Synopsys kündigte am 28. September 2026 die Autopilot-Plattform und die AgentEngineer-Lösungen an: KI-Agenten sollen technische Entwicklungsabläufe in sechs Bereichen unterstützen. Die Verfügbarkeit ist für Ende 2026 geplant. Synopsys zufolge liefen zum Zeitpunkt der Ankündigung bereits mehr als 50 Kundenengagements.

Sechs Einsatzbereiche für Engineering-Agenten

Die angekündigten Bereiche sind Verifikation, Systemvalidierung, Implementierung, Analogtechnik, Fertigung sowie Simulation und Analyse. Die Agenten sollen dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen – etwa die Testabdeckung zu vervollständigen, Software auf neuen Systemen in Betrieb zu nehmen und zu validieren oder mehrteilige 3D-Chips zusammenzusetzen.

Weitere Beispiele sind die Optimierung von Leistung, Geschwindigkeit und Chipfläche (PPA), die Synthese analoger Layouts, Designmigration und Maskensynthese. PPA steht für „Power, Performance, Area“ und beschreibt drei zentrale Entwurfsziele: Leistungsaufnahme, Leistung und Fläche.

Wie Autopilot und AgentEngineer zusammenarbeiten sollen

Synopsys beschreibt Autopilot als Plattform für Orchestrierung und Steuerung. Darauf aufbauend sollen die lang laufenden AgentEngineer-Agenten größere Abläufe koordinieren. Spezialisierte Aufgaben-Agenten übernehmen begrenzte Einzelschritte; die Engineering-Werkzeuge führen die jeweiligen Arbeiten aus.

Bei der Chipverifikation kann eine Aufgabe beispielsweise darin bestehen, die Testabdeckung zu vervollständigen. RTL – die Register-Transfer-Ebene eines digitalen Schaltkreises – beschreibt dessen Funktion anhand von Registern und Datenübertragungen. Aufgaben-Agenten können laut der Produktbeschreibung unter anderem RTL-Code erzeugen, Module überarbeiten und SystemVerilog-Assertions erstellen. Das sind formale Prüfregeln, mit denen sich erwartetes Verhalten eines Designs beschreiben lässt.

Menschliche Freigaben bleiben vorgesehen

Synopsys bezeichnet seine Agenten auf der unternehmenseigenen Autonomieskala als Level 5. Zugleich sieht das beschriebene Verfahren von Menschen festgelegte Leitplanken und menschlich gesteuerte Freigabepunkte vor. Teams können damit festlegen, an welchen Stellen sie Ergebnisse prüfen oder den Ablauf neu ausrichten.

Was die berichteten Ergebnisse messen

Für Arbeiten mit NVIDIA im Juli 2026 meldete Synopsys einen bis zu 50-mal schnelleren Abschluss der Verifikation und eine um 20 Prozent höhere Testabdeckung. Als Vergleich dienten Synopsys-Arbeitsabläufe ohne AgentEngineer. Die beiden Werte beziehen sich auf diesen konkreten Verifikationskontext.

Fujitsu berichtete über einen Produktivitätszuwachs von 10 bis 30 Prozent bei der RTL-Codegenerierung mit Funktionen von Verification AgentEngineer. Der Wert betrifft diese Aufgabe und stammt aus der Einschätzung des Unternehmens.

Auch AheadComputing berichtete von geringerem manuellem Engineering-Aufwand beim Einsatz von Implementation AgentEngineer – von der Übergabe des RTL-Designs über Implementierung und ECO bis zum Signoff. ECO bezeichnet eine technische Änderung an einem bereits laufenden Entwurf; Signoff ist die abschließende Freigabe des Designs.

Modelle, Infrastruktur und Schutzmaßnahmen

Synopsys beschreibt die Plattform als anpassbar: Kunden sollen Modelle von Synopsys, Partnern oder Drittanbietern sowie unterschiedliche Infrastrukturen und Arbeitsabläufe wählen können. Als Bereitstellungsoptionen werden Synopsys Cloud, eine Kunden-Cloud oder der Betrieb vor Ort genannt.

Zu den von Synopsys beschriebenen Plattformfunktionen gehören Orchestrierung, wiederverwendbare Fähigkeiten, Speicher und Telemetrie sowie Governance. Für den Schutz geistigen Eigentums nennt das Unternehmen Zugriffskontrollen, Verschlüsselung und Laufzeit-Leitplanken.