Viele historische Artikel über Radio befassen sich mit Guglielmo Marconi und seinen Erfindungen, aber der YouTube-Kanal „Railways | Retro Tech | DIY“ nimmt uns mit in die Sowjetunion, um die „Radio per Kabel“ genauer zu untersuchen. Millionen von „Radios“ auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs waren nicht mehr als einfache Lautsprecher, die an ein spezielles Netz angeschlossen waren und die Nachrichten aus Moskau empfingen – ganz ohne Störungen oder zusätzliche Hardware.

Wie funktionierte die sowjetische „Radio per Kabel“?
Die sowjetische „Radio per Kabel“: Wie funktionierte sie?

Einige Regionen haben bereits begonnen, traditionelle Radiofrequenzen zu ersetzen oder abzuschalten, aber anderswo sind sie immer noch so stark wie eh und je. Trotz des Vormarsches des Streamings hat das Einstellen eines Senders und das Entdecken, was im „Äther“ ist, immer noch einen gewissen Reiz. Stellen Sie sich nun ein Radio ohne Drehknopf, ohne Frequenzwahl und ohne Antenne vor. Nur eine Box mit einem Lautsprecher und einem Stecker, der einem Eurostecker ähnelt. Tatsächlich hat „Railways | Retro Tech | DIY“ auf YouTube so ein „Radio“ genommen, es an das Stromnetz angeschlossen, und alles, was er hören konnte, war die 50-Hz-Frequenz der Leitung. Ist es also defekt oder steckt mehr dahinter?

Lernen Sie die sowjetische „Radio per Kabel“ kennen

Beim Öffnen des Geräts überrascht vor allem seine Einfachheit: Neben Kabel und Stecker befinden sich im Inneren ein Transformator, ein Potentiometer zur Lautstärkeregelung und ein Lautsprecher. Diese „Radio“ ist nicht an die normale 220-240-Volt-Leitung angeschlossen, sondern an einen speziellen Ausgang, der normalerweise in den Küchen von Millionen sowjetischer Haushalte installiert war. Das Audiosignal wurde über ein „Kabelnetz“ mit einer Spannung von 30 Volt übertragen. Dieses Signal durchlief den Transformator in der „Radio“ und wurde über den Lautsprecher ausgegeben.

Wie funktionierte die sowjetische „Radio per Kabel“?
Schlicht, günstig... und effektiv, um Propaganda zu verbreiten (!)

Die Gründung des „Kabelnetzes“ geht auf die 1920er Jahre zurück. Die Führer einer sehr jungen Sowjetunion erkannten schnell das Potenzial einer einseitigen und ständigen Kommunikation in den Haushalten des ganzen Landes, aber der Import von Radios war wirtschaftlich nicht machbar, und es bestand immer die Gefahr der Exposition gegenüber „feindlicher Propaganda“. Das Kabelnetz löste beide Probleme mit der Herstellung sehr einfacher Geräte (drei Komponenten plus Gehäuse, Kabel und Stecker) und der vollständigen Kontrolle über die Inhalte, die über das Kabel geliefert wurden.

Wie funktionierte die sowjetische „Radio per Kabel“?
Ohne Leiterplatten, ohne Transistoren... Ich glaube, ich könnte so etwas aus dem Kram zusammensetzen, den ich zu Hause habe.

In den Vierzigerjahren gab es etwa sechs Millionen Kabelradios, während herkömmliche Radios weniger als eine halbe Million ausmachten. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden diese Radios beschlagnahmt, und die verkabelten Einheiten setzten die offiziellen Übertragungen fort. Nach dem Krieg wurde die Installation von Anschlüssen für das Kabelnetz in allen Neubauten obligatorisch.

Wie funktionierte die sowjetische „Radio per Kabel“?
Brot, Milch, Eier... und die Stimme des Staates (!)

Zum Abschluss noch einige technische Details. Im Wesentlichen war das Kabelnetz eine Art nationaler „Intercom“ mit mehreren regionalen Stationen. Das Video erklärt, dass die Übertragung aus Moskau über Telefonleitungen an diese Stationen geschickt wurde. Nach dem Empfang wurde ein Signal von 960 Volt für die spätere Verteilung erzeugt. Kleinere Stationen reduzierten die Spannung auf 240 Volt und sendeten das Signal an Wohnblöcke. Am Ende jeder Leitung wandelte ein Transformator mit 8:1 die 240 Volt in 30 Volt für die Lautsprecher um.

So sehr es auch nur ein einfacher Lautsprecher ist, ich gebe zu, dass ich gerne einen hätte, um ihn in ein Bluetooth-Gerät zu verwandeln oder so ähnlich.