Eine am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung berichtet, TikTok habe Anfang November 2025 die Zahl der Werbeverstöße, die eine sofortige Sperre eines Werbekontos auslösen konnten, von 37 auf 13 gesenkt. In einem Vergleich von jeweils sechs Monaten vor und nach der Änderung stiegen die erfassten Beschwerden mit TikTok-Bezug um 142 Prozent.
Was sich laut Bericht bei den Werberegeln änderte
Der Untersuchung zufolge galten Nichtlieferungsbetrügereien nach der Änderung nicht mehr als schwerwiegend genug, um eine sofortige Sperre des Werbekontos auszulösen. Nichtlieferungsbetrug bedeutet: Menschen bezahlen für Waren, die anschließend nicht bei ihnen ankommen.
Die Untersuchung berichtete, dass auch Waffen, fragwürdige Finanzanlagen, vermeintliche Wundermittel zum Abnehmen, gefälschte GLP-1-Medikamente und Inhalte zugunsten von Essstörungen nicht mehr zu den Verstößen zählten, die unmittelbar eine Kontosperre auslösen konnten. Als Beispiele für weiterhin mit sofortigen Sperren belegte Kategorien nannte sie Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs, Terrorismuswerbung und Betäubungsmittel.
Was die Beschwerdezahlen messen
Die Analyse verglich jeweils sechs Monate vor und nach der gemeldeten Änderung. Sie umfasste mehr als 5.500 anonyme, ungeprüfte Beschwerden beim Better Business Bureau (BBB), die mit KI, maschinellem Lernen und menschlicher Prüfung ausgewertet wurden. Gezählt wurden Beschwerden, nicht bestätigte Betrugsfälle oder nachgewiesene Opfer.
| Beschwerdekategorie | Veränderung der Beschwerdezahl | Vergleichszeitraum |
| Alle Betrugsmeldungen beim BBB | 59 % mehr | Je sechs Monate vor und nach der gemeldeten Regeländerung |
| Meldungen mit TikTok-Bezug | 142 % mehr | Je sechs Monate vor und nach der gemeldeten Regeländerung |
| Meldungen zu Betrug durch Nichtlieferung | Mehr als 200 % mehr | Je sechs Monate vor und nach der gemeldeten Regeländerung |
Der zeitliche Vergleich zeigt eine Zunahme der Meldungen, belegt aber nicht, dass die Regeländerung sie verursacht hat oder dass die tatsächliche Zahl der Betrugsfälle entsprechend stieg.
Wie Fake-Shops über Anzeigen Geld kassieren
Das berichtete Muster: Eine Anzeige gibt sich als bekannte Marke aus und führt zu einem externen Shop. Dort bezahlt der Kunde; die Ware wird anschließend nicht geliefert. Im Herbst 2025 kaufte Lottie Weaver laut Untersuchung über entsprechende Anzeigen Aerie-Pyjamas und einen Polo-Bear-Pullover von Ralph Lauren. Beides kam nicht an.
Die Untersuchung berichtete außerdem, mehr als 20.000 Nutzer in den USA hätten ein Netzwerk asiatischer Werbekonten gemeldet, das mit Anzeigen für Nichtlieferungsbetrug Marken wie Nike imitierte.
TikToks Stellungnahme und US-Werbeeinstellungen
TikTok-Sprecherin Jessica Casano-Antonellis wies die Vorwürfe zurück. TikTok erklärte, betrügerische und irreführende Werbung strikt zu verbieten und seine Richtlinien sowie Durchsetzungssysteme laufend zu stärken.
Für Nutzer in den USA beschreibt TikTok Einstellungen für Werbung und Daten: Personalisierte Werbung lässt sich abschalten, nicht personalisierte Anzeigen werden weiterhin angezeigt. Nutzer können eine Anzeige über die Teilen-Funktion oder durch längeres Drücken melden. Die Auswahl „Nicht interessiert“ blendet eine Anzeige aus und gibt Feedback, ersetzt aber keine Meldung.