Am 21. Oktober 2026 kündigte die NASA mit Competition Model 2.0 (CM2.0) neue Wege für die Auswahl wissenschaftlicher Missionen an. Künftig soll zuerst die wissenschaftliche Qualität zählen; detaillierte Technik- und Kostenprüfungen folgen, wenn sie für die Entscheidung gebraucht werden. Welche Regeln gelten, hängt vom jeweiligen Programm ab.

Was NASA am Auswahlverfahren ändern will

NASA will CM2.0 schrittweise einführen. Das Modell soll die Auswahl auf den wissenschaftlichen Wert einer Mission ausrichten und den Aufwand für technische und finanzielle Detailplanung zunächst begrenzen. NASA-Administrator Jared Isaacman habe die Science Mission Directorate (SMD) laut dem Schreiben von Nicola Fox, der Leiterin der Direktion, zu schnelleren Auswahlverfahren und einem geringeren Zeit- und Ressourcenaufwand ermächtigt.

Welche Programme welchen Auswahlweg bekommen

Die angekündigten Regeln unterscheiden vier Programmgruppen. Flagship-Missionen behalten ihr bisheriges Verfahren. Zwei Gruppen durchlaufen weiterhin zwei Auswahlstufen, während fünf weitere Programmtypen zu einem einstufigen Wettbewerb wechseln.

NASA-ProgrammgruppeAuswahlverfahrenWas sich ändert oder bestehen bleibt
Flagship-MissionenBisheriges, von der NASA gelenktes VerfahrenNASA bestimmt ein federführendes Zentrum. Wissenschaftsteams und Instrumente werden anschließend über gezielte Ausschreibungen ausgewählt.
Astro-Probes, New Frontiers und DiscoveryZweistufigSchritt 1 verlangt eine wissenschaftliche Begründung, einen Plan zur Umsetzung der Forschung und ein Missionskonzept als Machbarkeitsnachweis.
MIDEX und Earth ExplorerZweistufigUniversitäten und Industriepartner sollen stärker als mögliche Organisationen für die Umsetzung einbezogen werden. Teams können bei der Auswahl für Schritt 1 um eine Zusammenarbeit mit Goddard oder dem Jet Propulsion Laboratory bitten.
SMEX, Missions of Opportunity, Earth Venture, Hosted Payloads und RidesharesEinstufigNASA plant ein kleineres Prüfungsteam, virtuelle Vor-Ort-Besuche und ein breites Feld möglicher Umsetzungspartner.

Bei Astro-Probes, New Frontiers und Discovery soll die erste Einreichung etwa die Hälfte des Materials einsparen, das bisher für eine Antwort auf eine Ausschreibung (Announcement of Opportunity, AO) nötig war. Diese Gruppe ist von MIDEX und Earth Explorer getrennt: Beide behalten zwar ebenfalls zwei Stufen, NASA beschreibt für sie aber eine Erweiterung des Kreises möglicher Umsetzungspartner.

Wie die zweite Stufe zur Missionsauswahl führt

Für Astro-Probes, New Frontiers und Discovery ist Schritt 2 als Missionsimplementierungsstudie (Mission Implementation Study) vorgesehen. Goddard Space Flight Center oder Jet Propulsion Laboratory sollen dabei den wissenschaftlichen Wert, die Umsetzbarkeit des Forschungsplans und die Missionsumsetzung bewerten. So sollen Risiken bereits in der Planungsphase sichtbar werden.

Die Auswahl einer einzelnen Mission ist nach NASA-Angaben für die Mitte von Phase A vorgesehen. Die ausgewählte Mission soll Phase A abschließen und KDP-B mit einem weiter ausgearbeiteten Umsetzungskonzept erreichen. Bei New Frontiers oder Discovery kann die SMD abhängig von der ausgewählten Wissenschaft eine Studie unter Leitung von Goddard an Johns Hopkins Applied Physics Laboratory vergeben.

Welche Auswahlzeiten NASA prognostiziert

Für Astro-Probes, New Frontiers und Discovery erwartet NASA, dass der Zeitraum von der Ausschreibung bis zur Auswahl für Schritt 2 von 35 auf etwa 19,5 Monate sinkt. Die Direktion beziffert die mögliche Verkürzung auf bis zu 45 Prozent.

Für MIDEX und Earth Explorer stellt NASA ebenfalls eine Verkürzung der Auswahlzeit um bis zu 45 Prozent in Aussicht. Für die einstufigen Wettbewerbe, darunter SMEX, Missions of Opportunity, Earth Venture, Hosted Payloads und Rideshares, nennt NASA einen Rückgang der Zeit bis zur endgültigen Auswahl von etwa 32 auf etwa 19 Monate, also bis zu 40 Prozent.

Diese Zeiträume beziehen sich auf Auswahlverfahren, nicht auf Raketenstarts. NASA beschreibt die Werte als Prognosen und plant eine Einführung in Etappen.

Kosten- und Zeitkontrollen bleiben bestehen

Auch mit den geplanten Änderungen sollen strenge Kosten- und Zeitkontrollen für alle Missionsklassen gelten. Werden Kontrollschwellen überschritten, kann NASA Konsequenzen ziehen, bis hin zur Beendigung einer Mission. Außerdem sollen kommerzielle Satellitenbusse, Teilsysteme und der Betrieb mehrerer Missionen berücksichtigt werden, wenn sie technische oder finanzielle Vorteile bieten.