Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat mit Resolution 5 beschlossen, UTC ab dem 20. Mai 2027 kontinuierlich zu führen. Zugleich begrenzt sie den absoluten Abstand zwischen UTC und UT1 auf 3.600 Sekunden, also eine Stunde. UT1 beschreibt die Erdrotation; UTC soll künftig ohne die dafür bislang verwendeten Schaltsekunden weiterlaufen. Die Resolution 5 des Bureau International des Poids et Mesures (BIPM) legt auch dar, warum die Änderung für wichtige Infrastrukturen relevant ist.
UTC und UT1: zwei Zeitskalen, ein Grenzwert
UTC ist die internationale Referenzzeitskala. Sie läuft mit der Rate der Internationalen Atomzeit (TAI) und unterscheidet sich von ihr um eine ganze Zahl von Sekunden. UT1 dagegen bildet die Winkelrotation der Erde ab. Schaltsekunden hielten UTC bislang nahe an dieser Erdrotationszeit; künftig darf der Abstand zwischen UT1 und UTC bis zu einer Stunde betragen.
Die Resolution setzt diesen Höchstwert fest. Ein Verfahren für den Fall, dass der Abstand eine Stunde erreicht, legt sie nicht fest.
Warum die CGPM auf kontinuierliche UTC setzt
Verkehr, Energieversorgung, Telekommunikation und Raumfahrtprojekte sind laut Resolution auf kontinuierliche UTC zur Synchronisierung angewiesen. Besonders eine negative Schaltsekunde – bei der eine Sekunde entfällt – gilt als Risiko für kritische Infrastruktur: Eine solche Anpassung wurde bislang noch nie vorgenommen, und die Resolution beschreibt die Infrastruktur als weitgehend unvorbereitet darauf.
Ein von der Consultative Committee for Time and Frequency (CCTF) und dem International Earth Rotation and Reference Systems Service (IERS) veranstalteter Workshop schätzte im März 2025 die Wahrscheinlichkeit einer negativen Schaltsekunde bis 2035 auf 30 Prozent. Das ist eine Risikoeinschätzung, kein angesetzter Termin.
Die Resolution nennt außerdem ein Problem unterschiedlicher „Smear“-Verfahren. Dabei verteilen Anbieter eine Schaltsekunden-Anpassung über einen Zeitraum, statt sie als einzelnen Zeitsprung umzusetzen. Verschiedene Verfahren können dazu führen, dass Systeme unterschiedliche Zeiten anzeigen und verbreiten.
Wo sich UT1-Informationen abrufen lassen
Wer die Erdrotationszeit benötigt, kann laut Resolution UT1–UTC-Informationen aus Navigationsnachrichten globaler Satellitennavigationssysteme (GNSS) sowie über den IERS, nationale Metrologieinstitute und weitere Dienste beziehen.