Wie zu erwarten, hat die Entwicklung der Kernenergie ihre Befürworter und Gegner. Einerseits werden die Tonnen Kohlendioxid berechnet, die ein Kraftwerk einsparen könnte, andererseits werden Tschernobyl und Fukushima zitiert. Die Anti-Atomkraft-Stimmung kann so mächtig sein wie die Energie selbst, und sie manifestierte sich auf besondere Weise in der Gemeinde Zwentendorf an der Donau in Österreich. Dort wurde ein hochmodernes Kernkraftwerk gebaut, das erste des Landes – doch im November 1978 wurde beschlossen, dass es nie in Betrieb gehen würde…
Der Bau eines Kernkraftwerks ist nicht leichtfertig. Es handelt sich um extrem komplexe Anlagen, die ständige Wartung erfordern, und natürlich hat die Bevölkerung einiges dazu zu sagen. Die Anti-Atomkraft-Stimmung hat jedoch auch Konsequenzen, und eine davon ist der Bau von Kernkraftwerken, die nie in Betrieb genommen wurden. Zuerst dachte ich, es handele sich um eine Ausnahme, aber eine einfache Suche förderte mehrere Fälle zutage, und einer der bemerkenswertesten ist das Kernkraftwerk Zwentendorf in Österreich.
Zwentendorf, das österreichische Kernkraftwerk, das nie ans Netz ging
Den verfügbaren Informationen zufolge begann der Bau von Zwentendorf im April 1972, mit einer anfänglichen Investition von 5,2 Milliarden österreichischen Schilling – umgerechnet etwa 1,4 Milliarden Euro inflationsbereinigt. Mehrere österreichische Energieunternehmen schlossen sich für den Bau zusammen, und schließlich erhielt sein Siedewasserreaktor (BWR) den benötigten Kernbrennstoff. Das Kraftwerk war das erste von drei geplanten und mit einer Leistung von 692 Megawatt hatte die Energiezukunft Österreichs definitiv nukleares Profil…
…bis das Referendum stattfand. Am 5. November 1978 gingen die Wähler zu den Urnen, um die „friedliche Nutzung“ der Kernenergie zu erlauben oder zu verbieten mit einer Wahlbeteiligung von 64,12 Prozent gewann das „Nein“ mit nur 30.068 Stimmen Vorsprung: 50,47 % gegenüber 49,53 % und 2,33 % ungültige Stimmen.
Das Schicksal des Kraftwerks Zwentendorf und der Kernenergie in Österreich war besiegelt. Das Wärmekraftwerk Dürnrohr wurde als Ersatz gebaut, und die Rolle von Zwentendorf änderte sich vollständig. Heute dient es als Forschungszentrum, Sicherheitstrainingszentrum und steht auch für audiovisuelle Projekte (Film, Fernsehen, Fotografie) zur Verfügung.
Abschließend stammen die Bilder von Wolf-Ulf Wulfrolf auf Flickr. Sehenswert sind auch seine Galerien – hier und hier.
Quellen: Atlas Obscura, Wolf-Ulf Wulfrolf auf Flickr