Immer wieder entdecken wir beim Blick auf die Informatik-Ausbildung extrem komplexe Projekte, die jahrelange Arbeit erfordert haben. Zum Beispiel ist es unmöglich, den Mega-Processor zu vergessen, einen handgebauten Prozessor, der ein ganzes Wohnzimmer einnimmt, oder den MOnSter 6502, eine Nachbildung des klassischen 6502 in großem Maßstab. Heute stoßen wir jedoch auf MERCIA von Jeroen Brinkman, das ohne einen einzigen Chip auskommt. Alles basiert auf passiven Komponenten und es ist dank fünf Koffern sogar portabel.
Das Black-Box-Problem
Ein grundlegendes Problem bei der Vermittlung der Funktionsweise eines Computers ist, dass moderne Systeme (PCs, Smartphones, Konsolen usw.) wie „Black Boxes“ funktionieren: Man sieht die Eingabe und die Ausgabe, aber nicht, was dazwischen passiert. Genau hier kommen Projekte wie der Papierprozessor oder der Computer aus Murmeln ins Spiel. Nullen und Einsen, Wechsel und Übertragungen, eine Anfrage, die in Ergebnisse … oder Fehler umgewandelt wird, denn manchmal scheitern die Dinge.
Das MERCIA-Projekt
Doch es gibt Ingenieure und Experten, die diese Herausforderung in viel größerem Maßstab angehen. So gelangen wir zum Portal von Jeroen Brinkman und seinem MERCIA-Projekt. Über vier Jahrzehnte hegte Jeroen den Wunsch, einen Computer zu bauen, doch ein Besuch im Bletchley Park Museum und der Nachbau des EDSAC überzeugten ihn schließlich. Im Juni 2014 machte MERCIA seine ersten Schritte und hat seither nicht mehr angehalten.
MERCIA erfüllt mehrere Designparameter. Erstens muss es eine „White Box“ sein, die dem Nutzer jedes einzelne Bit des Speichers zeigt – für ein Kilobyte sind dafür 27.500 Bauteile nötig. Zweitens braucht es ein gewisses Maß an Portabilität, weshalb Jeroen Koffer verwendet. ALU, Register, Dekoder, Mikrocode, RAM und ROM belegen insgesamt 4,5 Koffer – er muss sie nur schließen. Schließlich ist das Design von MERCIA standardisiert und entsprechend dokumentiert. Und als ob das nicht genug wäre: MERCIA basiert weder auf integrierten Schaltkreisen noch auf Röhren oder Transistoren. Mit anderen Worten: Es ist ein Paradies (oder Albtraum) aus Relais, Kondensatoren, Dioden, Kabeln und Schaltern.
Das Ziel von MERCIA ist es, dass jeder versteht, wie es funktioniert – und für dieses Verständnis gibt es wohl nichts Besseres als Relais, auch wenn dafür eine gigantische Anzahl an Bauteilen nötig ist. Die offizielle Seite ist voller technischer Details, aber wir würden uns gleichzeitig freuen, in Zukunft mehr Videos über MERCIA zu sehen.
Offizielle Website: Hier klicken
Quelle: Hackaday