Die Rassvet-Konstellation von Bureau 1440 ist in einer schwierigen, aber noch nicht abschließend bewerteten Einsatzphase. Ein Satellit der ersten Gruppe trat am 6. Juni 2026 wieder in die Atmosphäre ein. Gleichzeitig stabilisierten sich 13 Satelliten dieser Gruppe später in etwa 510 Kilometern Höhe. Damit ist ein Totalausfall aller 32 im Jahr 2026 gestarteten Satelliten nicht belegt.
Zwei Starts, zwei wichtige Zeitpunkte
Bureau 1440 startete am 23. März 2026 die erste Gruppe mit 16 Rassvet-Satelliten. Am 19. Juli 2026 folgten weitere 16 Raumfahrzeuge. Die Satelliten gelangten zunächst in eine niedrige Erdumlaufbahn und sollten ihre Bahnen anschließend schrittweise anheben.
Eine niedrige Anfangsbahn ist bei solchen Missionen nicht automatisch ein endgültiges Scheitern. Entscheidend ist, ob die Raumfahrzeuge ihre Umlaufbahnen weiter anheben und anschließend stabil halten können. Genau diese Entwicklung verlief bei Rassvet nicht bei allen Satelliten gleich.
| Datum | Ereignis | Umfang | Bedeutung |
| 23. März 2026 | Start der ersten Rassvet-Gruppe | 16 Satelliten | Beginn der ersten Mission |
| 6. Juni 2026 | Wiedereintritt eines Raumfahrzeugs | 1 Satellit | Bestätigter Verlust nach gescheiterter Bahnanhebung |
| 19. Juli 2026 | Start der zweiten Rassvet-Gruppe | 16 Satelliten | Zweite Mission des Jahres |
| 31. August 2026 | Beobachteter Zwischenstand der Juli-Gruppe | 16 Satelliten | Kein Raumfahrzeug hatte den damals verwendeten Vergleichswert von 550 Kilometern erreicht |
| 11. September 2026 | Veröffentlichung einer Neuauswertung mit Beobachtungen bis 10. September | Beide Gruppen | Die Entwicklung beider Gruppen verlief in der frühen Phase vergleichbar |
Was die spätere Bahnanalyse verändert
Die Neuauswertung vom 11. September betrachtet die ersten ungefähr 50 Tage nach dem jeweiligen Start. In diesem Zeitraum bewegten sich beide Gruppen in vergleichbaren Höhenbereichen von etwa 300 bis 400 Kilometern. Die zweite Gruppe war damit nicht nachweislich langsamer als die erste.
Für die erste Gruppe ergibt sich ein gemischtes Bild: 13 Satelliten stabilisierten sich später in der Nähe von 510 Kilometern, ein Raumfahrzeug ging am 6. Juni verloren. Bei weiteren Satelliten blieb der Ausgang der Bahnanhebung in der jüngsten Auswertung offen. Auch bei mehreren niedrig fliegenden Satelliten der Juli-Gruppe lässt sich aus der niedrigen Höhe allein kein dauerhafter Ausfall ableiten.
Die zentrale Antwort auf die Frage nach den 32 Satelliten lautet deshalb: Nein, ein Scheitern aller Raumfahrzeuge ist nicht belegt. Sicher dokumentiert ist ein Wiedereintritt; zugleich erreichte ein großer Teil der ersten Gruppe später eine deutlich höhere und stabilere Bahn.
Begrenzte Verbindung statt Starlink-ähnlicher Abdeckung
Für 12 Satelliten der ersten Gruppe wurden zwei tägliche Kommunikationsfenster über der Ukraine beschrieben, die jeweils bis zu 90 Minuten dauerten. Das wäre eine begrenzte Nutzungsmöglichkeit, aber keine kontinuierliche Versorgung wie bei einem ausgereiften Breitbandnetz.
Für die Einordnung ist der Unterschied zwischen Verfügbarkeit in einzelnen Überflugfenstern und einer dauerhaft dichten Konstellation entscheidend. Rassvet wurde als russisches Gegenstück zu Starlink angekündigt, befand sich nach den beschriebenen Starts aber noch in einer frühen Ausbauphase. Eine einzelne gemeldete Verbindungsmöglichkeit sagt daher nichts über eine flächendeckende oder ununterbrochene Versorgung aus.
Warum die niedrige Höhe nicht die ganze Geschichte erzählt
Ein Satellit kann nach dem Start zunächst in einer niedrigen Umlaufbahn bleiben und später seine Bahn anheben. Erst der weitere Verlauf zeigt, ob dieses Verfahren gelingt. Die Entwicklung der ersten Rassvet-Gruppe liefert dafür ein konkretes Beispiel: Raumfahrzeuge, die anfangs niedrig flogen, erreichten später eine Höhe von rund 510 Kilometern.
Das erklärt, warum die Momentaufnahme vom 31. August zwar einen problematischen Zwischenstand der Juli-Gruppe beschrieb, aber keinen endgültigen Ausfall jedes einzelnen Satelliten beweist. Die Neuauswertung mit Beobachtungen bis zum 10. September rückt deshalb den Verlauf der Bahnanhebung stärker in den Mittelpunkt als eine einzelne Höhenmessung.
Große Ausbauziele, schwieriger Praxistest
Für Rassvet wurden Ausbauziele von 300 Satelliten bis 2027 und 924 Satelliten bis 2035 genannt. Das sind Programmziele, keine bereits erreichten Flottenstärken. Die beiden Starts im Jahr 2026 brachten insgesamt 32 Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn.
Für Bureau 1440 ist damit nicht nur die Zahl der Starts entscheidend. Die Konstellation muss Satelliten zuverlässig in nutzbare Bahnen bringen, diese Bahnen stabil halten und genügend Raumfahrzeuge für regelmäßige Kommunikationsfenster koordinieren. Der bisherige Verlauf zeigt, dass dieser Weg technisch anspruchsvoll ist.
Das Fazit
Rassvet ist kein nachgewiesener Totalausfall, aber auch kein reibungsloser Start. Ein Satellit der ersten Gruppe trat wieder ein, 13 weitere stabilisierten sich später nahe 510 Kilometern, und mehrere Fälle blieben in der letzten Auswertung offen. Die Konstellation hat damit einen realen Rückschlag erlebt und zugleich gezeigt, dass niedrige Anfangshöhen nicht automatisch das Ende einer Mission bedeuten.