Moderne Karten sind auf Smartphones und Computern meist nur eine Nebensache – ständig aktualisiert und mit bemerkenswerter Detailgenauigkeit. Doch die Kartografie durchlief eine Zeit, in der ihre größten Vertreter Wissenschaft und Fantasie miteinander verbanden. Damals lebte Abraham Ortelius, ein Meister der Kartografie und Geografie, der als Vater des Atlas gilt.
Jedes Mal, wenn wir eine Karte auf unseren Geräten laden, erhalten wir eine effiziente, präzise und kalte Kopie. Aber das war nicht immer so. Ein Blick auf alte Karten zeigt, dass die Kartografie nicht nur als wissenschaftlicher Prozess mit fortgeschrittenen Techniken gesehen wurde, sondern auch als Kunstform mit makelloser Ästhetik. Das sogenannte Zeitalter der Entdeckungen führte zu einer wahren kartografischen Explosion, und ein Mann wurde zu einer Schlüsselfigur: Abraham Ortelius.
Der Mann hinter dem Atlas
In Antwerpen geboren, begann Ortelius im Alter von 20 Jahren als Kolorist und Illustrator für die Lukasgilde zu arbeiten. Seine endgültige Hinwendung zur Kartografie erfolgte, nachdem er Gerardus Mercator kennengelernt hatte – ja, derselbe Mercator, dessen Projektion, die alle kritisieren – und mehrfach mit ihm gereist war. Ortelius bereiste weite Teile Europas, insbesondere die alten „Siebenzehn Provinzen“ der Niederlande. Doch die Geschichte hat ihm einen besonderen Platz eingeräumt: dank der Veröffentlichung des ersten modernen Atlas.
Das Theatrum Orbis Terrarum
Einige Quellen deuten darauf hin, dass die Idee für den Atlas von Mercator selbst stammte und Ortelius sie umsetzte. Mit insgesamt 53 Karten – alle im gleichen Format und Stil – hatte das Theatrum Orbis Terrarum seine erste Ausgabe im 16. Jahrhundert. Ein interessantes Detail: Nur wenige der Karten stammten von Ortelius selbst; sie repräsentierten die Arbeit der großen Kartografen, die er bewunderte. Der Erfolg war so groß, dass das Werk im ersten Jahr viermal neu aufgelegt werden musste. Bis ins frühe 17. Jahrhundert erreichte es 42 Ausgaben und wurde in sieben Sprachen übersetzt (Latein, Englisch, Deutsch, Flämisch, Französisch, Spanisch und Italienisch).
Die berühmteste Karte: Typus Orbis Terrarum
Abgesehen von der Vielfalt im Atlas ist die bekannteste Karte eine Schöpfung von Ortelius: Typus Orbis Terrarum, die die ganze Welt basierend auf dem damaligen Wissensstand zeigt. Tatsächlich war Ortelius einer der ersten, die vermuteten, dass die Kontinente einst verbunden waren – mit den Amerikas, die sich von Europa und Afrika „durch Erdbeben und Überschwemmungen“ „trennten“. Natürlich hatten die Karten auch eine große spekulative Komponente. So zeigt die Typus Orbis Terrarum eine Region im Süden, die als „Terra Australis Nondum Cognita“ bezeichnet wird – die Entdecker glaubten, dass dort etwas war.
Spekulation und Mythologie
Und wenn wir schon von Spekulation sprechen: Ortelius zögerte nicht, mythologische Bestien und biblische Bezüge in einige seiner Karten aufzunehmen. Einerseits verkauften sich diese Versionen besser, andererseits fand Ortelius einen akzeptablen Ausgleich zwischen der wissenschaftlichen Präzision, die in jener Zeit aufkam, und der fantastischen Ästhetik, die das Publikum anzog.
Abraham Ortelius brach am 28. Juni auf unbekannte Gebiete auf, aber seine Vision und sein Talent haben die Zeit überdauert und inspirieren bis heute Tausende von Entdeckern.
Quelle: My Modern Met