Am 20. Oktober 2026 sagte Alphabet-CEO Sundar Pichai in einem Interview, Google gebe Rechenleistung für Frontier-KI-Forschung und die Entwicklung leistungsfähiger Modelle Vorrang, selbst wenn Google Cloud dadurch kurzfristig Umsätze entgehen. Außerdem skizzierte er persönliche Agenten für Gemini, Google Search und Gmail.

Rechenleistung zuerst für die Frontier-Forschung

Nach Pichais Darstellung erhält Google DeepMind modernste Rechenleistung für Forschung und die Entwicklung von Frontier-Modellen. Erst danach plant Google die Kapazitäten für seine übrigen Geschäftsbereiche. Der zum Interviewzeitpunkt verfügbare Rechenbestand spiegele Entscheidungen aus dem Jahr 2024 wider, sagte Pichai. Google plane den Bedarf zwei bis drei Jahre im Voraus, weil der Ausbau von Rechenzentren lange Vorlaufzeiten habe.

Das Interview ist auch als englischsprachige Audiofolge verfügbar.

Was die Priorität für Google Cloud bedeutet

Pichai sagte, Google Cloud entgingen kurzfristige Umsätze, wenn Rechenleistung stattdessen in die Frontier-KI-Entwicklung fließe. Auf die Frage nach einer Kundenanfrage für Rechenleistung im Jahr 2027 bezeichnete er es als außerordentlich schwierig, sie zu erfüllen. Damit beschrieb er die Kapazitätslage bei dieser Anfrage zum Zeitpunkt des Interviews.

Pichais Zahlen zu Gemini 4 Argon

Für die ersten 72 Stunden nach dem Start von Gemini 4 Argon nannte Pichai einen Verbrauch von fast 25 Billionen Tokens. Das seien ungefähr dreimal so viele Tokens gewesen wie bei Gemini 3.0 in dessen ersten 72 Stunden. Während Google Argon bereitstellte, sei die Kapazität knapp gewesen.

Für die vier Wochen nach Argons Start berichtete Pichai außerdem von 30 Prozent mehr Codeänderungen, sogenannten Change Lists oder CLs, und fast einem Drittel weniger Rollbacks. Ein Rollback macht eine frühere Codeänderung rückgängig. Die Zeiträume gehören zu den jeweiligen Zahlen: Die Token-Angabe betrifft die ersten 72 Stunden, die beiden Entwicklungskennzahlen die folgenden vier Wochen.

Schon am 23. Juli 2026 berichtete Reuters unter Berufung auf Pichai, Google müsse sich beim Coding und beim agentischen Coding noch verbessern. Für Gemini 4 beschrieb Pichai damals eine Roadmap mit neuen Modellen in nahezu monatlichem Takt.

Geplante Agenten für Gemini, Search und Gmail

Pichai sagte, Google wolle persönliche Agenten für Verbraucher in Gemini, Google Search und Gmail anbieten. Die persistenten Agenten sollen den Kontext der Nutzer über diese Dienste hinweg nutzen. Einen Starttermin nannte Pichai nicht.

Sicherheitsarbeit und Googles aktuelle KI-Prinzipien

Pichai beschrieb die heutige rekursive Selbstverbesserung, kurz RSI, als von Forschenden begleitete Schleifen in Teilen der Modellentwicklung. Von einem vollständig selbstverbessernden System sei Google noch weit entfernt. Zugleich räumte er deutliche Lücken bei der Ausrichtung von KI-Systemen ein. Als Sicherheitsarbeit nannte er Echtzeitüberwachung, Telemetrie, Sandbox-Umgebungen und Kundenkontrollen für den Einsatz der Modelle und den Datenzugriff. Außerdem verwies er auf unabhängige Prüfungen, branchenweite Standards und Regulierung.

Googles aktuelle KI-Prinzipien gliedern den Rahmen in drei Bereiche: mutige Innovation, verantwortungsvolle Entwicklung und Bereitstellung sowie gemeinsamer Fortschritt. Sundar Pichais Beitrag von 2018 führte sieben frühere Ziele auf und verweist auf eine Aktualisierung vom 4. Februar 2025. Einen Hintergrund zu Google DeepMind und den Risiken der AGI-Forschung bietet NeoTeos Bericht über die Forschung zu AGI-Risiken.