Spaniens öffentliche Konsultation für einen Entwurf zu neuen Rechenzentren ist abgeschlossen. Der geplante Rahmen würde Anlagen ab 1 MW Netzanschlussleistung an zusätzliche erneuerbare Energie sowie an Vorgaben für Effizienz, Wasser, Resilienz und digitale Souveränität binden. Er ist jedoch noch kein geltendes Recht: Die Konsultation lief vom 27. August bis zum 10. September 2026, eine endgültige Verabschiedung und das Inkrafttreten sind nicht belegt.

Der Entwurf ist noch kein geltendes Recht

Die spanische Regierung will den Ausbau von KI- und Cloud-Infrastruktur ermöglichen, zugleich aber verhindern, dass neue, dauerhaft hohe Stromlasten das Netz und andere Verbraucher zusätzlich belasten. Dafür liegt ein Entwurf für ein Real Decreto vor – ein spanisches Königliches Dekret.

Der entscheidende Punkt für Betreiber: Der Schwellenwert bezieht sich auf die Leistung am Netzanschlusspunkt. Ein Rechenzentrum fällt nach dem Entwurf also ab 1 MW Anschlussleistung in den vorgesehenen Anwendungsbereich; das ist nicht dasselbe wie die elektrische Leistung der IT-Hardware im Inneren.

Was die geplanten Regeln verlangen würden

Der Entwurf verbindet mehrere Pflichten, statt nur den Einkauf von Ökostrom zu verlangen:

BereichIm Entwurf beschriebene VorgabeBedeutung für Betreiber
NetzanschlussRechenzentren ab 1 MW AnschlussleistungDie Schwelle richtet sich nach dem Netzanschlusspunkt, nicht nach der IT-Leistung.
Erneuerbare EnergieFachberichte nennen 80 Prozent erneuerbare DeckungDie Zahl beschreibt eine berichtete Entwurfsbestimmung, keine geltende spanische Pflicht.
Stündliche KorrelationFachberichte nennen 80 Prozent Übereinstimmung zwischen Erzeugung und Verbrauch pro StundeEin Jahresnachweis für Ökostrom würde dafür nicht allein genügen.
Zusätzliche ErzeugungErneuerbare Kapazität soll zusätzlich zur bestehenden Erzeugung entstehenBetreiber müssten neue Erzeugung einbinden, etwa über Eigenerzeugung oder langfristige Lieferverträge.
EnergieeffizienzÜbergangsweise maximaler PUE-Wert von 1,15Der Energieaufwand des gesamten Rechenzentrums soll im Verhältnis zur IT-Leistung begrenzt werden.
WassereffizienzÜbergangsweise maximaler WUE-Wert von 0,1Der Wasserverbrauch der Anlage wird als eigene Effizienzgröße erfasst.
VeröffentlichungAb 500 kW IT-Leistung sollen Energie-, Ökostrom-, Wasser- und Nachfragedaten veröffentlicht werdenAuch unterhalb der 1-MW-Schwelle für den Netzanschluss können Berichtspflichten greifen.

Die berichtete 80-Prozent-Regel und ein Zeitraum von höchstens 18 Monaten zwischen der Inbetriebnahme einer neuen Erzeugungsanlage und dem Start des Rechenzentrums gehören zum beschriebenen Entwurf. Sie sind keine feststehenden Vorgaben für den laufenden Betrieb in Spanien.

Als mögliche Wege nennt der Entwurf beziehungsweise die dazu beschriebenen Modelle Anlagen vor Ort, Eigenverbrauch und langfristige Stromlieferverträge mit erneuerbaren Anlagen in Spanien. Außerdem enthält der Rahmen Anforderungen an die digitale Souveränität: Bestimmte kontrollierte Elemente und Betriebsdaten sollen in der Europäischen Union verankert beziehungsweise dort gehalten werden. Für Systeme des öffentlichen Sektors gelten dabei strengere EU-bezogene Bedingungen.

Warum stündliche Korrelation entscheidend ist

Spanien plant Ökostromregeln für Rechenzentren

Ökostrom auf Jahresbasis zu beschaffen klingt zunächst einfach: Ein Rechenzentrumsbetreiber kauft Zertifikate oder schließt einen Vertrag über eine bestimmte Menge erneuerbarer Energie. Das sagt aber noch nicht, ob in der Stunde des tatsächlichen Verbrauchs auch erneuerbare Erzeugung verfügbar war.

Genau hier setzt die stündliche Korrelation an. Rechenzentren laufen typischerweise kontinuierlich, während Photovoltaik nachts keinen Strom liefert und Windkraft je nach Wetter schwankt. Ein Vertrag über die Jahresmenge löst dieses zeitliche Problem nicht automatisch. Für die restlichen Stunden braucht das System weiterhin Speicher, flexible Erzeugung, Übertragungsnetze oder andere Ausgleichsmöglichkeiten.

Das macht die Regel wirtschaftlich anspruchsvoller als einen reinen Herkunftsnachweis. Betreiber müssten nicht nur neue Erzeugung finanzieren, sondern auch mit der Frage umgehen, wie eine konstante digitale Last und eine wechselhafte Stromproduktion zusammenpassen.

Netzkapazität und Nachfrage

Spaniens Regierung begründet den Handlungsdruck mit einer großen Zahl beantragter Anschlüsse. Für entsprechende Infrastruktur wurden mehr als 6 GW Übertragungsnetzkapazität und seit 2020 ungefähr 6 GW Verteilnetzkapazität vergeben. Diese Werte beschreiben Anschlusskapazität in zwei Netzebenen – nicht den aktuellen Verbrauch aller Rechenzentren.

Zum Vergleich: Die spanische Strategie für künstliche Intelligenz projiziert für 2030 rund 2,5 GW Rechenleistung und dafür etwa 3,5 bis 4 GW Strombedarf. Auch diese Projektion ist eine eigene Größe und nicht mit der bereits vergebenen Netzanschlusskapazität gleichzusetzen.

MessgrößeWertZeitraum und Geltungsbereich
Vergebene Übertragungsnetzkapazitätmehr als 6 GWSpanien; entsprechende Rechenzentrumsinfrastruktur
Vergebene Verteilnetzkapazitätrund 6 GWSpanien; seit 2020
Prognostizierter Strombedarf für Rechenleistungetwa 3,5–4 GWSpanien; Projektion für 2030 im Rahmen der KI-Strategie
Prognostizierte Rechenleistung2,5 GWSpanien; Projektion für 2030 im Rahmen der KI-Strategie

Die Zahlen zeigen, warum Netzplanung im Zentrum steht. Eine Anschlusszusage schafft noch keinen zusätzlichen Strom und ersetzt keine Leitungen, Speicher oder Ausgleichsleistung. Sie macht aber sichtbar, wie groß die erwartete Nachfrage nach neuen Standorten ist.

Wasser, Kosten und die unbequeme Realität

Strom ist nicht die einzige Ressource, um die es geht. Große Rechenzentren brauchen Kühlung, Fläche und leistungsfähige Netzanbindungen. In Aragón haben Ausbaupläne bereits eine Debatte über Wasser und landwirtschaftliche Nutzung ausgelöst. Das zeigt die praktische Grenze des Konzepts „saubere Energie“: Auch ein erneuerbarer Strommix beantwortet nicht automatisch, wie eine Anlage gekühlt wird, welche Netzinfrastruktur sie benötigt oder wer deren Ausbau bezahlt.

Der geplante PUE-Wert von 1,15 und der WUE-Wert von 0,1 sollen diese Fragen messbarer machen. PUE steht für Power Usage Effectiveness und beschreibt das Verhältnis des Gesamtenergieverbrauchs eines Rechenzentrums zur Energie seiner IT. WUE steht für Water Usage Effectiveness und setzt den Wasserverbrauch ins Verhältnis zur IT-Leistung. Beide Kennzahlen sind deshalb keine bloßen Etiketten für „grüne“ Anlagen, sondern konkrete Betriebsgrößen.

Auch die politische Kostenfrage bleibt bestehen. Wenn zusätzliche Nachfrage Netzausbau, Speicher oder Ausgleichskapazität erfordert, entscheidet die konkrete Regelung darüber, wie viel davon Betreiber selbst tragen. Der Entwurf sieht für erhebliche und wiederholte Verstöße Aufschläge auf Stromsystemkosten und Netzentgelte sowie den möglichen Verlust von Anschluss- und Zugangsrechten vor. Ob diese Sanktionsmechanismen in dieser Form bestehen bleiben, ist mit dem Entwurfsstatus nicht entschieden.

Die Spannung ist damit klar: Spanien möchte von Investitionen in KI-Infrastruktur profitieren, aber neue Großverbraucher sollen die Kosten für ein knappes Netz, schwankende Erzeugung und lokale Ressourcen nicht einfach auf das gesamte System verlagern.

Was jetzt zählt

Für Betreiber sind vor allem vier Punkte entscheidend: der endgültige Schwellenwert am Netzanschluss, die genaue Form der erneuerbaren Deckung, die Anforderungen an die stündliche Zuordnung und die Regeln für zusätzliche Erzeugung und mögliche Ausnahmen. Für Städte und Haushalte geht es um die Gegenfrage: Welche Kosten und Ressourcenfolgen entstehen, wenn neue Rechenzentren tatsächlich angeschlossen werden?

Die geschlossene Konsultation war daher ein wichtiger Schritt, aber nicht das Ende des Verfahrens. Spaniens Modell soll digitale Infrastruktur an erneuerbare Energie, effiziente Kühlung und Netzverantwortung koppeln. Ob daraus ein praktikabler Rahmen oder ein Investitionshemmnis wird, hängt am endgültigen Rechtstext – und daran, ob zusätzliche Erzeugung, Speicher, Leitungen und Wasserverbrauch gemeinsam geplant werden.