mehr als vier Tagen. Das macht die Planetendeutung plausibel, entscheidet aber nicht zwischen den möglichen Erklärungen der Helligkeitsschwankung.
Wie ein Planet der zweiten Generation entstehen könnte
Ein Planet der zweiten Generation hätte sich nicht aus dem Material gebildet, das bei der Geburt seines Sterns übrig blieb. Nach dem vorgeschlagenen Szenario stieß der Vorgängerstern im Lauf seiner Entwicklung Material aus, das mit Kohlenstoff und Elementen des s-Prozesses angereichert war. Daraus könnte sich eine Scheibe gebildet haben, in der später ein Planet entstand.
Die Forschenden schätzen den möglichen Begleiter als Gasriesen von etwa Jupitergröße ein. Die TESS-Daten passen zu einer Entfernung von rund 0,04 AE vom Weißen Zwerg. Zudem halten die Forschenden es für möglich, dass der Planet unter der starken Strahlung des heißen Sternrests Atmosphäre verliert. Größe, Abstand und Atmosphärenverlust sind Bestandteile der Deutung, keine direkten Aufnahmen des Planeten. Die Studie erörtert auch andere Entstehungswege; wie häufig Planeten dieser Art sind und wie sie sich entwickeln, bleibt eine offene Forschungsfrage.