Die für September 2026 berichtete OpenRouter-Stichprobe mit rund 120.000 Unternehmen zeigte nahezu ausgeglichene Ausgaben für OpenAI und Anthropic. Eine separate Auswertung von Ramp erfasste Mitte des Monats zunächst einen kurzen Vorsprung für OpenAI; bis zum Ende der Woche lag Anthropic dort wieder knapp vorn. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Stichproben, nicht denselben Markt.
OpenAI und Anthropic lagen in einer Stichprobe bei den Ausgaben fast gleichauf
In der OpenRouter-Stichprobe entfielen im September annähernd gleich hohe Ausgaben auf die beiden Anbieter. Früher im Jahr hatte Anthropic laut derselben Auswertung noch rund drei Viertel der erfassten Ausgaben ausgemacht. Die Stichprobe umfasste Unternehmen, die Werkzeuge von OpenAI und Anthropic nutzten.
Ramp untersuchte eine eigene Gruppe von 70.000 Kunden. Mitte September lagen die Ausgaben für OpenAI dort kurzzeitig vorn; bis zum Ende derselben Woche hatte Anthropic wieder einen knappen Vorsprung. Ramp schloss einzelne Entwickler aus. Die Auswertung war vor allem auf wachstumsstarke Technologieunternehmen ausgerichtet, darunter auch einige große Konzerne.
Zwei Stichproben, zwei Momentaufnahmen
| Stichprobe | Beschriebener Umfang | Zeitraum | Gemeldetes Ausgabenmuster |
| OpenRouter | Rund 120.000 Unternehmen, die OpenAI- und Anthropic-Werkzeuge nutzten | September 2026; Vergleich mit früher im Jahr | Ausgaben nahezu ausgeglichen; früher im Jahr entfielen rund drei Viertel auf Anthropic |
| Ramp | 70.000 Kunden; einzelne Entwickler ausgeschlossen | Mitte September 2026 bis zum Ende derselben Woche | Kurzzeitig höhere Ausgaben für OpenAI, danach ein knapper Vorsprung für Anthropic |
Die Stichproben setzen unterschiedliche Unternehmen und Zeiträume ins Verhältnis. Ihr gemeinsamer Hinweis: Die Ausgaben verteilten sich in diesen Erhebungen nicht unveränderlich zugunsten eines Anbieters.
Was die offiziellen API-Preislisten zeigen
Bei einer API (Programmierschnittstelle) zahlen Unternehmen für die Nutzung eines Modells. Abgerechnet wird unter anderem nach Token: Das sind Textbausteine, in die ein Modell Eingaben und Ausgaben zerlegt. Die Kosten für Eingabe und erzeugte Ausgabe werden getrennt berechnet.
Die OpenAI-Preisliste führt GPT-5.6 Sol bei kurzem Kontext mit 4 US-Dollar für eine Million Eingabe-Token und 20 US-Dollar für eine Million Ausgabe-Token. Für langen Kontext stehen 8 beziehungsweise 30 US-Dollar in der Liste. OpenAI nennt für die beworbenen Sol-Preise einen Zeitraum mindestens bis zum 21. November 2026.
Die Anthropic-Preisliste nennt für Claude Opus 5.5 4 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 20 US-Dollar je Million Ausgabe-Token. Bei kurzem Kontext liegen die aufgeführten Werte für GPT-5.6 Sol damit ebenso hoch wie die gelisteten Opus-5.5-Sätze. Eine Million Eingabe-Token plus eine Million Ausgabe-Token ergeben bei beiden Preisangaben rechnerisch 24 US-Dollar.
| Anbieter und Modell | Bedingung | Eingabe je Million Token | Ausgabe je Million Token |
| OpenAI GPT-5.6 Sol | Kurzer Kontext | 4 US-Dollar | 20 US-Dollar |
| Anthropic Claude Opus 5.5 | Gelisteter Modellpreis | 4 US-Dollar | 20 US-Dollar |
Weitere Einträge zeigen, wie stark die Sätze je nach Modell auseinandergehen: OpenAI listet GPT-5.6 Terra mit 2 US-Dollar für Eingabe und 12 US-Dollar für Ausgabe, GPT-5.6 Luna mit 0,20 und 1,20 US-Dollar. Anthropic nennt für Claude Sonnet 5.5 2 beziehungsweise 10 US-Dollar. Claude Haiku 5.5 kostet laut Liste 0,10 US-Dollar für Eingabe und 0,50 US-Dollar für Ausgabe je Million Token bei Anfragen bis 100.000 Token; bei längeren Anfragen stehen 0,50 und 2,50 US-Dollar.
Gleiche Tokenpreise bedeuten nicht, dass zwei Modelle dieselbe Textmenge verarbeiten, dieselben Ergebnisse liefern oder eine Aufgabe zum gleichen Gesamtpreis erledigen. Anthropic gibt an, dass Claude 4.7 und neuere Modelle für denselben Text etwa 30 Prozent mehr Token erzeugen können; der Unterschied hängt von Inhalt und Arbeitslast ab. API-Preise sind außerdem keine Preise für Verbraucher-Abonnements.
Warum einzelne Unternehmen Modelle wechseln
Bei Reevo nannte Mitgründer und CEO David Zhu die Kosten und den Wunsch, weniger von einem einzelnen Modellanbieter abhängig zu sein, als Gründe für den Wechsel von Anthropic-Modellen zu OpenAI. Die Entscheidung könne sich wieder ändern.
Retool setzte nach Angaben von CEO David Hsu zunehmend auf OpenAI-Modelle. Hsu schätzte, sein Unternehmen gebe damit etwa 20 Prozent weniger aus als mit Anthropic-Modellen. Das ist eine Einschätzung zu Retools eigener Nutzung, keine allgemeine Preisrelation zwischen den Anbietern.
Auch der Umgang mit Daten spielte für Retool eine Rolle. Anthropic bewahrte Nutzerdaten bei Fable 5 Berichten zufolge 30 Tage lang zu Sicherheitszwecken auf. Hsu sagte, Retool arbeite mit sensiblen Daten und habe Fable 5 deshalb nicht eingesetzt.
Die Preisrivalität blieb in Bewegung
Berichten zufolge senkte OpenAI kurz nach dem Start die Preise von GPT-5.6 Luna um 80 Prozent und von GPT-5.6 Terra um 20 Prozent. Ende September begann Anthropic mit dem Rollout der Claude-5.5-Familie, die mit geringeren Kosten und höherer Effizienz positioniert wurde.