Bei einer Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober 2026 debattierten Fachleute über die praktische Durchsetzung des EU AI Act. Elizabeth Crossick von RELX bewertete manche Vorgaben als schwach und stellte die Anreize zur Einhaltung infrage. Der Buchwissenschaftler Gerhard Lauer von der Universität Mainz verwies auf den Aufwand, den die Dokumentation KI-gestützter Forschungsschritte mit sich bringt.

Frankfurter Buchmesse: Zweifel an der praktischen Abschreckung

Die Kritik der Teilnehmenden richtete sich auf die praktische Wirkung der Regeln: Rechteinhaberinnen und Rechteinhaber hätten zwar Instrumente, doch deren Nutzen hänge auch davon ab, ob Verstöße wirksam verfolgt würden. Lauer verwies zudem auf technische und organisatorische Hürden, wenn Forschende den Einsatz von KI in ihrer Arbeit dokumentieren sollen. Das waren Einschätzungen aus der Diskussion, keine Feststellung über die Ergebnisse bisheriger Verfahren.

Welche Befugnisse und Fristen das geänderte Gesetz vorsieht

Ja, der EU AI Act sieht administrative Geldbußen vor. Die im Juli 2026 verabschiedete Verordnung (EU) 2026/1744 räumt dem KI-Büro der Europäischen Kommission für die in seinen Zuständigkeitsbereich fallenden Systeme und Akteure außerdem Befugnisse ein: Es kann Verstöße feststellen, Abhilfemaßnahmen anordnen und Geldbußen sowie Zwangsgelder verhängen.

Die geänderte Verordnung legt auch spätere Termine für die Hochrisiko-Anforderungen fest. Für Hochrisiko-KI-Systeme nach Annex III gelten die Anforderungen ab dem 2. Dezember 2027; für Systeme nach Annex I ab dem 2. August 2028. Die beiden Termine betreffen unterschiedliche Systemgruppen.

TRACE: Herkunft und Nutzung wissenschaftlicher Inhalte

TRACE steht für „Trusted Retrieval & Attribution for Content Ecosystems“ und ist eine Gemeinschaftsinitiative für wissenschaftliche Kommunikation mit KI. Sie unterstützt Arbeiten an Standards für die Suche nach und den Zugriff auf Inhalte, an ihrer Herkunftskennzeichnung und Zuordnung sowie an der Erfassung ihrer Nutzung.

Ein Pilot der National Information Standards Organization (NISO) soll ein Mindestmodell für Herkunftsmetadaten entwickeln, die bei der Nutzung von Inhalten durch ein KI-System anfallen. Die Urheberrechtsdurchsetzung und die Zuordnung von Inhalten innerhalb der Gewichte eines Grundmodells gehören nicht zum erklärten Umfang dieses Piloten.

Was der Frankfurter Appell fordert

Der Frankfurter Appell verlangt eine Offenlegung der einzelnen Werke, die zum Training von KI-Modellen verwendet wurden, faire Lizenzierung und wirksamere Möglichkeiten, Urheberrechte durchzusetzen. Das sind Forderungen der Unterzeichnenden, keine zusätzlichen Pflichten aus dem EU AI Act.