Eine am 2. Dezember 2025 veröffentlichte Studie von Hisashi Hayakawa und Kollegen datiert den im Chūnqiū verzeichneten Bericht über eine totale Sonnenfinsternis auf den 17. Juli 709 v. Chr. Die archäologisch revidierte Lage des damaligen Qufu und ein neu berechneter ΔT-Bereich von 20.264 bis 21.204 Sekunden bringen den Ort in den modellierten Pfad der Totalität.

Was der Chūnqiū-Eintrag überliefert

Der Chūnqiū, eine Chronik des Staates Lu, meldet eine vollständige Sonnenfinsternis. Die Datierung auf den 17. Juli 709 v. Chr. (astronomisches Jahr −708) ist die Zuordnung der Forschenden zu diesem Eintrag.

Warum die historische Lage von Qufu wichtig ist

Die Forschenden verorten das Qufu der Lu-Zeit anhand archäologischer Berichte bei N35°36′, E116°59′. Dieser Standort liegt rund acht Kilometer von der Position entfernt, die frühere Berechnungen verwendeten. Für die lokale Finsternisrechnung zählt, wo sich der Beobachtungsort befindet: Die Studie prüft, ob Qufu im berechneten Pfad der Totalität liegt.

Wie die Rechnung zur Totalität kommt

Stickstorys englischsprachiger Erklärfilm verbindet den Chronikeintrag mit der Korrektur von Qufus Koordinaten.

Die Ortskorrektur allein erklärt das Ergebnis nicht. Auch der verwendete ΔT-Wert ändert sich. In der früheren M+21-Berechnung ergibt ein Wert von rund 20.170 Sekunden für Qufu eine maximale Finsternisgröße von 0,994. Die überarbeitete Berechnung setzt einen größeren ΔT-Bereich an und bringt Qufu in den modellierten Totalitätspfad.

BerechnungΔT für 709 v. Chr.Ergebnis für Qufu
Frühere M+21-Berechnungrund 20.170 SekundenMaximale Finsternisgröße 0,994; keine Totalität in dieser Berechnung
Überarbeitete Berechnung20.264–21.204 SekundenQufu liegt im berechneten Pfad der Totalität

ΔT bezeichnet den Zeitunterschied zwischen einer theoretisch gleichförmigen Zeitskala und der Zeit, die sich aus der Erdrotation ergibt. Die Forschenden berechneten den überarbeiteten Bereich mit Ephemeridendaten von JPL DE 441 und der Sôma-Methode. Die Sekunden beziffern den Zeitversatz, nicht eine Verkürzung des Tages um diese Dauer.

Ein englischsprachiger Erklärfilm von Stickstory ordnet die Korrektur von Qufus historischem Standort in einen breiteren Abriss zur Erdrotation ein. Darin geht es auch um den Einfluss des Mondes, fossile Korallen und Atomzeit.

Die Studie revidiert außerdem ΔT-Bereiche für zwei weitere Finsternisse in historischen Aufzeichnungen: 21.150–21.968 Sekunden für 600 v. Chr. und 16.379–21.574 Sekunden für 548 v. Chr. Für den Eintrag von 600 v. Chr. nennen die Forschenden ein Problem mit der Kalenderdatierung.

Was der spätere Hànshū-Text aussagt

Eine Passage im späteren Hànshū, das um 96 n. Chr. fertiggestellt wurde, beschreibt die verfinsterte Sonne als „oben und unten ganz gelb“. Die ältere Herkunft dieser Passage ist unbekannt. Sie könnte die Sonnenkorona beschreiben, doch diese Deutung bleibt eine Möglichkeit und ist kein gesicherter Augenzeugenbericht aus dem Jahr 709 v. Chr.

Unter dieser Deutung berechnet die Studie die Neigung der Sonnenrotationsachse beim Maximum auf rund 58 Grad im Uhrzeigersinn gegenüber dem lokalen Zenit. Diese Ausrichtung ist mit einer Rekonstruktion des Sonnenzyklus anhand von Radiokohlenstoffdaten vereinbar.