Ein Bericht vom 9. Oktober 2026 schilderte, dass Beschäftigte von TikTok US weiterhin mit globalen Teams über Funktionen, gefährliche Trends und Richtlinien abstimmten und interne Werkzeuge von ByteDance nutzten. Auch North Dakotas IT-Amt hatte demnach keinen Zugang zu TikToks internen Systemen. Damit bleibt die entscheidende Frage offen: Erfüllen die tatsächlichen Abläufe den US-Maßstab für die Trennung von TikTok und ByteDance?
Was die US-Anordnung verlangt
Präsident Donald Trump unterzeichnete am 25. September 2025 die Executive Order 14352. Sie verlangt für eine qualifizierte Veräußerung, dass die App nicht mehr von einem ausländischen Gegner kontrolliert wird und zuvor verbundene Unternehmen keine operative Beziehung zum US-Geschäft behalten. Als Beispiele nennt die Anordnung eine Zusammenarbeit am Empfehlungsalgorithmus und Vereinbarungen zum Datenaustausch.
Das Weiße Haus bewertete den vorgeschlagenen Rahmen als mit diesen Anforderungen vereinbar. Am 23. Januar 2026 gab TikTok bekannt, dass TikTok USDS Joint Venture LLC gegründet worden sei. Die staatliche Bewertung und die Unternehmensangaben beschreiben den formalen Rahmen; die Frage, wie sich die Trennung im Alltag auswirkt, hängt auch davon ab, wie die beteiligten Teams tatsächlich zusammenarbeiten.
Eigentum, Cloud und weltweite Verbindungen
ByteDance behielt laut TikTok 19,9 Prozent an TikTok USDS Joint Venture LLC. Oracle, Silver Lake und MGX halten jeweils 15 Prozent. TikTok beschrieb das Gemeinschaftsunternehmen als mehrheitlich in US-amerikanischem Besitz; auch der siebenköpfige Vorstand sei mehrheitlich amerikanisch. Shou Chew, der weltweite CEO von TikTok, gehört dem Vorstand an.
| Investor | Beteiligung an TikTok USDS Joint Venture LLC |
| ByteDance | 19,9 % |
| Oracle | 15 % |
| Silver Lake | 15 % |
| MGX | 15 % |
TikTok zufolge werden US-Nutzerdaten und der Empfehlungsalgorithmus in Oracles US-Cloud geschützt. Das Gemeinschaftsunternehmen soll den Algorithmus mit Daten von US-Nutzern neu trainieren, testen und aktualisieren. Oracle unterstützt laut TikTok außerdem die laufende Prüfung und Validierung des Quellcodes. Für Richtlinien zu Vertrauen und Sicherheit sowie die Moderation von Inhalten in den USA soll das Gemeinschaftsunternehmen zuständig sein.
TikTok beschreibt zugleich eine Verbindung mit dem weltweiten Dienst als nötig, damit US-Kreative international entdeckt werden und Unternehmen global arbeiten können. TikToks globale US-Unternehmen übernehmen demnach die Interoperabilität sowie bestimmte kommerzielle Tätigkeiten, darunter E-Commerce, Werbung und Marketing. Diese Aufgaben sind von der Zuständigkeit des Gemeinschaftsunternehmens für US-Daten, Algorithmus und Moderation zu unterscheiden.
Was über die Zusammenarbeit berichtet wurde
Für Oktober 2026 wurde über Absprachen zwischen Beschäftigten in den USA und globalen Teams zu Funktionen, gefährlichen Trends und Richtlinien berichtet. Beschäftigte nutzten demnach auch Lark, ein internes Kommunikationssystem von ByteDance, und Aime, einen von ByteDance entwickelten KI-Assistenten innerhalb von Lark.
Der Bericht schilderte außerdem, dass Mitarbeitende davor gewarnt worden seien, sensible US-Nutzerdaten in Aime einzugeben. Die Nutzung der Werkzeuge und die beschriebenen Abstimmungen belegen für sich genommen weder einen Zugriff von ByteDance auf US-Nutzerdaten noch eine Übertragung solcher Daten.
North Dakota hob seine Sperre für TikTok auf staatlichen Geräten auf. Bei der Bewertung berücksichtigte das IT-Amt des Bundesstaats nach Angaben eines Sprechers Eigentumsverhältnisse, Datensicherheit und unabhängige Aufsicht. Das Amt hatte jedoch keinen Zugang zu TikToks internen Systemen. Seine Einschätzung beruhte damit nicht auf einer Prüfung dieser Systeme.
Was sich über die Trennung sagen lässt
Die Beteiligungsstruktur, die von TikTok beschriebenen Schutzmaßnahmen und die berichtete Zusammenarbeit beantworten unterschiedliche Fragen. Eine Beteiligung von 19,9 Prozent sagt für sich allein nicht aus, wer einzelne operative Entscheidungen trifft. Ebenso beschreibt die Speicherung in einer US-Cloud nicht allein, wie Teams bei der Entwicklung von Funktionen zusammenarbeiten.
Executive Order 14352 setzt den rechtlichen Maßstab, das Weiße Haus bewertete den vorgeschlagenen Rahmen positiv, und TikTok beschrieb seine Schutzmaßnahmen sowie die fortbestehende Interoperabilität. Die im Oktober 2026 geschilderten Arbeitsabläufe werfen zugleich Fragen zur praktischen Umsetzung auf. Ob der laufende Betrieb den Maßstab erfüllt, bleibt offen.