Resonance: A Plague Tale Legacy ist ein Prequel, das die vertraute A-Plague-Tale-Formel kräftig umbaut: weniger Schleichen, mehr Schwertkampf, Erkundung und Rätsel. Das Ergebnis sieht beeindruckend aus und besitzt eine reizvolle Idee, verliert aber durch seine lineare Struktur, ein unausgewogenes Fortschrittssystem und Brüche zur bisherigen Seriengeschichte an Wirkung. Wer atmosphärische Action-Adventures mag, bekommt ein stark inszeniertes Abenteuer – Fans des alten Schleichfokus sollten ihre Erwartungen justieren.

Das Spiel erschien am 27. August 2026 für PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S und Xbox Game Pass. Es folgt Sophia rund 15 Jahre vor A Plague Tale: Requiem auf Minotaurus’ Insel, wo sie nach Antworten zu ihrer Kindheit, ihrem Vater und den Experimenten des Ordens sucht.

Was Resonance: A Plague Tale Legacy verändern will

Der auffälligste Wechsel betrifft das Spielgefühl. Innocence und Requiem standen stärker für Schleichen, Ratten, Umweltmanipulation und die Beziehung zwischen Amicia und Hugo. Resonance rückt dagegen direkte Konfrontationen, Erkundung und filmische Action in den Mittelpunkt. Stealth-Horror bleibt Bestandteil des Spiels, ist aber nicht mehr der dominante Taktgeber.

AspektResonance: A Plague Tale LegacyFrühere A-Plague-Tale-Spiele
SpielfokusSchwertkampf, Paraden, Erkundung und RätselSchleichen, Ratten, Umweltmanipulation und Überleben
HauptfigurenSophia und der minoische Krieger TheseusAmicia de Rune und Hugo
SchauplatzMinotaurus’ Insel mit mittelalterlicher und bronzezeitlicher EbeneVor allem Frankreich im 14. Jahrhundert
Rätsel und WegeLichtmechanismen, Spiegel, Symbole und verknüpfte ZeitebenenUmwelt- und Stealth-Rätsel im Umfeld der Geschwister

Diese Neuausrichtung macht Resonance nicht zu einer bloßen Wiederholung. Sie verleiht dem Spin-off eine eigene Identität – nimmt ihm aber auch einen Teil jener klaren Serienhandschrift, die die Vorgänger ausgezeichnet hat.

Sophia, Theseus und zwei miteinander verbundene Zeitalter

Offizielles Gameplay von Resonance: A Plague Tale Legacy mit Kämpfen, Licht-Rätseln und den beiden Zeitebenen

Die Geschichte wechselt zwischen Sophias mittelalterlicher Reise und den Abschnitten des bronzezeitlichen Theseus. Was in der älteren Epoche geschieht, verändert Wege und Rätsel in den mittelalterlichen Passagen. Dadurch entsteht ein interessantes Wechselspiel: Die beiden Handlungsstränge sind nicht nur thematisch nebeneinandergelegt, sondern greifen in die Spielwelt ein.

Minotaurus’ Insel liefert dafür die passende Kulisse. Ruinen, Fallen, verschlossene Bereiche und eine verfolgende Kreatur geben dem Abenteuer eine mythische Grundierung. Die Handlung verbindet Sophias persönliche Suche mit einer uralten Bedrohung und der Geschichte der Minoer. Für Neueinsteiger funktioniert das Grundkonzept auch ohne vollständige Vorkenntnis der Reihe. Wer Requiem kennt, versteht Sophias Rolle und die emotionale Bedeutung einzelner Verbindungen jedoch besser.

Licht-Rätsel und der neue Spielfluss

Resonance: A Plague Tale Legacy im Test: starke Bilder, schwache Linie

Die Rätsel arbeiten häufig mit Lichtstrahlen, Spiegeln, Symbolen und minoischen Mechanismen. Eine Minoische Sphäre dient dabei dazu, Licht zu manipulieren. Das Prinzip ist unmittelbar verständlich, kann aber trotzdem überraschend verschachtelte Situationen erzeugen: Spiegel müssen ausgerichtet, Strahlen umgeleitet und Symbole in der richtigen Reihenfolge aktiviert werden.

Die Abwechslung zwischen Kämpfen, Klettern, Rätseln und kurzen Schleichpassagen hält den Ablauf zunächst frisch. Gleichzeitig folgt die Insel einem sehr kontrollierten Parcours. Das wirkt angesichts des großen Labyrinth-Versprechens gelegentlich widersprüchlich: Die Umgebung sieht nach freier Entdeckung aus, die tatsächlichen Wege bleiben aber oft eng geführt.

Das Kampfsystem: Parieren statt Verstecken

Resonance: A Plague Tale Legacy im Test: starke Bilder, schwache Linie

Sophias Kämpfe drehen sich um das richtige Timing. Paraden öffnen Gegner für schnelle Angriffe und kritische Treffer; Ausweichmanöver, Schwert und Dolch ergänzen das Nahkampfsystem. Die Inszenierung ist kraftvoll und deutlich actionreicher als in den Vorgängern.

Das System bleibt dabei überschaubar. Die sichtbaren Hinweise machen den Rhythmus schnell verständlich, während die Kämpfe durch ihre Choreografie und die unmittelbare Reaktion auf gut getimte Paraden Wirkung erzeugen. Wer in A Plague Tale vor allem lautloses Umgehen von Gegnern gesucht hat, wird sich umstellen müssen. Wer dagegen Lust auf ein zugänglicheres Nahkampfabenteuer hat, findet hier den eigentlichen Reiz des Spin-offs.

Der Resonanz-Fertigkeitsbaum soll die Entwicklung vertiefen und neue Fähigkeiten freischalten. Seine Ausgestaltung überzeugt jedoch nicht durchgehend. Einige Fähigkeiten wirken schlecht ausbalanciert oder rechtfertigen ihren Platz im Fortschrittssystem nur unzureichend. Auch Sammelobjekte können leicht übersehen werden, weil die lineare Führung und die Erkundungsoptionen nicht immer sauber zusammenspielen.

Die schönsten Seiten – und die rauen Kanten

Visuell gehört Resonance zu den überzeugendsten Teilen der Reihe. Die Farbpalette, die Kostüme, die gemalten Himmel, Partikeleffekte und die Beleuchtung formen eine dichte, oft märchenhaft-düstere Welt. Ruinen, Höhlen und monumentale Anlagen erhalten durch warmes Feuerlicht und kalte übernatürliche Effekte eine starke räumliche Wirkung. Auch der Soundtrack trägt die dramatische Inszenierung.

Der Gesamteindruck wird allerdings durch technische Unstimmigkeiten und einzelne Animationsprobleme getrübt. Schwerer wiegt die erzählerische Verbindung zu den Vorgängern. Große übernatürliche Ereignisse und Sophias spätere Rolle fügen sich nicht immer ohne Reibung ineinander. Die Grundidee bleibt spannend, doch manche Übergänge wirken eher behauptet als organisch vorbereitet.

Auch die PC-Leistung lässt sich nicht auf eine allgemeine Aussage reduzieren. In einer Vorschau lief das Spiel auf einem Ryzen 7 9800X3D mit einer RTX 5080 und 64 GB Arbeitsspeicher bei 3440 × 1440 mit ungefähr 120 bis 140 Bildern pro Sekunde, aktiviertem DLSS und Frame Generation. Das beschreibt diese konkrete Vorschau-Konfiguration und nicht automatisch jede PC-Hardware.

Für wen lohnt sich Resonance: A Plague Tale Legacy?

Resonance: A Plague Tale Legacy passt zu dir, wenn du atmosphärische Action-Adventures mit Ruinen, Mythologie, Licht-Rätseln und filmischer Inszenierung suchst. Besonders interessant ist das Spiel für Fans, die Sophia wiedersehen möchten, aber mit einem deutlich actionlastigeren Ansatz leben können.

Wenn du die Reihe vor allem wegen des Schleichens, der Rattenmechanik und der Beziehung zwischen Amicia und Hugo mochtest, fällt der Wechsel stärker ins Gewicht. Dann bleiben A Plague Tale: Innocence und A Plague Tale: Requiem die naheliegenderen Alternativen für genau dieses Spielgefühl.

Unterm Strich ist Resonance: A Plague Tale Legacy ein ambitioniertes, wunderschön inszeniertes Spin-off mit einer starken Atmosphäre und einem mutigen Strukturwechsel. Seine Ideen sind größer als die Konsequenz, mit der sie umgesetzt werden: Die Kämpfe und Rätsel tragen das Abenteuer, während lineare Wege, unausgewogene Fähigkeiten und erzählerische Brüche verhindern, dass aus dem eindrucksvollen Prequel ein rundum überzeugendes neues Kapitel wird.