Amazon wies für die sechs Monate bis zum 30. Juni 2026 einen nicht realisierten Nettogewinn von 599 Millionen US-Dollar aus der Fair-Value-Bewertung von Stromverträgen aus. Fair Value, auf Deutsch beizulegender Zeitwert, bezeichnet den Wert, mit dem ein Vertrag zum jeweiligen Bilanzstichtag angesetzt wird. Die Neubewertung ist kein Zahlungseingang: Amazon zufolge beeinflussen Fair-Value-Änderungen den Cashflow nicht. Die Angaben stehen in Amazons Form 10-Q, Anhang zu Energieverträgen.

The Seattle Times stellte den Gewinn in Zusammenhang mit steigenden Strompreisen; Greg Kim berichtete darüber am 10. Oktober 2026. Das ist die Einordnung der Zeitung. Amazons Form 10-Q beschreibt die Bewertungsgrundlagen, beziffert aber keinen Beitrag einer bestimmten Preisbewegung.

Was die 599 Millionen US-Dollar bedeuten

Der Gewinn ist ein Bewertungsplus aus Energieverträgen, kein ausgewiesener Erlös aus einem Stromverkauf und keine realisierte Ersparnis. Für das zweite Quartal 2026 meldete Amazon einen nicht realisierten Nettogewinn von 551 Millionen US-Dollar. Dieser Quartalsbetrag ist Teil der 599 Millionen US-Dollar für die sechs Monate und kommt nicht zusätzlich hinzu.

Amazon erfasste die Fair-Value-Änderungen in den betrieblichen Aufwendungen unter „Technology and infrastructure“; laut Unternehmen war vor allem Amazon Web Services (AWS) betroffen. Ein Bewertungsgewinn kann sich damit in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen, ohne dass im selben Umfang Geld fließt.

Langfristige Verträge, langfristige Bewertung

Amazon zufolge sichern die Energieverträge Strom für bestehende und künftige Betriebsabläufe; einige laufen bis zu 20 Jahre. Zum 30. Juni 2026 unterlagen Vertragsmengen von rund 270 Millionen Megawattstunden der Fair-Value-Bewertung als Derivate. Ihre gewichtete durchschnittliche Restlaufzeit betrug etwa 15 Jahre. Der Großteil der Mengen sollte erst mehr als neun Jahre später geliefert werden.

Für besser handelbare Zeiträume fließen unter anderem Terminpreise für Strom, Auktionen für Kapazitäten und risikofreie Zinssätze in die Bewertung ein. Für Zeiträume jenseits von ungefähr vier bis sechs Jahren sind die Marktdaten laut Amazons Angaben deutlich dünner oder fehlen. Dann haben Annahmen des Managements erhebliches Gewicht; Amazon ordnet diese Bewertungen der Stufe 3 zu. Bei Verträgen mit langen Laufzeiten hängt der ausgewiesene Wert daher auch von Annahmen über Zeiträume ab, für die es nur wenige oder keine Handelsdaten gibt.

Wann aus Verträgen Zahlungen werden können

Die Neubewertung selbst verändert den Cashflow nicht. Davon getrennt können die Verträge jedoch Nettozahlungen auslösen: Wenn der tatsächliche Stromverbrauch unter den vereinbarten Mengen liegt, kann Amazon Zahlungen leisten oder erhalten. Dieser mögliche Ausgleich aus den Vertragsbedingungen ist ein eigener Vorgang und nicht der nicht realisierte Bewertungsgewinn.