Eine am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Studienzusammenfassung berichtet von einem dreimonatigen Experiment mit 133 Patentanwälten aus 11 US-Kanzleien: Mit KI erzielten sie höhere Werte beim simulierten Patententwurf. Beim späteren Redlining ohne KI konzentrierte sich der durchschnittliche Zugewinn auf erfahrene Anwälte. Bei jüngeren Teilnehmenden zeigte sich dort kein durchschnittlicher Zugewinn.
So lief das Feldexperiment ab
Zwei Drittel der Anwälte in jeder Kanzlei erhielten frühzeitig Zugang zu einem eigens entwickelten KI-Assistenten für Patententwürfe. Die übrigen Teilnehmenden erhielten eine Schulung zur KI-Nutzung, durften das Studienwerkzeug während des dreimonatigen Versuchs aber nicht verwenden.
Nach 10 und nach 90 Tagen verfassten die Anwälte jeweils einen Patententwurf auf Grundlage hypothetischer Erfinderangaben. Für die zweite Aufgabe bearbeiteten sie unterschiedliche simulierte Erfindungen. Nach 90 Tagen prüften sie außerdem einen fehlerhaften Patententwurf ohne KI und markierten darin sprachliche und inhaltliche Änderungen – ein Verfahren, das im Patentrecht als Redlining bezeichnet wird.
Unabhängige Patentanwälte bewerteten die Arbeiten, ohne die Gruppenzuteilung der Teilnehmenden zu kennen. Die fünf Kriterien waren Durchsetzbarkeit, Genauigkeit, strategische Mehrdeutigkeit, Vollständigkeit und Klarheit.
Beim KI-gestützten Entwurf stiegen die Werte
Nach 10 Tagen lagen die Werte der Gruppe mit KI-Zugang beim simulierten Patententwurf um 0,34 Standardabweichungen über denen der Kontrollgruppe (p = 0,03). Nach 90 Tagen betrug der Unterschied 0,38 Standardabweichungen (p = 0,01). Eine Standardabweichung beschreibt, wie stark Werte um ihren Durchschnitt streuen; die Angaben sind daher keine Prozentwerte.
Bei jüngeren Anwälten dauerte die Aufgabe nach 10 Tagen im Schnitt 18 Minuten weniger als in der Kontrollgruppe, die durchschnittlich 124 Minuten benötigte.
Beim Redlining ohne KI profitierten vor allem Erfahrene
Nach 90 Tagen lagen die Ergebnisse beim Redlining ohne KI in der Gruppe mit vorherigem KI-Zugang insgesamt um 0,32 Standardabweichungen über denen der Kontrollgruppe (p = 0,04). Der Zugewinn konzentrierte sich auf Anwälte mit mindestens sieben Jahren Berufserfahrung: In dieser Gruppe betrug der Unterschied 0,45 Standardabweichungen (p = 0,02). Bei Anwälten mit weniger als sieben Jahren Berufserfahrung gab es im Durchschnitt keinen Zugewinn.
| Aufgabe und Gruppe | Zeitpunkt | Punktedifferenz (Standardabweichungen) | p-Wert oder Ergebnis |
| Simulierter Patententwurf, Teilnehmende mit KI-Zugang | Nach 10 Tagen | 0,34 | 0,03 |
| Simulierter Patententwurf, Teilnehmende mit KI-Zugang | Nach 90 Tagen | 0,38 | 0,01 |
| Redlining ohne KI, alle Teilnehmenden | Nach 90 Tagen | 0,32 | 0,04 |
| Redlining ohne KI, mindestens sieben Jahre Berufserfahrung | Nach 90 Tagen | 0,45 | 0,02 |
| Redlining ohne KI, weniger als sieben Jahre Berufserfahrung | Nach 90 Tagen | Kein durchschnittlicher Zugewinn | Kein durchschnittlicher Zugewinn |
Eine qualitative Auswertung der Bearbeitungen beschrieb Unterschiede im Vorgehen: Jüngere Anwälte verwendeten demnach häufig Zeit auf einleitende sprachliche Korrekturen oder benannten Probleme, ohne sie zu beheben. Erfahrene Anwälte überarbeiteten öfter Patentansprüche und berücksichtigten, wie bestimmte Formulierungen den Schutzumfang einschränken könnten.
Was die Ergebnisse über juristische Arbeit aussagen
Das Experiment erfasste die Leistung bei simulierten Aufgaben über drei Monate. Es untersuchte weder Beschäftigung und Entlassungen noch tatsächliche Patentgültigkeit, Mandantenergebnisse oder die Entwicklung beruflicher Fähigkeiten über eine ganze Karriere. Die Ergebnisse beantworten deshalb nicht, ob KI Patentanwälte ersetzen wird.
Google finanzierte die direkten Kosten des Experiments. Bei mehreren Mitautoren wurden Beschäftigungs-, Aktien- oder Auftragnehmerbeziehungen zu Google offengelegt. Die dreimonatige Beobachtungszeit ist kurz im Vergleich zu den Jahren, in denen sich berufliche Expertise entwickelt.