Südkorea baut sein Projekt AI for All als geplanten öffentlichen KI-Dienst auf: Das Ministry of Science and ICT (MSIT) hat drei Konsortien unter Führung von SK Telecom, Kakao und KT ausgewählt. Ein kostenloser Chatbot ohne Nutzungsgrenze und ein KI-Agent für Behördendienste sollen zunächst als Beta und anschließend landesweit im Jahr 2026 bereitgestellt werden.
Der Plan ist damit mehr als ein weiterer Chatbot. Er verbindet freien Zugang für die Bevölkerung mit einer industriepolitischen Vorgabe: Die zentralen KI-Dienste sollen überwiegend auf südkoreanischen Modellen laufen.
Südkorea will KI zu einem öffentlichen Dienst machen
Das geplante Angebot besteht aus zwei Bausteinen. Der allgemeine Chatbot soll kostenlos und ohne Nutzungsgrenze zur Verfügung stehen. Der genaue technische Umfang dieser Zusage – etwa mögliche Rate-Limits oder Regeln für eine faire Nutzung – ist im Plan nicht näher beschrieben.
Daneben soll ein öffentlicher KI-Agent Bürgerinnen und Bürger zu passenden staatlichen Leistungen führen, Verfahren erklären und bei Anträgen helfen. Später sind auch Funktionen wie Reservierungen und Zahlungen vorgesehen. Es handelt sich um geplante Fähigkeiten des Dienstes, nicht um einen bereits etablierten landesweiten Behördenassistenten.
Bae Kyung-hoon, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wissenschaft und IKT, beschreibt AI for All als Infrastruktur für Arbeit, Bildung und Alltag. Die Regierung verbindet damit außerdem das Ziel, den Zugang zu KI breiter zu verteilen und die Abhängigkeit von ausländischen Plattformen zu verringern.
Heimische Modelle sind Teil der Architektur
Die Vorgaben für die teilnehmenden Dienste sind ungewöhnlich konkret. Mindestens 50 Prozent jedes Dienstes sollen auf einem qualifizierten, in Südkorea entwickelten souveränen Basismodell beruhen. Weitere 30 Prozent müssen auf heimischen Modellen anderer südkoreanischer Unternehmen basieren.
Ausländische Modelle dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie dafür unbedingt erforderlich sind. Für diesen Anteil ist keine staatliche Förderung vorgesehen. Die Konstruktion soll somit nicht bloß einen ausländischen Dienst kostenlos machen, sondern einen Markt für südkoreanische Modelle und Anbieter schaffen.
Auch die Infrastruktur wird öffentlich unterstützt: Für 2026 plant die Regierung die Bereitstellung von 512 NVIDIA-B200-GPUs. Ab 2027 soll MSIT die Kosten für die Versorgung der gesamten Bevölkerung unterstützen und die Weiterentwicklung der KI-Agenten fördern.
So sollen die drei Konsortien den Zugang verteilen
Die ausgewählten Teams setzen auf unterschiedliche Zugangspunkte. Das kann entscheidend sein: Ein Dienst, der über Apps, Web, Telefon und SMS erreichbar ist, spricht andere Nutzergruppen an als ein Angebot, das direkt in einen Messenger oder eine TV-Plattform integriert wird.
| Führendes Konsortium | Geplanter Zugang oder Integration | Geplante öffentliche Funktion |
| SK Telecom | Apps, Web, Telefon und SMS | Öffentlicher KI-Agent für die Suche nach Leistungen und Unterstützung bei Anträgen |
| Kakao | Kakao-Messenger und ein geplanter KI-Telefondienst | Öffentlicher KI-Agent für die Suche nach Leistungen und Unterstützung bei Anträgen |
| KT | Daum sowie Kommunikations-, Medien- und IPTV-Angebote | Öffentlicher KI-Agent für die Suche nach Leistungen und Unterstützung bei Anträgen |
MSIT hatte sechs Bewerbungen bewertet und daraus die drei Konsortien ausgewählt. Die Vereinbarungen und die Vorbereitungen für Beta-Dienste waren für September 2026 vorgesehen; der landesweite Start wurde für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 geplant.
Zugang, Daten und die offenen Folgen des Plans
Die Zusage „kostenlos und unbegrenzt“ dürfte für Bürgerinnen und Bürger zunächst klar klingen, lässt aber Raum für technische Regeln, die erst bei der Umsetzung sichtbar werden. Der politische Wert des Projekts hängt deshalb nicht nur vom Preis ab, sondern auch davon, wie zuverlässig der Dienst arbeitet und wie leicht Menschen staatliche Angebote darüber erreichen.
MSIT zufolge können die beteiligten Unternehmen Geschäftsmodelle auf Grundlage der bei der Nutzung gesammelten Prompt-Daten entwickeln. Damit wird die Datenverwendung zu einem zentralen Bestandteil des Projekts – neben der Frage, wie der Staat den laufenden Betrieb finanziert.
Die breitere Debatte über einen massenhaften KI-Einsatz dreht sich außerdem um Desinformation und Deepfakes, Cyberangriffe, algorithmische Verzerrungen, eine zu starke Abhängigkeit von Automatisierung und mögliche Folgen für Beschäftigung. AI for All soll diese Nutzung in den Alltag bringen. Genau deshalb wird der geplante Rollout zu einem Test dafür, wie universeller Zugang, nationale KI-Souveränität und öffentliche Kontrolle zusammenpassen.