ECIPE schätzt die kumulierte wirtschaftliche Belastung durch den Cloud and AI Development Act (CADA) im Medium-Szenario für 2027 bis 2036 auf 115 Milliarden Euro. Die Summe ist ein modelliertes Ergebnis, keine bereits angefallene Ausgabe. Sie umfasst höhere Cloud-Kosten, die Anpassung von Software und Anwendungen sowie Vorteile, die sich durch verzögerte Digitalisierung später einstellen könnten. ECIPEs Studie legt dafür mehrere Umsetzungsszenarien zugrunde.
Was in den 115 Milliarden Euro steckt
ECIPE fasst unter der kumulierten Belastung den Gegenwartswert wiederkehrender Cloud-Preiseffekte, einmalige Kosten für Migration und Softwareanpassungen sowie den Wert aufgeschobener Cloud- und KI-Vorteile zusammen. Für das Medium-Szenario setzt sich die Schätzung aus drei Posten zusammen: 79,1 Milliarden Euro für Migration und Neuschreiben von Software, 34 Milliarden Euro für wiederkehrende Preiseffekte und 1,9 Milliarden Euro für verzögerte Digitalisierung.
Migration bedeutet dabei mehr als Daten auf einen anderen Server zu kopieren. Anwendungen können Änderungen an Datenbanken und Programmierschnittstellen (APIs), Identitäts- und Zugriffsverwaltung, Cybersicherheit, Integrationen und Tests erfordern. Auch Schulungen und ein paralleler Betrieb während des Übergangs fließen in ECIPEs Modell ein.
Die Rechnung ist keine vollständige Kosten-Nutzen-Analyse: ECIPE beziffert mögliche Vorteile bei Sicherheit, Resilienz und strategischer Autonomie nicht. Die Studie wurde von CCIA Europe finanziert. ECIPE weist darauf hin, dass die Ansichten des Autors nicht notwendigerweise die Ansichten des Geldgebers wiedergeben.
Wie stark die Schätzung je nach Szenario schwankt
Für den Zeitraum 2027 bis 2036 nennt ECIPE drei Hauptszenarien. Die separate Stress-Sensitivitätsrechnung ist kein viertes Hauptszenario.
| Szenario | Geschätzte kumulierte Belastung | Einordnung |
| Narrow | 35,6 Mrd. € | Engere Annahmen zur Umsetzung |
| Medium | 115 Mrd. € | Zentrales Referenzszenario |
| Broad | 233 Mrd. € | Umfangreichere Annahmen zur Umsetzung |
| Stress-Sensitivität | rund 327,1 Mrd. € | Separate Sensitivitätsrechnung |
Die Szenarien sind unterschiedliche Modellannahmen, keine statistischen Konfidenzintervalle. Auch die im Modell verwendeten Preisabstände sind keine beobachteten Tarife: ECIPE setzt sie für UAL1 bis UAL4 mit 10, 15, 30 beziehungsweise 40 Prozent an.
Welche Annahmen hinter dem Modell stehen
CADA sieht einen abgestuften Rahmen zur Bewertung der Cloud-Souveränität vor. Die Europäische Kommission beschreibt UAL1 als Verarbeitung und Speicherung auf Infrastruktur in der EU. UAL2 verlangt zusätzlich Unabhängigkeit von Drittstaaten und Transparenz über die Software-Lieferkette. Für UAL3 nennt die Kommission Eigentum und Kontrolle in der EU sowie weitere Kriterien; zugleich kann sie Anbieter aus Drittstaaten anerkennen. UAL4 verlangt umfassende Transparenz und Kontrolle über die Software-Lieferkette sowie den Ausschluss von Eingriffen aus Drittstaaten. Die Kommission beschrieb CADA am 3. Juni 2026 als Vorschlag und erläutert die Stufen in ihrer Darstellung des Regelungsrahmens.
Für das Medium-Szenario ordnet ECIPE 20 Prozent der betroffenen Arbeitslasten den restriktiveren Stufen UAL3 und UAL4 zu. Außerdem nimmt das Modell an, dass Anforderungen nach Artikel 31 auf 25 Prozent der potenziellen Cloud-Nutzung privater Unternehmen in wesentlichen Sektoren entfallen. ECIPE beziffert diese mögliche Ausgangsbasis vor Anwendung der Quote auf rund 61,2 Milliarden Euro. Die daraus abgeleiteten privaten Kosten hängen damit von den Annahmen zur Reichweite der Anforderungen ab.
Für den öffentlichen Sektor schätzt ECIPE im Medium-Szenario eine Belastung von 35,1 Milliarden Euro, darunter rund 33,3 Milliarden Euro direkte Kosten öffentlicher Haushalte. Für den privaten Sektor veranschlagt die Studie rund 80 Milliarden Euro potenzielle Belastung. Die Sektorwerte sind gerundet.
Was ECIPE für Deutschland schätzt
Für Deutschland beziffert ECIPE die kumulierte wirtschaftliche Belastung im Medium-Szenario für 2027 bis 2036 auf rund 16,2 Milliarden Euro. Auch dieser Länderwert ist eine modellierte Schätzung, keine Rechnung an den Bundeshaushalt.
Der BIP-Wert ist eine eigene Modellgröße
Zusätzlich schätzt ECIPE, dass das reale BIP der EU27 im Medium-Szenario nach den modellierten Anpassungen rund 0,046 Prozent beziehungsweise etwa 8,5 Milliarden Euro unter dem Szenario ohne CADA läge. Dieser Wert beschreibt einen modellierten Unterschied beim BIP-Niveau. Er ist eine eigene Kennzahl neben der kumulierten Belastung.