Amazon meldete am 29. Oktober 2026 für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum von 39 Prozent bei Amazon Web Services (AWS). Gleichzeitig lag der freie Cashflow des Konzerns für die zwölf Monate bis zum 30. September 2026 bei minus 42,357 Milliarden US-Dollar. Dahinter standen höhere Investitionsauszahlungen: Amazon erwirtschaftete im selben Zwölfmonatszeitraum deutlich mehr Geld aus dem laufenden Geschäft, gab für Sachanlagen aber noch mehr aus.
Die Quartalszahlen von Amazon verbanden damit kräftiges Cloudwachstum und einen Rekord beim operativen Ergebnis mit einem negativen freien Cashflow. Um das einzuordnen, lohnt sich der Blick auf die einzelnen Kennzahlen und ihre Zeiträume.
AWS lieferte den größten Teil des operativen Gewinns
Amazon erzielte im dritten Quartal 2026 einen Konzernumsatz von 201,944 Milliarden US-Dollar, zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ohne Wechselkurseffekte betrug das Wachstum 13 Prozent. Das operative Ergebnis, also der Gewinn aus dem Geschäft vor nichtoperativen Posten und Steuern, erreichte 28,076 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge lag bei 13,9 Prozent und war laut Amazon die höchste der Unternehmensgeschichte.
AWS setzte 45,984 Milliarden US-Dollar um und erwirtschaftete ein operatives Ergebnis von 17,773 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge der Cloudsparte betrug 38,7 Prozent. Damit lieferte AWS den größten Teil des operativen Konzerngewinns, obwohl sein Umsatz deutlich unter dem des Nordamerika-Segments lag.
Nordamerika kam auf 112,852 Milliarden US-Dollar Umsatz und 8,723 Milliarden US-Dollar operatives Ergebnis. Das internationale Segment erzielte 43,108 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,580 Milliarden US-Dollar operatives Ergebnis. Die Umsätze dieser beiden Segmente wuchsen um sechs beziehungsweise fünf Prozent; international waren es ohne Wechselkurseffekte acht Prozent.
Warum der freie Cashflow negativ war
Der freie Cashflow beschreibt nach Amazons Definition den operativen Mittelzufluss abzüglich der Auszahlungen für Sachanlagen, bereinigt um Verkaufserlöse und Investitionszuschüsse. Vereinfacht: Wie viel Geld blieb aus dem laufenden Geschäft nach diesen Investitionen übrig?
Die Antwort für die zwölf Monate bis zum 30. September 2026 war negativ. Die folgende Rechnung vergleicht zwei gleich lange Zeiträume. Alle Beträge sind in Milliarden US-Dollar angegeben.
| Kennzahl | Zwölf Monate bis 30. September 2026 | Zwölf Monate bis 30. September 2025 |
| Operativer Mittelzufluss | 168,300 | 130,691 |
| Nettoauszahlungen für Sachanlagen | 210,657 | 115,903 |
| Freier Cashflow | −42,357 | 14,788 |
Die Rechnung lautet 168,300 − 210,657 = −42,357 Milliarden US-Dollar. Der oft gerundet genannte Abfluss von 42,4 Milliarden US-Dollar bezog sich somit auf diesen Zwölfmonatszeitraum.
Der operative Mittelzufluss stieg gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 37,609 Milliarden US-Dollar. Die Nettoauszahlungen für Sachanlagen erhöhten sich jedoch um 94,754 Milliarden US-Dollar. Dadurch verschlechterte sich der freie Cashflow um 57,145 Milliarden US-Dollar.
Das erklärt, wie ein stärkerer Mittelzufluss aus dem Geschäft mit einem negativen freien Cashflow zusammenkam: Die Investitionsauszahlungen wuchsen erheblich schneller. Für die Beurteilung des Geschäfts sind deshalb sowohl die erwirtschafteten Mittel als auch die anschließenden Investitionen relevant.
Welche Rolle die KI-Investitionen spielten
Amazon führte den Rückgang des freien Cashflows hauptsächlich auf den Anstieg der Nettoauszahlungen für Sachanlagen zurück. Dieser Anstieg um gerundet 94,8 Milliarden US-Dollar spiegelte nach Angaben des Unternehmens vor allem Investitionen in künstliche Intelligenz wider.
Für das gesamte Kalenderjahr 2026 erwartete Amazon zahlungswirksame Investitionen von rund 220 Milliarden US-Dollar. Diese Prognose bezog sich auf die gesamten entsprechenden Investitionsausgaben. Die Aussage zum KI-Schwerpunkt betraf dagegen den Anstieg der Nettoauszahlungen im zurückliegenden Zwölfmonatszeitraum.
Konzernchef Andy Jassy sah die Investitionen in AWS-Funktionen und Infrastruktur durch das Wachstum der Cloudsparte bestätigt. Er stellte für AWS sowohl 2027 als auch 2028 Umsatzwachstumsraten von mehr als 40 Prozent in Aussicht.
Anurag Rana von Bloomberg Intelligence bewertete die Höhe der Investitionsausgaben in der Diskussion vom 29. Oktober als erwartungsgemäß. Ihn überraschte eher, dass AWS die Erwartungen nicht stärker übertroffen hatte. Seine Kollegin Poonam Goyal bezeichnete die Schwäche im Handelsgeschäft als erwartet und verwies auf den veränderten Prime-Day-Termin. Sie hob außerdem den Beitrag des Werbegeschäfts zu den Handelsmargen hervor.
Weshalb der Nettogewinn trotz höherem operativem Ergebnis sank
Das operative Ergebnis stieg von 17,422 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2025 auf 28,076 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2026. Der Nettogewinn sank dagegen von 21,187 auf 20,685 Milliarden US-Dollar. Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel entsprechend von 1,95 auf 1,89 US-Dollar.
Der Unterschied liegt in den zusätzlichen Posten der Nettogewinnrechnung. Sie berücksichtigt auch nichtoperative Erträge, Aufwendungen und Steuern. Amazon erklärte den Rückgang des Nettogewinns hauptsächlich mit einem Effekt aus dem Vorjahr: Im dritten Quartal 2025 hatte die Beteiligung an Anthropic Vorsteuergewinne von 9,5 Milliarden US-Dollar beigetragen, die außerhalb des operativen Ergebnisses verbucht worden waren. Im dritten Quartal 2026 standen insgesamt 1,207 Milliarden US-Dollar nichtoperative Aufwendungen zu Buche.
AWS übertraf die von Zacks erfassten Erwartungen
Nach dem von Zacks Equity Research veröffentlichten Vergleich lagen der Konzernumsatz von gerundet 201,94 Milliarden US-Dollar und der Gewinn je Aktie von 1,89 US-Dollar unter den dort genannten Konsensschätzungen von 202,11 Milliarden beziehungsweise 2,01 US-Dollar.
Innerhalb der Geschäftsbereiche fiel das Bild unterschiedlich aus. AWS lag mit gerundet 45,98 Milliarden US-Dollar über dem Durchschnitt von 45,42 Milliarden US-Dollar aus zehn Analystenschätzungen. Das Werbegeschäft blieb mit 19,64 Milliarden US-Dollar unter dem Durchschnitt von 20,87 Milliarden US-Dollar aus sieben Schätzungen.
Prime Day verschob die Umsatzbasis, Amazon erwartet Wachstum in Q4
Für den Umsatzvergleich spielte der Kalender eine wichtige Rolle. Prime Day fand 2026 in den meisten großen Ländern im zweiten Quartal statt, während die Veranstaltung 2025 vollständig ins dritte Quartal gefallen war. Nach Amazons Berechnung wäre das konzernweite Umsatzwachstum im dritten Quartal ohne diese Verschiebung rund vier Prozentpunkte höher ausgefallen.
Für das laufende vierte Quartal 2026 prognostiziert Amazon einen Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem erwarteten Wachstum von zwölf bis 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim operativen Ergebnis liegt die Prognose zwischen 28,5 und 33,5 Milliarden US-Dollar, nach 25 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal 2025.
Für das Werbegeschäft erwartet Amazon in Q4 ein wechselkursbereinigtes Umsatzwachstum im hohen Zehnerprozentbereich. Im dritten Quartal betrug das Wachstum auf dieser Basis zwölf Prozent.