Ein VR-Headset selbst zu bauen ist möglich, aber die Projekte unterscheiden sich deutlich: Ein Smartphone-Viewer braucht ein Kartongehäuse und Linsen; ein PCVR-Headset zusätzlich eigene Displays, Sensorik, Firmware und Tracking-Software. Welche Route passt, hängt also zuerst davon ab, ob du einen einfachen Handy-Viewer oder ein PC-verbundenes Headset bauen willst. Design News beschreibt den Smartphone-Viewer; Tim Stevens schildert seinen PCVR-Aufbau.
Zwei Bauwege im Vergleich
| Bauweg | Hauptbestandteile | Montageaufwand |
| Smartphone-Viewer | Smartphone, Kartongehäuse und zwei selbst gemachte, wassergefüllte Kunststofflinsen | Linsen herstellen, Gehäuse zuschneiden und zusammenbauen, Smartphone einsetzen |
| PCVR-Headset | Eigene Displays und Displaycontroller, IMU, Arduino Pro Micro, Linsen, gedrucktes Gehäuse, Gurt und Gesichtspolster | Elektronik auf dem Breadboard testen, Firmware einrichten, kalibrieren und Displays vorsichtig einsetzen |
Die erste Variante ist ein eigener Viewer für das Smartphone. Der PCVR-Weg verlangt zusätzlich Elektronik, Firmware und Tracking-Software. Die Komponenten und Arbeitsschritte gehören deshalb nicht in dieselbe Einkaufsliste.
Was zum PCVR-Aufbau gehört
Tim Stevens verwendete für seinen Aufbau zwei 2,9-Zoll-LCDs mit jeweils 1440 × 1440 Pixeln, einen Displaycontroller, eine IMU, einen Arduino Pro Micro und zwei Linsen mit 34 Millimetern Durchmesser. Dazu kamen ein gedrucktes Gehäuse, ein Gurt und ein Gesichtspolster. Die IMU, kurz für inertiale Messeinheit, erfasst Bewegungen des Headsets.
Das CNCDan-Repository führt für seine V2.0-Version eine eigene Teileliste auf: unter anderem ein Displayset, ein GY91, zwei NRF24L01-Module, eine Pingpongkugel, einen Taster, Stangen und Buchsen sowie Gewindeeinsätze und Schrauben. Die README nennt außerdem drei zu lötende SMD-Bauteile und Verdrahtungsarbeiten für Kalibrierschalter, Tracking-LED und Stromversorgung des Displaytreibers. Kabellose Controller verweist das Projekt auf ein separates Projekt.
Die V2.0-README nennt 2880 × 1440p, 120 Hz, verstellbaren IPD (Abstand der Linsen für den Augenabstand), austauschbare Linsen und einstellbare Helligkeit. Diese Werte und Optionen beziehen sich auf die Projektangaben von CNCDan. Stevens’ Aufbau verwendete dagegen die beiden 1440 × 1440 Pixel großen LCDs und lief laut seinem Bericht mit 60 Hz. Die Angaben beschreiben unterschiedliche Projektkonfigurationen.
Elektronik zuerst auf dem Breadboard testen
- Bauteile zunächst provisorisch verbinden. Stevens empfiehlt, die Verkabelung auf einem Breadboard zu prüfen, bevor die Elektronik in das Gehäuse kommt. So lässt sich der Aufbau testen, bevor die Komponenten eingebaut werden.
- IMU und Arduino verbinden. In Stevens’ Aufbau liefen Stromversorgung und Datenverbindung der IMU über den Arduino.
- Displaycontroller separat versorgen. Stevens rät davon ab, den Displaycontroller über den Arduino mit Strom zu versorgen, weil der Leistungsbedarf der Displays dessen Möglichkeiten übersteigen kann. Er empfiehlt eine separate USB-Stromversorgung oder einen USB-Splitter.
- Den tatsächlichen Sensortyp in der Firmware berücksichtigen. Stevens bestellte ein GY-91, das als mit einem MPU-9250 ausgestattet angeboten wurde, erhielt nach seinem Bericht jedoch ein MPU-6500 ohne Magnetometer. Er änderte das Firmwareziel auf den tatsächlich verbauten Sensor; dadurch verschwand sein Compile-Fehler.
- Displays vorsichtig montieren und danach neu kalibrieren. Beim Einclipsen in die Augenboxen zerbrachen Stevens beide LCDs. Nach einer Änderung der Boxen befestigte er sie mit dünnem Malerkrepp. Nach dem Einbau musste er die IMU erneut kalibrieren, weil sich ihre Ausrichtung verändert hatte.
Tracking und Tragekomfort realistisch einordnen
Ein DIY-Headset hat nicht automatisch 6DoF-Tracking. Stevens’ Aufbau nutzte IMU-basiertes Tracking; in iRacing berichtete er von Drift, vertauschten Achsen und häufigem Rezentrieren. Die CNCDan-README führt 3DoF-Tracking sowie eine zusätzliche 6DoF-Konfiguration mit PSMoveServiceEX auf. Diese Einrichtung ist ein eigener Teil des Projekts.
Auch Stevens’ Eindrücke zu Bild und Passform beziehen sich auf seinen Aufbau: Die Bildwiederholrate von 60 Hz reichte ihm für gelegentliches Üben, zugleich sah er einzelne Pixel. Kabelzug und Druck auf Nase und Wangen störten ihn so stark, dass er nach etwa 15 Minuten aufhören wollte. Das sind seine Erfahrungen mit diesem Headset, keine allgemeine Aussage über jeden Selbstbau.
Für die Teile seines konkreten Aufbaus bezifferte Stevens die anfänglichen Ausgaben auf knapp 180 US-Dollar. Nach 62 US-Dollar für Ersatzdisplays lag seine Gesamtsumme bei 239,93 US-Dollar. Das sind die berichteten Kosten dieses einzelnen Aufbaus, kein Preis für Bauteile in Deutschland.