Der Anteil von Junior-Kandidatinnen und -Kandidaten an den technischen Neueinstellungen bei Anthropic sank seit Anfang 2025 von 27 auf 9 Prozent. Gleichzeitig nahm die Zahl der technischen Einstellungen insgesamt weiter zu. Das geht aus einem Bericht hervor, den The Anthropic Institute am 16. Oktober 2026 veröffentlichte. Anthropics Bericht zur Beschäftigung im Unternehmen

Zwei Prozentwerte, zwei verschiedene Bezugsgrößen

Die beiden Rückgänge beschreiben unterschiedliche Gruppen: einmal den Anteil unter den Neueinstellungen, einmal den Anteil der bereits Beschäftigten in technischen Abteilungen.

KennzahlWas der Anteil misstEntwicklung seit Anfang 2025
Junior-Kandidatinnen und -KandidatenAnteil an den technischen Neueinstellungen27 % auf 9 %
Junior-BeschäftigteAnteil an den Beschäftigten in technischen Abteilungen21 % auf 14 %

Die Werte zeigen eine veränderte Zusammensetzung der Neueinstellungen und der technischen Belegschaft. Sie sagen für sich genommen nichts über die absolute Zahl der eingestellten Junior-Kräfte aus.

Technische Einstellungen wuchsen weiter

Anthropic zufolge stieg die Zahl der technischen Einstellungen in absoluten Zahlen weiter, obwohl der Anteil der technischen Abteilungen an der gesamten Belegschaft im Jahr vor dem Bericht von 61 auf 56 Prozent sank. Die Einstellungen in Vertrieb, Finanzbereich und Recruiting nahmen schneller zu. Ein sinkender Anteil der Technikteams an der Gesamtbelegschaft ging demnach mit weiterem Wachstum bei den technischen Einstellungen einher.

Welche Fähigkeiten in Auswahlgesprächen stärker zählen

Bei technischen Bewerbungsgesprächen betonten Führungskräfte laut Bericht zunehmend Selbstständigkeit und Urteilsvermögen; Fachwissen und Umsetzungskompetenz rückten stärker in den Hintergrund. Auch der Einsatz von KI-Werkzeugen tauchte häufiger in den Bewertungsnotizen auf: 2024 wurde er in rund fünf Prozent der technischen Bewertungen erwähnt, 2026 dreimal so häufig. Bei nichttechnischen Bewertungen stieg der Anteil von sieben Prozent im Jahr 2024 auf das Vierfache im Jahr 2026.

In einer Befragung im April 2026 sagten rund ein Drittel der Führungskräfte im Bereich maschinelles Lernen und ein Fünftel der Softwareentwicklungs-Führungskräfte, KI habe sie dazu gebracht, weniger einzustellen. Der Bericht beschreibt diese Einschätzungen neben den Veränderungen bei der Junior-Einstellung, berechnet aber keinen kausalen Effekt von KI auf deren Rückgang.

Was die Agenten-Daten über die Ursache aussagen

Im August 2026 verzeichneten interaktive, von Beschäftigten gesteuerte KI-Agenten nach Anthropics Laufzeitmessung sechsmal so viele Arbeitsstunden wie ihre menschlichen Betreuenden. Die Agentenzeit umfasste Inferenz und aktive Werkzeugnutzung; Wartezeiten von mehr als 30 Minuten blieben unberücksichtigt. Die menschliche Vergleichszeit schätzte Anthropic anhand einer 40-Stunden-Woche pro Beschäftigtem.

Für eine separate Analyse verglich Anthropic 192 Ingenieurinnen und Ingenieure, die Coding-Agenten nutzten, mit 74, die im untersuchten Zeitraum keine nutzten. Als Beginn der Nutzung galt der erste Monat mit mindestens fünf agentengestützten Sitzungen. Die Nutzung war nicht zufällig verteilt: Wer vollständig autonome Agenten einführte, befand sich bereits zuvor auf einer stark steigenden Output-Kurve. Die Beobachtung lässt sich deshalb nicht als Nachweis lesen, dass Agenten die Einstellungsänderungen verursacht hätten.

Interne Maßnahmen betreffen vor allem Beschäftigte

Beschäftigte, die mindestens ein Jahr bei Anthropic waren, wechselten 2026 pro Monat um 50 Prozent wahrscheinlicher zwischen Abteilungen als 2025. Der Bericht schlägt außerdem interne Versetzungen und ein Frühwarnsystem für Tätigkeiten vor, die sich verändern. Diese Maßnahmen für die bestehende Belegschaft adressieren den Rückgang der Junior-Einstellungen nicht unmittelbar.