Am 17. September 2026 befasste sich das Investigatory Powers Tribunal mit getrennten Beschwerden von Apple und Liberty zu gemeldeten britischen Geheimmitteilungen. Bei der Anhörung ging es darum, wie die Verfahren weiterlaufen und wie mit der Weigerung der Regierung umzugehen ist, die Mitteilungen zu bestätigen oder zu dementieren. Eine Entscheidung über ihre Rechtmäßigkeit war das nicht.
Die Anhörung im Streit um iCloud-Verschlüsselung
Eine Technical Capability Notice (TCN) ist eine geheime Anordnung nach Abschnitt 253 des britischen Investigatory Powers Act 2016. Sie kann Unternehmen zu technischen Änderungen verpflichten. Im Zentrum des Verfahrens steht auch die Frage, ob die Beschwerden auf tatsächlichen oder auf angenommenen Umständen beruhen sollen, solange die Regierung ihre Position des „weder bestätigen noch dementieren“ beibehält.
Liberty führt ein eigenes Verfahren; Apple brachte 2026 eine neue Beschwerde ein. Das Tribunal befasste sich im September mit dem Ablauf dieser getrennten Verfahren. Die Anhörung entschied nicht über die Rechtmäßigkeit der Mitteilungen.
Was über die britischen Mitteilungen berichtet wurde
Im Januar 2025 soll das britische Innenministerium Apple eine TCN zugestellt haben, deren gemeldete Reichweite verschlüsselte iCloud-Daten von Nutzern weltweit umfasste. Eine zweite Mitteilung soll im Oktober 2025 gefolgt sein; Berichten zufolge bezog sie sich auf verschlüsselte Daten und Nachrichten britischer Nutzer. Die britische Regierung bestätigt oder dementiert die Mitteilungen nicht.
Am 19. August 2025 erklärte die damalige US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard, Großbritannien habe zugestimmt, die ursprüngliche Forderung nach Zugang zu geschützten verschlüsselten Daten von US-Bürgern fallen zu lassen. Die später gemeldete Mitteilung für britische Nutzer war ein eigener Vorgang.
Was Apples ADP-Änderung für Nutzer bedeutet
Apple zufolge können Nutzer im Vereinigten Königreich Advanced Data Protection (ADP) nicht mehr aktivieren, wenn sie die Funktion dort nicht bereits eingeschaltet hatten. Apple erklärte, ADP außerhalb des Vereinigten Königreichs weiterhin anzubieten. Liberty berichtete im September 2026, das Vereinigte Königreich sei das einzige Land, in dem die Funktion deaktiviert sei; damit ist ADP auch in Deutschland verfügbar.
ADP erweitert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf zusätzliche iCloud-Daten. Dabei können Inhalte nur auf vertrauenswürdigen Geräten entschlüsselt werden. Apple zufolge bleiben 15 iCloud-Kategorien standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, darunter iCloud-Schlüsselbund und Health. Zehn weitere Kategorien wären mit ADP zusätzlich geschützt: iCloud-Backup, iCloud Drive, Fotos, Notizen, Erinnerungen, Safari-Lesezeichen, Siri-Kurzbefehle, Sprachmemos, Wallet-Pässe und Freeform. Für Nutzer im Vereinigten Königreich, die ADP nicht aktivieren können, gilt für diese Kategorien Apples Standard-Datenschutzmodell.
iMessage und FaceTime bleiben laut Apple weltweit, auch im Vereinigten Königreich, Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Apple erklärte außerdem, nie eine Hintertür oder einen Generalschlüssel für seine Produkte und Dienste gebaut zu haben und das auch künftig nicht zu tun.
Die gemeldete Warnung aus dem Weißen Haus
Für September 2026 wurde eine Warnung eines nicht namentlich genannten Sicherheitsbeamten des Weißen Hauses vor einem möglichen erneuten britischen Versuch berichtet. Dabei ging es um die Sorge, ein solcher Zugang könne gegen Mitglieder der US-Regierung oder Nigel Farage eingesetzt werden. Eine tatsächliche Überwachung von Donald Trump, anderen US-Regierungsvertretern oder Farage ist damit nicht belegt.