Das australische Bundesgericht ordnete am 22. Oktober 2026 Änderungen an Apples iOS-App-Vertrieb und Zahlungsregeln an. Für Fortnite und andere geeignete Epic-Apps gilt ein eigenes Verfahren; die breiteren Vorgaben für alternative Stores und Zahlungen sollen ab März 2027 greifen.

Richter Jonathan Beach stellte fest, dass Apple Inc. seit dem 6. November 2017 gegen Abschnitt 46(1) des australischen Competition and Consumer Act 2010 verstoßen hat. Die Erklärung betrifft Apples erhebliche Marktmacht bei der Verteilung von iOS-Apps und bei In-App-Zahlungen. Das Urteil des Federal Court of Australia nennt Apple Inc. als das Unternehmen, das gegen das Gesetz verstoßen hat. Apple Pty Limited ist separat als zweite Beklagte aufgeführt.

Für wen die Anordnungen gelten

Die operativen Anordnungen 2 bis 11 beziehen sich auf den australischen App Store und auf Nutzerkonten, deren Land oder Region auf Australien eingestellt ist. Sie ändern damit nicht die Regeln für den deutschen App Store.

Die Anordnung zur Zulassung von Epic-Apps und die späteren Vorgaben für alternative Verteilung und Zahlungen haben unterschiedliche Auslöser und Zeitpläne:

AnordnungGeltungsbereichVoraussetzung oder BeginnPraktische Folge
Order 2Fortnite und andere geeignete iOS-Apps von EpicSchriftlicher Antrag von Epic und regelkonforme EinreichungenApple muss die Einreichungen bearbeiten und die Aufnahme oder Wiederaufnahme in den App Store ermöglichen, soweit die Bedingungen mit den Anordnungen vereinbar sind.
Orders 3 bis 11Australischer App Store und Nutzerkonten mit Australien als Land oder RegionGeplanter Beginn am 1. März 2027 um 12 Uhr Melbourne-ZeitAlternative App-Verteilung und externe Zahlungswege werden unter den festgelegten Schutz- und Gebührenregeln ermöglicht.

Fortnite braucht einen eigenen Antrag

Order 2 verpflichtet Apple, einen schriftlichen Antrag der Epic-Unternehmen zu bearbeiten. Nach einer regelkonformen Einreichung muss Apple Fortnite und andere geeignete Epic-Apps im App Store zulassen oder wieder aufnehmen. Entwicklervereinbarungen und Prüfregeln gelten dabei nur, soweit sie mit den gerichtlichen Vorgaben vereinbar sind. Diese Regelung betrifft die Aufnahme von Epic-Apps in Apples App Store, nicht die Zulassung eines alternativen App Stores.

Epic kündigte eine geplante Rückkehr von Fortnite in den australischen App Store an. Engadget stellte in einer Korrektur vom 22. Oktober klar, dass das Spiel zum Zeitpunkt dieser Korrektur noch nicht zurückgekehrt war.

Alternative Stores und Zahlungen unterliegen Schutzregeln

Die Orders 3 bis 5 sehen alternative Vertriebswege vor, darunter direkte Downloads und alternative App Stores. Apps aus diesen Kanälen müssen automatisiert auf tatsächliche Sicherheits- oder Datenschutzrisiken geprüft und von Apple oder einem qualifizierten Dritten notarisiert werden. Sicherheitsanforderungen müssen erforderlich und verhältnismäßig sein. Apple muss zuvor schriftlich über das zusätzliche Risiko und die vorgesehenen Anforderungen informieren.

Entwickler dürfen außerdem andere Zahlungsmethoden als Apples In-App-Käufe nutzen und Nutzer dorthin leiten. Die Gebührenregeln hängen davon ab, über welchen Vertriebsweg eine App angeboten wird. Für bestimmte Käufe in Apps aus alternativen Vertriebswegen untersagt Order 9(d) Gebühren auf externe Zahlungen und digitale Inhalte. Bei Apps aus dem App Store darf eine Gebühr für alternative Zahlungen nach Order 9(e) höchstens der Gebühr für vergleichbare Zahlungen für physische Waren oder Dienstleistungen zuzüglich zusätzlicher wirtschaftlicher Kosten entsprechen, die Apple tatsächlich und angemessen entstanden sind. Das Urteil setzt keine allgemeine Gebührenrate fest.

Order 11 untersagt Apple, Entwickler oder Apps wegen alternativer Verteilung, einer Zahlung außerhalb des In-App-Kaufs oder entsprechender Verweise zu benachteiligen.

Beginn im März 2027 und mögliche Verschiebung

Die Orders 3 bis 11 sollen am 1. März 2027 um 12 Uhr Melbourne-Zeit in Kraft treten. Apple kann zwischen dem 1. und 15. Februar 2027 mit Belegen eine Verschiebung auf den 3. Mai 2027, ebenfalls 12 Uhr Melbourne-Zeit, beantragen. Der spätere Termin gilt nur, wenn das Gericht den Antrag bewilligt.

Apple erklärte nach dem Urteil, eine Aussetzung beantragen und Berufung einlegen zu wollen. Das Gericht verpflichtete Apple Inc. außerdem, 85 Prozent der Kosten der Antragsteller bis einschließlich des Verfahrens zur Haftung zu tragen; die Kosten der Anhörung über die Abhilfemaßnahmen bleiben vorbehalten. Die Urteilsseite vermerkt Korrekturen vom 23. Oktober 2026: Die frühere Order 5(g) wurde entfernt und die Randnummern 700 und 701 wurden geändert.